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„Ein erfolgreicher Betrieb hängt am Ende immer vom Wetter ab“

15.08.2012 | 17:45 Uhr
„Ein erfolgreicher Betrieb hängt am Ende immer vom Wetter ab“
Das derzeitige Traumwetter zieht die Menschen in die Freibäder.

Olpe.   Peter Harzheim aus Olpe arbeitet als Schwimmmeister in der Gemeinde Finnentrop. Vor 37 Jahren hat er sein Hobby zum Beruf gemacht, wie er sagt. Seit drei Jahren ist der 56 Jahre alte Sauerländer Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister.

Bei diesem Traumwetter mache die Arbeit im Freibad noch mehr Spaß, erzählt Peter Harzheim, Schwimmmeister in der Gemeinde Finnentrop. Der 56-jährige Olper ist seit drei Jahren Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister.

Kommunen klagen angesichts klammer Kassen über den Zuschussbetrieb Freibad und scheuen sich nicht vor Schließungen. Sind Freibäder noch zeitgemäß?

Frei- und auch Hallenbäder haben ihre Existenzberichtigung. Sie haben schon früher Geld gekostet und werden auch in Zukunft Geld kosten. Man darf sie nicht nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Es sind nachhaltige Einrichtungen. Der „Gewinn“ für die Gesellschaft ergibt sich später: Die Menschen werden weniger krank, wenn sie sich regelmäßig im Freibad körperlich betätigen.

Und doch hat das Interesse nachgelassen. Wie kommt das?

Früher ging die Familie ins Freibad, hatte höchstens einen Ball dabei und nutzte eine Wiese zum Spielen und Sonnen sowie ein Becken zum Schwimmen. Man war kreativ und brauchte kein großes Drumherum. Heute wollen die Leute etwas geboten bekommen. Animation, Wellness oder besondere Spielgeräte - was zusätzlich Geld kostet. Zudem ist über die Jahre das Freizeitangebot deutlich größer geworden.

Zum Beispiel kann man seine Zeit vor dem Computer oder am I-Pad verbringen. Was dazu führt, dass es in der „Generation Facebook“ immer mehr Nichtschwimmer gibt.

35 Prozent der Schüler der 4. und 5. Klasse in NRW können nicht sicher oder gar nicht schwimmen. Das hat auch damit zu tun, dass Kinder und Jugendliche vor dem Computer sitzen. Ein weiterer Grund ist, dass viele Schwimmstätten geschlossen werden. Und es damit weniger Möglichkeiten gibt, das Schwimmen zu lernen.

Welche Rollen spielen dabei Spaßbäder?

Ich habe nichts gegen Spaßbäder, zumal dort auch Arbeitsstellen für Kollegen sind. Es dürfen nur nicht zu viele solcher Einrichtungen sein, weil Gäste sich hier nicht körperlich betätigen können und Kunden bei Freibädern abgegrast werden. Wir brauchen 0815-Bäder, in denen Kinder das Schwimmen lernen und ältere ihre Bahnen schwimmen können. Ansonsten steigt die Zahl der Nichtschwimmer noch weiter - und damit auch die der Unfälle an Gewässern.

Die Vermittlung ist eine der Aufgaben des Schwimmmeisters. Hat sich das Berufsbild verändert?

Natürlich. Wir sind Animateur, Psychologe, Schwimmlehrer, Arzt, Retter, Techniker, Kassenverwalter und vieles mehr. Aber wir sind weiter Garanten für die körperliche Unversehrtheit der Badegäste und für den Zustand der Immobilie.

Hat die Autorität abgenommen?

Früher stand ein Schwimmmeister als Respektsperson auf einer Stufe mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer. Heute hat der Respekt gegenüber Aufsichtspersonal - nicht nur in meinem Beruf - nachgelassen. Ermahnt man ein vom Beckenrand springendes Kind, erhält man schon einmal die Antwort: „Was willst Du? Du kannst mir nichts.“

Wie kann man Respekt zurückgewinnen?

Zunächst einmal: Das Gros der Badegäste benimmt sich und weiß, dass Schwimmmeister nicht lästig sind, sondern die Motoren, die den Betrieb aufrecht erhalten. Ein Problem ist, dass die Zahl der Mitglieder in Schwimmvereinen sinkt, je mehr Bäder dicht gemacht werden. Es gibt kaum einen besseren Ort, soziale Kompetenz zu lernen, als einen Sportverein.

Sie sind seit 37 Jahren Schwimmmeister. Können Sie jedem empfehlen, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Unbedingt. Es ist ein vielseitiger Beruf, der leider nicht immer ordentlich bezahlt wird. Insbesondere Privatbetriebe meinen, Kosten beim Personal einsparen zu müssen. Da appelliere ich an die Fürsorgepflicht des Staates. Er muss die Rahmenbedingungen für eine vernünftige Bezahlung schaffen.

Wie ist die Situation der Freibäder in Südwestfalen?

Natürlich haben wir auch hier Probleme. Insbesondere kämpfen wir mit Talsperren um Badegäste. Am Ende hängt ein erfolgreicher Betrieb immer vom Wetter ab. Und da gilt, dass nur an zwanzig Tagen im Jahr Freibadwetter in Deutschland herrscht. Grundsätzlich sind die Menschen empfindlicher geworden. In meiner Kindheit ging es auch bei bedecktem Himmel und etwas niedrigeren Temperaturen ins Freibad. Heute eher nicht mehr.

Haben Freibäder dennoch eine Zukunft?

Auf jeden Fall. Wir müssen in der Öffentlichkeit Sinn und Zweck körperlicher Betätigung wieder in den Vordergrund rücken, den Breitensport anschieben und nicht alle naselang Bäder schließen. Für Banken und Länder gibt es Rettungsschirme, warum eigentlich nicht für Freibäder? Sie sind wunderbare Orte der Kommunikation und der Kreativität. Das ist wichtig - denn je mehr wir unser Gehirn entlasten, umso träger werden wir.

Rolf Hansmann



Kommentare
16.08.2012
22:12
„Ein erfolgreicher Betrieb hängt am Ende immer vom Wetter ab“
von Ratefuchs | #4

Passend zur Überschrift fällt mir noch eine Begebenheit ein. Damals stellte sich unser neuer 1. Beigeordneter der Stadt im Freibad vor. Er wollte sich das Freibad genau anschauen und uns Schwimmmeister, ( Ich war noch Azubi) kennen lernen.
Er lies sich das Bad zeigen, fragte uns Löcher in den Bauch und dann wollte er auch noch mit einigen Badegästen sprechen. Er ging zu einer Gruppe Jugendlicher und fragte sie, was er denn für das Bad machen könne. Ob er sich für eine Rutsche stark machen solle, ob die Eintrittspreise und Öffnungszeiten in Ordnung seien, Ob sie einen Bolzplatz im Freibad haben wollten, oder einen Grillplatz....
Ein Knabe von etwa 14 Jahren unterbrach den Beigeordneten- deutete mit seiem Finger zum Himmel und sagte: "Sorgen sie einfach nur für gutes Wetter" :-))

16.08.2012
22:04
„Ein erfolgreicher Betrieb hängt am Ende immer vom Wetter ab“
von Ratefuchs | #3

Was noch auf uns zu kommen wird, ist ein Mangel an Aufsichtskräften an unseren Stränden der Nord und Ostsee, sowie an unseren vielen Binnenseen. Es gibt immer weninger junge Menschen, und davon können dann auch noch so viele nicht richtig schwimmen. Das bedeutet doch auch, dass es immer weniger Menschen gibt, die sich zum Rettungsschwimmer bei der DLRG oder bei der Wasserwacht ausbilden lassen.
Und Polizisten, oder Berufssoldaten wird es wohl auch bald nicht mehr geben, denn wer zur Polizei oder zur Bundeswehr möchte muss das Schwimmabzeichen in Bronze besitzen und während der Ausbildung den Rettungsschwimmschein erwerben.

16.08.2012
20:07
Absolute Zustimmung für Peter
von Olperin | #2

Als ich 5 Jahre alt war, habe ich einen Wassergewöhnungskurs beim Bademeister Peter besucht. Er hat mir und anderen Kindern die Angst vor dem Wasser genommen. Ich habe meine Liebe zum Wasser nie verloren. Noch heute besuche ich das Olper Schwimmbad regelmäßig. In meiner ganzen Kindheit und Jugendzeit war ich ständig im Schwimmbad. Ohne Animation, ohne Wellenbad. Einfach zum Spaß. Und die Schwimmmeister hatten damals einen sehr hohen Stellenwert. Weil sie sich gekümmert haben!

Die Aufgabe der Schwimmbäder ist mehr als nur Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche. Sie haben, meiner Meinung nach, einen Bildungsauftrag. Schwimmenkönnen rettet Leben! Was sollen denn die vielen Nichtschwimmer eines Tages machen, wenn ihr eigenes Kind eines Tages in den See fällt? Hinterherspringen und ertrinken?

Herzlichen Dank nochmal an Peter (und seine Kollegen), dass er sich so um seine kleinsten Gäste gekümmert hat. Ohne dich hätte ich den Kopfsprung vom 3m-Brett nie gelernt ;-)

16.08.2012
18:00
„Ein erfolgreicher Betrieb hängt am Ende immer vom Wetter ab“
von Ratefuchs | #1

Ich kann die Aussagen von Herrn Harzheim voll und ganz unterstreichen. 1983 habe ich die Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen begonnen. Damals kamen einige Badegäsgte mehrmals in der Woche. Auch Kinder wurden nach den Hausaufgaben gebracht, und kurz vor dem Abendessen wieder abgeholt. Die Eltern haben zwischenzeitlich eingekauft, oder waren mit Freunden Kaffee trinken. Das war aber in einem 08/15 Bad, oder wie ich diese Art Bäder nenne, "Volksbad" Möglich war das, weil die Kinder 1 DM Eintritt bezahlen mussten. Erwachsene kamen für 2 DM ins Hallenbad.
Im Freizeitbad bezahlt man 4 € Kinder bzw. 6 € Erw., aber nur dann wenn man pünktlich nach 150 Minuten wieder aus dem Bad raus ist, sonst ist eine Tageskarte fällig, die noch teurer ist. Geschwommen wird in den Freizeitbädern nur wenig. Die meisten Besucher tummeln sich im Wasser unter dem Wasserfall, liegen im Luftsprudebecken und die Kinder rutschen sich die Badebade blank. Das sportlichste am Rutschen ist das Treppensteige.

2 Antworten
Teil 2
von Ratefuchs | #1-1

Bäder kosten Geld, und genau wie Herr Harzheim vertrete ich die Meinung, das die Volksgesundheit auch etwas Geld kosten darf. Wir müssen dem Volk aber sagen, dass es etwas für seine Gesundheit tun muss. Und das fängt im frühen Kindesalter an.
Nur, wer sich schon als Kind an den regelmäßigen Sport gewöhnt, wird auch als Erw. regelmäßig Sport betreiben. Die "Mach mal eben Sportabzeichen" oder die Bundesjugendspiele, die einmal im Jahr durchgeführt werden, sind da nicht ausreichend.
Zumal, diese beiden Aktion, von vielen Kindern als lästige Pflicht angesehen wird.
Den Kindern muss das etwas schmackhafter gemacht werden. Ich habe da noch einige Ideen, die ich naher Zukunft bei mir im Bad umsetzen werde. Das Volk muss die noch verbliebenen Volksbäder auch nutzen, damit die Politiker nicht auf so unschöne Spargedanken kommen.

Teil 3
von Ratefuchs | #1-2

Einen Rettungsschirm für Freibäder, der Gedanke gefällt mir richtig gut. :-)
Ich kann mich daran erinnern, dass es in einer Stadt eine Unterschriftenaktion für den Erhalt eines Freibades gab. 4500 Unterschriften wurden von einigen Aktivisten gesammelt und stolz den Stadtvertretern übergeben. Mein Vorschlag nicht Unterschriften zu sammeln, sondern Jahreskarten zu verkaufen, wurde nur belächelt, aber vermutlich nur deshalb, weil niemand richtig nachgerechnet hat. :-))
Mein zweiter Vorschlag, dass die größeren Betriebe der Stadt Jahreskarten erwerberben und diese zu Weihnachten an ihre Mitarbeiter verschenken wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber so richtig hatte sich niemand drum gekümmert. Die Chefs die dies hier lesen, sollten doch noch mal darüber nachdenken, denn sporttreibende Mitarbeiter werden seltener krank.

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