Das aktuelle Wetter Olpe 11°C
Tür an Tür

Gemenge in der Günse: Vieles unklar

09.02.2012 | 16:49 Uhr
Gemenge in der Günse: Vieles unklar
Die Günsestraße in Olpe: Seit jeher ,Gemengelage' zwischen Wohnen und Gewerbe.

Olpe.Wenn der Baurechtler von „Gemengelage“ spricht, dann ist meist Ärger vorprogrammiert. Warum? Der Begriff umschreibt, dass unterschiedliche Interessen in ein- und demselben Gebiet aufeinandertreffen. An einem Beispiel fast mitten in der Stadt Olpe wird das deutlich - und zwar in der Günsestraße, wo Gewerbebetriebe und Wohnhäuser unmittelbar nebeneinander stehen:

Die einen wollen produzieren, die anderen möglichst ungestört wohnen. Zulässig ist in einem solchen Mischgebiet „nicht störendes Gewerbe“. Aber was ist „nicht störend“? Eine Frage, die gegebenenfalls über Grenzwerte und Lärmgutachten geklärt werden muss.

Vor allem dann, wenn ein Betriebswechsel ansteht - wie eben in der „Günse“, wo der seit 40 Jahren bestehende Gabelstapler-Händler wegen seines fortgeschrittenen Alters den Firmensitz verkaufen möchte.

Kaum wurde das bekannt, ging die Angst um. Angst, dass der Nachfolgebetrieb einen Höllenlärm, Dreck und Lkw-Verkehr in Massen verursachen könne.

Der Firmenbesitzer ist sauer, hat den Eindruck, die Stadt Olpe wolle ihm „Steine in den Weg“ legen. Auf Anfrage sagt er: „Ich verstehe das nicht, ein Unternehmen bringt doch Steuereinnahmen für die Stadt. Aber Olpe hat offenbar genug Geld.“

Zudem beteuert er, der favorisierte Nachfolger, ein Fensterbauer aus Wenden, sei kein bisschen lauter als er selbst: „Der hat viel investiert, in ganz leise Maschinen. Bei uns kommen auch etwa 15 Lkw pro Woche und machen Lärm.“

Bei Stadt und Kreis herrscht ebenfalls „Gemengelage“, steht man der Angelegenheit auch mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Kreis-Baudezernent Heinz-Gerd Kraft sagt Grundsätzliches: „Der Kreis wird dann beteiligt, wenn der Imissionsschutz eine Rolle spielt.“ Im vorliegenden Fall könne es sich um eine Situation handeln, „die nicht eindeutig einer Nutzungs-Kategorie zuzuordnen ist.“ Auf der einen Seite gebe es im Sinne eines Bestandsschutzes durch den vorhandenen Betrieb eine Vorbelastung, die viele Jahre akzeptiert sei, auf der anderen Seite den Schutz der dort Wohnenden.

Bleibt nur das Fazit für den Außenstehenden: Eindeutig ist wenig, unklar offenbar vieles.

Des Themas hat sich mittlerweile die UCW im Stadtrat Olpe angenommen, die Mitte der Woche auch Akteneinsicht genommen hat. Auch die Fraktion kämpft mit besagter „Gemengelage“, ringt sich aber dennoch zu einer Position durch, wie Fraktionssprecher Udo Baubkus gestern auf Anfrage bestätigte: „Wir sind nach Auswertung der Fakten der Meinung, man solle den Kaufinteressenten vor sich selbst schützen. Denn wir bezweifeln, dass er die in diesem Gebiet geforderten Emissionswerte dauerhaft einhalten kann.“ Es sei nicht wirtschaftsfreundlich, einen Unternehmer investieren zu lassen, obwohl er sich anschließend in erhebliche Schwierigkeiten mit Anwohnern verstricken könne.

In der Günsestraße herrscht jedenfalls Skepsis vor. Die Toleranz gegenüber Industrie und Gewerbe hat auch ihre Grenzen. Schon die Ansiedlung eines Speditionsunternehmens hatte vor einigen Jahren für Ärger gesorgt, so dass einige Fragen, die sich um den Emissionsschutz drehten, vor Gericht geklärt werden mussten. Seitens der Stadt war man gestern auf Anfrage eher „zugeknöpft“: Baudezernent Bernd Knaebel verwies auf die grundsätzliche „Nichtöffentlichkeit“ des Themas. Ein Bauantrag im Sinne einer Nutzungsänderung liege jedenfalls noch nicht vor, lediglich eine Anfrage.

Josef Schmidt

Facebook
 
Kommentare
10.02.2012
11:55
Gemenge in der Günse: Vieles unklar
von J-Sch | #1

so eine "Gemengelage" gibt es auch in Wenden.
Siehe hier:
http://www.youtube.com/watch?v=ncjE5OogsZ4
das wünsche ich Niemandem!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6332720/create

Aktuelle Fotos und Videos
15. Stadtfest in Olpe
Bildgalerie
Stadtfest Olpe
Veilchendienstag in Grevenbrück
Bildgalerie
Karneval 2012
Veilchendienstag in Attendorn
Bildgalerie
Karneval 2012
Rosenmontagszug in Schönau
Bildgalerie
Karneval 2012
Aus dem Ressort
Parkmisere bleibt Dauerbrenner in Olpe
Parken in Olpe
Die Köpfe rauchen seit Monaten, aber eine für alle befriedigende Lösung, da sind sich die Verantwortlichen bei Stadt und Bäderbetrieben offenbar einig, wird kaum zu finden sein: Die Rede ist von der Parkmisere in der Innenstadt.
Prokurist erhebt im Prozess Vorwürfe gegen Rüdiger Höffken
Gericht
Während der Felgenfabrikant im Prozess schweigt, redet sein ehemaliger Mitarbeiter von Drohungen. Fortsetzung folgt am 6. Juni.