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Immer mehr Gewerbliche springen auf den Altkleider-Zug

02.04.2013 | 16:50 Uhr
Immer mehr Gewerbliche springen auf den Altkleider-Zug
Altkleidersammlungen sind ein profitables Geschäft. Mangels rechtlicher Handhabe können die Ordnungsbehörden auch das Abstellen von Sammelkörben auf privaten GrundstückenFoto: Volker Speckenwirth

Olpe. „Geben ist seliger denn Nehmen“: Dieses an ein Bibel-Zitat angelehnte Sprichwort gilt auch für den Kreis Olpe. Wenn irgendwo Hilfe benötigt wird, dann wird gespendet. Geld, Zahngold, Schuhe, Kleidung - egal: Verzicht ist Nächstenliebe. Doch nicht alle Spendensammler haben ausschließlich Karitatives im Sinn. Kaum riecht’s nach Profit, wird das Sprichwort auch schon umgedreht: „Nehmen ist seliger denn Geben.“

So sind auch die Zeiten, in denen Hilfsorganisationen wie die Caritas oder das Rote Kreuz im Kreis Olpe die einzigen Abnehmer von Altkleidung waren, längst vorbei. Immer mehr privatwirtschaftlich organisierte Sammler drängen auf den Markt. Und weil es seit 1988 in Nordrhein-Westfalen kein Sammlungsgesetz und damit auch kein Genehmigungsverfahren samt Überprüfung der Seriosität mehr gibt, ist das auch völlig legal.

Verärgert sind die Bürger aber dennoch. Jüngstes Beispiel aus der Kreisstadt: die Altkleidersammlung eines Korbacher Textilhandels. Über Ostern stellte das Unternehmen den Bürgern statt bunten Eiern rote Sammelkörbe für gebrauchte Schuhe und Kleidungsstücke vor die Haustür.

„Das ist schon ärgerlich“, kann Thomas Feldmann vom Olper Ordnungsamt den Unmut der Betroffenen verstehen, doch rein rechtlich gibt es nichts zu beanstanden. „Das Sammlungsgesetz wurde auch deshalb abgeschafft, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass der mündige Bürger selbst entscheiden kann, für wen er spenden will.“

Ganz Olpe mit Containern zugestellt

Mithin benötigen Spendensammler auch keine behördliche Genehmigung mehr, wenn sie ihre Körbe oder andere Behälter auf privatem Boden abstellen. Ständen sie im öffentlichen Straßenraum, sähe die Sache schon ganz anders aus.

Hier habe sich eine „neue Form von Sammlung“ etabliert, so Thomas Feldmann. Und der Korbacher Textilhändler mit seinen roten Osterüberraschungen, der nach eigenen Angaben pro Monat rund 50000 Kilogramm Altkleider und Schuhe vermarktet, ist längst nicht der einzige in diesem Geschäft, denn: Seitdem Deutschland den Weg zum Niedriglohnland angetreten hat und Klamotten aus Hungerlohnländern als schadstoffbelastet verdächtigt werden, ist auch hierzulande die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung immens angestiegen. Und Nachfrage regelt bekanntlich den Preis: Jede Tonne Altkleidung schaufelt dem gewerblichen Sammler 300 bis 400 Euro ins Portemonnaie. „Mit Altkleidern kann man viel Geld verdienen“, bestätigt Thomas Feldmann.

Auf diesen Zug sprang kürzlich selbst die sonst so seriöse Arbeiterwohlfahrt Siegen auf. Mit ihren Containern, so Thomas Feldmann, „hat sie das ganze Olper Stadtgebiet zugestellt“. In diesem Fall konnte das Ordnungsamt allerdings eingreifen, denn die Behälter standen auf kreisstädtischem Grund und Boden. Wenige Tage später musste die AWO sie wieder abholen.

Die Flut an Haussammlungen dagegen „können nur die Olper Bürger selbst regulieren“, sagt Thomas Feldmann. Wenn sie ihre alten Schuhe und Kleidungsstücke nur Organisationen überließen, deren Zielsetzung sie kennen und schätzen, dann würden alle anderen Sammler schnell feststellen, dass in Olpe nicht viel zu holen ist.

Michael Alexander

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2013-04-02 16:50
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