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Frohe Botschaft nur halbe Wahrheit

29.01.2012 | 16:07 Uhr
Frohe Botschaft nur halbe Wahrheit
Die Statistiken der Arbeitsagenturen sahen für den Kreis Olpe zuletzt blenden aus. Doch die Zahlen können auch anders beleuchtet werden.

Kreis Olpe.Eine sensationell niedrige Arbeitslosenquote im Kreis Olpe und gleichzeitig noch 200 freie Stellen in Raum Olpe und Umgebung: Diese Verlautbarungen aus der Siegener Arbeitsagentur klingen wie eine frohe Botschaft, doch sie sind nur die halbe Wahrheit. Beim genaueren Hinsehen fallen einige Eigenarten der Arbeitslosenstatistik auf, die zwar für positive Zahlen sorgen, aber nicht immer die tatsächlichen Gegebenheiten widerspiegeln.

So gelten bei der Arbeitsagentur zahlreiche Menschen, die de facto arbeitslos sind, nicht als arbeitslos: All diejenigen, die an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik wie etwa Lehrgängen zur beruflichen Eingliederung teilnehmen, fallen durchs Raster. In der Statistik sind sie aber dennoch zu finden: Ganz weit hinten auf den letzen Seiten sind sie als „Unterbeschäftigte“ aufgeführt.

So waren beispielsweise im Dezember 2011 im Kreis Olpe laut offizieller Statistik 3089 Menschen arbeitslos. Arbeitslosenquote: 4,1 Prozent. Wer nun die Arbeitslosen hinzu rechnet, die für die Arbeitsagentur wegen der Teilnahme an „arbeitspolitischen Maßnahmen“ nicht arbeitslos sind, kommt auf 3364 Menschen ohne Job. Die Arbeitsagentur spricht dann von „erweiterter Arbeitslosigkeit“.

Das sind immerhin 275 Arbeitslose mehr, die natürlich auch die Quote nach oben treiben. Und die liegt dann für Dezember 2011 nicht mehr bei nur 4,1 Prozent, sondern bei 4,46 Prozent.

Ein weitere Eigenart der Statistik liegt in der Bemessungsgrundlage für die Arbeitslosenquote. Die Arbeitsagentur bezieht sich bei ihren Berechnungen auf „alle zivile Erwerbspersonen“. Das sind

sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Auszubildende, geringfügig Beschäftigte, Beamte (ohne Soldaten), gemeldete Arbeitslose, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige - summa sumarum im Kreis Olpe rund 75300 Menschen.

5,7 Prozent klingt nicht mehr so gut wie 4,1

Eine andere Bemessungsgrundlage, die die Arbeitsagentur zwar selbst alternativ verwendet, aber bei der offiziellen Verkündigung der monatlichen Zahlen nicht berücksichtigt, sind die „abhängigen zivilen Erwerbspersonen“. In diesem Fall werden die Selbstständigen und mithelfenden Familienmitglieder nicht mitgerechnet - macht rund 67100 Menschen im Kreis Olpe.

Auf der Grundlage dieser Berechnungsmethode würde die offizielle Dezember-Arbeitslosenquote bei satten 4,6 Prozent liegen. Die so genannten „Unterbeschäftigten“ aus der „erweiterten Arbeitslosigkeit“ mit eingerechnet, ergäbe sich für den Kreis Olpe gar eine Arbeitslosenquote von 5,01 Prozent.

Das klingt längst nicht so gut wie 4,1 Prozent, doch es kommt noch schlimmer. Nämlich dann, wenn man die zweite Klasse der „Unterbeschäftigung“ bei den Arbeitslosenzahlen berücksichtigt: von der Arbeitsagentur finanzierte berufliche Weiterbildung zum Beispiel, Arbeitsgelegenheiten oder Beschäftigungszuschüsse.

Dann schnellt die Quote im Kreis Olpe auf 5,1 Prozent (aller ziviler Erwerbspersonen) bzw. auf 5,7 Prozent (der abhängigen zivilen Erwerbspersonen) hoch. Last not least stellt auch das Alter der Joblosen ein Quotenreduzierungsinstrument dar: Denn erwerbsfähige Hilfebedürftige, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens 12 Monate lang „Hartz IV“ erhalten haben, fallen völlig aus der Arbeitslosenstatistik heraus.

Wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail

Ob 4,1 oder 5,7 Prozent Arbeitslose im Kreis Olpe: Die von der Arbeitsagentur registrierten 200 freien Stellen in Olpe und Umgebung machen natürlich Mut. Doch auch hier steckt der Teufel im Detail. Denn 135 dieser in der Jobbörse der Arbeitsagentur zu findenden Arbeitsstellen sind 400-Euro-Jobs und 127der 200 Stellen werden mit allen daraus für den Arbeitnehmer entstehenden Nachteilen von Leiharbeitsfirmen und privaten Arbeitsvermittlern angeboten.

Michael Alexander

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