Großes Projekt für kleine Dörfer
11.11.2010 | 10:49 Uhr 2010-11-11T10:49:00+0100Drolshagen/Germinghausen. Niemand im Drolshagener Stadtrat ist gegen den Plan der Dörfer Germinghausen, Junkernhöh und Köbbinghausen, ein Dorfgemeinschaftshaus zu errichten - es erhält mehrheitliche Zustimmung: Bauchschmerzen „inklusive“.
Niemand im Drolshagener Stadtrat ist gegen den Plan der drei Dörfer Germinghausen, Junkernhöh und Köbbinghausen, ein Dorfgemeinschaftshaus zu errichten. Deutlich wurde aber in den vergangenen Wochen und auch am Dienstag Abend im Bildungs- und Sozialausschuss, dass es handfeste Gegner der „Größe“ des Projektes gibt, und auch in anderen Fraktionen gibt es zweifellos Zustimmer „mit Bauchschmerzen“.
Keine Frage: Der „Förderverein Dorfgemeinschaftshaus“ hatte vor der Ausschuss-Sitzung seine Hausaufgaben gemacht: Markus Berg, stellv. Vorsitzender des Vereins, legte eine professionelle Projektpräsentation vor, die Georg Melcher zu lobenden, aber auch erklärenden Worten veranlasste: „Es hat um diese Sache einen gewissen Wirbel gegeben.“ Es handle sich immerhin um ein großes Projekt für kleine Dörfer. Die jetzt vorgelegten Zahlen seien aber realistischer, als die, die der Verein noch Mitte September präsentiert habe. Melcher: „Wir wünschen dem Verein alles Gute und werden zustimmen.“
Das sah Annemarie Hermann von der UCW anders: „Wir sind nicht ganz so fröhlich. Aus unserer Sicht ist das Projekt überdimensioniert. Wir haben von Trägern anderer Häuser, die auch mit Mieteinnahmen kalkulieren, gehört, dass die Vermietungen zurückgehen.“ Die UCW habe große Skepsis, dass „sich das ewig tragen kann. Wir sehen uns deshalb außerstande, unsere Stimmen dafür zu geben.“
Thomas Gosmann (SPD) stellte heraus, seine Fraktion sei schon in der vergangenen Sitzungsperiode für das Projekt gewesen. Gerade in den Dörfern und für deren Zukunft brauche man solche Projekte. Gosmann: „Ich habe großen Respekt vor den geplanten Eigenleistungen.“ Der Förderverein sei ein „großer Verein mit starker Mitgliederzahl.“ Mit Blick auf die CDU, die das Thema im September noch vertagt hatte, stichelte er: „Das hätten wir auch früher haben können. Die Fragen, die jetzt beantwortet wurden, hätte man schon im letzten Sitzungsblock stellen können.“
Abseits des politischen Schlagabtausches stand das detaillierte Zahlenwerk im Blickpunkt, das Markus Berg präsentierte. Die wesentlichen Fakten im Überblick: Das neue Gebäude wird eine Gesamtfläche von 405 qm und ein Villen-ähnliches „Gesicht“ haben. Kernzelle des Hauses sind zwei voneinander abtrennbare Räume, einer rund 170 qm groß, der andere rund 120 qm. Eine besondere Atmosphäre erhält der größere Raum durch eine mit großen Fensterflächen gestaltete Rundung.
Von den gesamten Bauausgaben in Höhe von rund 325.000 Euro will der Verein rund 150.000 Euro an Eigenleistung einbringen. Berg: „Wir bauen das Haus praktisch selbst, bis auf einige Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten.“ Mit der Eigenleistung, dem Zuschuss der Stadt und zahlreichen Spenden verbleibe lediglich ein Kreditbetrag von 15.000 Euro.
15.000 Euro pro Jahr
Der Knackpunkt in der Auseinandersetzung mit der CDU war die Unterhaltungskalkulation: Hier ist der Förderverein sicher, künftig pro Jahr rund 15.000 Euro einnehmen zu können. Der Verein rechnet mit Mieteinnahmen für 30 Veranstaltungen pro Jahr, fünf Tagungen oder Seminare, 200 Probeabende von Vereinen (zusammen 8750 Euro) sowie mit Mitgliedsbeiträgen (5000 Euro) sowie einigen Spenden und sonstigen Einnahmen.
Demgegenüber stünden „nur“ jährliche Ausgaben von 12.890 Euro. Position bezog der Förderverein auch zu der Frage, warum die Dörfer überhaupt ein Gemeinschaftshaus bräuchten: „In den drei Dörfern gibt es acht Vereine, die kein Vereinsheim haben. Feiern und Veranstaltungen können seit der Schließung der Gastwirtschaft Stahlhacke im Jahr 1999 nicht mehr stattfinden. Zudem soll das Gemeinschaftsleben der drei Dörfer intensiviert werden.“
Neben dem 40.000 Euro-Zuschuss übernimmt die Stadt Drolshagen Planungs- und Nebenkosten in Höhe von rund 20.000 Euro und stundet die Kanal- und Wasseranschlussbeiträge in Höhe von rund 50.000 Euro. Zudem wird das Grundstück (rund 3700 qm) zur Verfügung gestellt, über dessen Wert es bereits Kontroversen gegeben hatte, da die Verwaltung einen Grundstückswert von 50.000 Euro für Bauerwartungsland angesetzt hatte. Der Förderverein hatte darauf hingewiesen, dass es sich eigentlich nur um ein „Biotop“ handele. In der Sitzungsvorlage für den Sozialausschuss hatte die Verwaltung denn auch den „Biotop-Wert“ mit angegeben, der bei nur 59 Cent pro qm liege.
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