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Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an

10.10.2010 | 14:41 Uhr

Attendorn.Vor rund 130 Zuhörern in der neuen Mensa der Ganztagshauptschule erzählte der Enthüllungsautor, der sich immer wieder in verschiedenen Verkleidungen undercover in Firmen einschleicht und katastrophale, skandalöse Verhältnisse in der Arbeitswelt, aber auch in unserer Gesellschaft aufdeckt. Ob als Türke Ali als Leiharbeiter, ob als Hans Esser in einer Bildzeitungsredaktion, als Michael G. in einem Call-Center, als Aushilfe in einer Großbäckerei, deren Arbeitsbedingungen er mit einem Straflager vergleicht, als Obdachloser auf den „Platten“ verschiedener Großstädte oder zuletzt als aus Somalia stammender Schwarzer Kvami Ogonno, der sich auf eine Reise durch Ost- und Westdeutschland macht und dort auf die verschiedensten Formen von Rassismus trifft.

Günter Wallraff, 68, drahtig, dynamisch und in seinen Erzählungen vor dem Attendorner Publikum gerne abschweifend, beschäftigt sich auch mit einer „Branche“ in der deutschen Arbeitswelt, in der, wie in anderen auch, eine Attendorner „Firma“ führend ist. Allerdings nicht unbedingt zur Zierde der Hansestadt. Hier gibt es ein Rechtsanwaltskanzlei die sich, so Wallraff, neben einem zweiten „Spezialisten“ darauf spezialisiert hat Firmen dahingehend zu beraten, wie man missliebige Mitarbeiter einfach und kosteneffizient los wird, auch wenn sie eigentlich unkündbar sind. Wie man die Arbeit von Betriebsräten untergräbt, Betriebsratsmitglieder durch Diskriminierung, Mobbing und Psychoterror los wird oder die Gründung eines Betriebsrats verhindern kann und so „eines der grundlegenden Arbeitnehmerrecht unterläuft“, so Wallraff.

Günter Wallraff schilderte die perfiden Mittel der Rechtsanwälte, die auch vor Rechtsbruch nicht zurückscheuten und ihre Kunden in Seminaren auch indirekt dazu aufforderten, was er anhand von mit eidesstattlichen Erklärungen untermauerten Wortprotokollen belegen könne. Er berichtete davon, dass Praktikanten und Privatdetektive in Betriebe eingeschleust werden, um Mitarbeiter zu bespitzeln; auch, um sogenannte „Minderleister“ wie chronisch Kranke los zu werden.

Wallraff wies auch darauf hin, dass der momentane Aufschwung am Arbeitsmarkt überwiegend der Leiharbeitsbranche und Billiglohn-Jobs, „bei denen der Staat die Löhne noch alimentieren muss“, zu verdanken sei.

Zockerspiel der Banken wieder voll im Gange

Günter Wallraff geißelte auch das Verhalten der Banken, deren „großes Zockerspiel“ nach ihrer vielleicht politisch richtigen Rettung aus der Krise „längst wieder voll im Gange ist“. Auf das Thema Integration, Sarrazins Thesen und die Rede des Bundespräsidenten Wulff angesprochen machte Günter Wallraff deutlich, dass man den „menschenverachtenden Thesen“ Sarrazins, „die aus der Sicht eines Herrenmenschen“ geäußert würden, begegnen müsse. Das habe Bundespräsident Wulff getan.

Allerdings dürfe man die Diskussion über die bei vielleicht 25 Prozent der Betroffenen betreffende Defizite bei der Integration nicht „den Rechten“ überlassen. Wallraff bezeichnete Deutschland auf dem Gebiet der Integration als „Entwicklungsland“, das noch sehr viel von den nordischen Ländern lernen könne.

„Separierung ist das Problem“, so Wallraff. Integration funktioniere da am besten, wo alle Kinder möglichst früh in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen zusammen aufwüchsen. „Hier müssen die besten Pädagogen und auch Geld eingesetzt werden“, forderte der Autor.

Auf zukünftige Undercover-Projekte angesprochen meinte Wallraff, dass er trotz seines Alters dank einer sehr guten Maskenbildnerin vielleicht noch einige Jahre in der Arbeitswelt werde recherchieren können, schloss aber nicht aus, „wenn es so weit ist“ als letzte Aktion aus Heimen für Seniorenheimen oder demenziell Erkrankte zu berichten.

Peter Plugge

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Kommentare
15.10.2010
15:36
Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an
von ProWallraff | #5

da kann ich nr 4 nur zustimmen. im übrigen muss man gar nicht wallraff sein, um zu erkennen, dass diese kanzlei mit harten bandagen kämpft. ich finde, der internetauftritt zum thema seminare ist selbstredend.

14.10.2010
21:01
Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an
von auch OLPER | #4

@3
Na, wenn sich ein Selbstständiger die Zeit als Leiharbeiter zurückwünscht.... es soll ja genug Angebote geben!
Nebenbei: Rassismus Deutscher gegen Ausländer ist mir (als Deutschem) schon begegnet - aber mit den Augen zu sieht die Welt ja gleich viel besser aus.
Und zu dem besagten Anwaltsbüro:
Hab mal danach gegoogelt und mir die Seminarthemen mal angeschaut... betriebliche Mitbestimmung ist ja wohl keine linke Träumerei, nicht Umsonst ist z.B. die Behinderung der Gründung eines Betriebsrates ein STRAFTATBESTAND!!! Da haben wohl einige Leute nicht verstanden wie es sich mit dem Recht des Stärkeren so verhält - vorrausgesetzt natürlich die Belegschaft zieht mit.

13.10.2010
21:03
Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an
von Olper | #3

Vielleicht sollte unser Oberklugscheißer mal in die Rolle eines Selbstständigen schlüpfen, das Lachen würde ihm vergehen und er würde sich die Zeit als Leiharbeiter zurück wünschen.
Daß er Sarrazin einen Herrenmenschen nennt, ist eine Beleidigung, die von Engstirnigkeit und Dummheit zeugt. Rassismus Deutscher gegen Ausländer ist mir noch nicht begegnet, eher in umgekehrter Form. Kein anderes Land gibt so viel Miliarden Steuergelder aus, um vermeintlich notleidende Menschen aufzunehmen. Was sollen wir denn noch alles machen?
Herr Wallraff ist ein linker Träumer!

12.10.2010
17:15
Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an
von ProWallraff | #2

es gibt eigentlich nur eine kanzlei für arbeitsrecht in attendorn, die auch seminare anbietet...

12.10.2010
12:19
Günter Wallraff prangert Attendorner Anwälte an
von 20ozon1 | #1

Und wen meint er nun? Kann ja nun nicht so schlimm sein den Namen zu nennen! Bisschen mehr Vertrauen in die Pressefreiheit, bitte!

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