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Wertenbach, Sass, Daheim:

Ein Abschied mit Wehmut: Urgesteine gehen von Bord

31.01.2012 | 17:13 Uhr
Ein Abschied mit Wehmut: Urgesteine gehen von Bord
Das Lehrerkollegium der Realschule verabschiedete sich auch gesanglich von Gerhard Wertenbach.

Olpe/Drolshagen.Monatelang war über die Zukunft der Realschule Olpe-Drolshagen kontrovers diskutiert worden - mit bekanntem Ausgang (wir berichteten). Heute Morgen jedoch herrschte durchweg Eintracht und Frieden in der Aula. Der Grund: Die Verabschiedung dreier pädagogischer „Urgesteine“ stand auf dem Stundenplan. Rektor Gerhard Wertenbach, Uta Sass und Ulla Daheim sagen den Klassenzimmern Adieu.

Der vergebliche Kampf, die Realschule zu erhalten, flammte in einigen Abschiedsreden zwar auf, aber in erster Linie beherrschte Wehmut, gemischt mit einer Prise Humor, die Szene.

Vor etwa 70 Ehrengästen und gut 30 Schülern hatte der scheidende Rektor zunächst als letzte Amtshandlung die Aufgabe, die beiden verdienten Kolleginnen quasi mit in den Ruhestand zu nehmen: Uta Sass, die mit 67 Jahren und nach 42 Jahren pensioniert wurde und Ulla Daheim, die in die Ruhephase der Altersteilzeit eintritt. Wertenbach: „Ich bin mit beiden einen sehr langen Weg gegangen.“ Für Ulla Daheim sei ihre „halbe Stelle immer ganze Arbeit gewesen“. Ihre Schüler, für die sie immer „erste Wahl“ gewesen sei, habe sie mit „leisen Tönen“ überzeugen können.

Auf hervorragende Ergebnisse könne auch Uta Sass zurückblicken, und Ergebnisse zählten - in einer von Eitelkeiten bestimmten politischen Vision, „Schule neu erfinden zu wollen.“

Günter Roth, der die Leitung der Schule kommissarisch übernimmt, attestierte Wertenbach auch zum Ende der Amtszeit großes Engagement, obwohl Wertenbach ja hätte sagen können: ,Nach mir die Sintflut.’ Für den Rückblick nutzte Roth den Vergleich der Realschule mit einer Eisenbahn. Die fahre auf festen Schienen, müsse ab und an anhalten, Leute aus- und einsteigen lassen und den Fahrplan einhalten, was nicht immer möglich sei. Zugchef Wertenbach habe Fingerspitzengefühl und dennoch ein dickes Fell bewiesen, habe seine Aufgabe mit Geduld, Kraft und der Fähigkeit, zu tüfteln, glänzend bewältigt und sich der Marschrichtung verpflichtet gefühlt, dass „Leistung zählt, und nicht der Schein.“ Roth ließ die Gelegenheit nicht verstreichen, wehmütig auf das absehbare Ende der Realschule hinzuweisen - mit Blick auf Wertenbach: „Man kann Dich beglückwünschen, nicht mit aufs Abstellgleis gefahren zu werden.“

Elternsprecher Andreas Schultz lobte Wertenbach als einen Rektor, der stets „Spur gehalten“ habe, und der sicherlich gerne noch eine Zukunft für seine Schule erlebt hätte. Schultz kam auch auf die Nachfolge Wertenbachs zu sprechen, die noch offen sei. Die Frage, wer folge, werde wohl erst in „ein paar Wochen“ beantwortet. Auch hier Wehmut: „Wir werden jetzt das 50-jährige Jubiläum der Schule feiern, ein 60-jähriges wird es nicht geben.“

Wertenbach selbst bewies gestern Humor, beschwerte die zweistündige Abschieds-Gala nicht mit einer Generalabrechnung in Sachen Schulpolitik. Dafür erinnerte er - gespickt mit lustigen Anekdoten - an die Anfangsschwierigkeiten als Schulleiter und dankte all denen, die ihm über die ersten Hürden hinweggeholfen hätten. Neben den Reden hatten Schüler und Kollegium für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm gesorgt - mit dabei u. a. das Schulorchester (Leitung: Uta Sass), Schülersprecherin Samantha Wittkopp, ein Moritaten-Chor des Kollegiums und Kostproben zweier ehemaliger Schüler, Sopranistin Nicole Jürgens und Trompeter Gregor Hafenbradl.

Josef Schmidt

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