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Schöffengericht Olpe

Ganoven-Chauffeur auf Anklagebank

30.03.2012 | 17:25 Uhr
Ganoven-Chauffeur auf Anklagebank
Vom Olper Gerichtssaal schnurstracks in die Freiheit: Der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Olpe/Lennestadt. Mit einer Serie von Einbruchsdiebstählen im Lennestadt und Finnentrop hielt im Sommer 2011 eine Gruppe junger Ganoven die Polizei in Atem. Die Haupttäter sind bereits verurteilt. Am Freitag stand der Fahrer und Schmiere-Steher der Gang in Olpe vor Gericht.

In betont knappen Sätzen und einem Tonfall zwischen Geschäftsmäßigkeit und Gleichgültigkeit beschrieb der Lennestädter vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Richard Sondermann seine Rolle bei den insgesamt acht Coups.

„Als das passiert ist, da war ich im Auto“, erklärte er beispielsweise seine Beteiligung an einem Einbruch in das Grevenbrücker Pfarrheim. Amtsrichter Sondermann: „Mit der Sache haben Sie also gar nichts zu tun?“ Der Angeklagte: „Sozusagen nicht.“

Immer wieder stand der 23-Jährige auch Schmiere, während seine Komplizen auf Beutezug gingen. Natürlich hätte er sie gewarnt, wenn die Polizei aufgekreuzt wäre, betonte er auf Nachfrage des Olper Richters. „War das Ihre Aufgabe?“, wollte Richard Sondermann noch wissen. Daraufhin der Lennestädter: „Nicht direkt.“

Bei einem Einbruch in das Pfarrheim in Saalhausen ließen die Mein-und-Dein-Verwechsler den Laptop des Pfarrers mitgehen. Sie parkten ihre Beute zunächst in einem Gebüsch, doch als sie sie wieder abholen wollten, war der Rechner nicht mehr da.

Am 15. Juli 2011 nahm sich die Tätergruppe die Volksbank- und Sparkassen-Filialen in Bamenohl vor. Ohne Beute musste sie wieder abziehen.

Auch ein Sonnenstudio in Elspe suchten die jungen Einbrecher heim. Gewaltsam durchs Toilettenfenster eingestiegen, ließen sie rund 600 Euro Bargeld mitgehen.

Im Grevenbrücker Pfarrheim fiel ihre Beute nicht ganz so lukrativ aus: drei Tüten Kartoffelchips und eine Flasche Sportlerwasser. Dennoch war’s ein „Diebstahl in einem besonders schweren Fall“. Denn die Gang hatte diese Tat ja nicht wegen der Knuspertüten begangen.

Aus einem Logistik-Unternehmen in Elspe stahlen die Langfinger 474 Euro, aus dem Pfarrheim Bamenohl 120 Euro.

Am 18. Juli 2011 landen sie in Finnentrop ihren größten Coup: Aus einem Lotto-Toto-Laden nahmen sie nicht nur Tabakwaren im Wert von etwa 6000 Euro mit, sondern auch noch 225 Rubbel-Lose für 400 Euro. Die Frage, ob sie beim anschließenden Rubbeln Erfolg hatten, kam im Gerichtssaal leider nicht zur Sprache.

Obwohl der 23-jährige Angeklagte bei der Einbruchserie „nur“ als Gang-Chauffeur oder zur Tatort-Absicherung fungierte, sprach sich der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim für eine Freiheitsstrafe aus. „Wer so eine Serie hinlegt, drei Wochen nach seiner letzten Verurteilung, der kann nicht mit einer Geldstrafe durchkommen.“ Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung, so seine Forderung.

Verteidigerin Marion Garra erinnerte dagegen an das Strafmaß für die bereits verurteilten Haupttäter. Den 23-jährigen Lennestädter „kann man nicht härter bestrafen als die aktiven Täter“, gab sie zu bedenken.

Das Olper Schöffengericht blieb mit seinem Urteil dann auch unter den Vorstellungen der Staatsanwalt und brummte dem Angeklagten wegen „gemeinschaftlich begangenem besonders schweren Diebstahl“ eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zusätzlich 120 Stunden gemeinnützige Arbeit auf.

Michael Alexander


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