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Am Geldautomat hört die Barrierefreiheit auf

21.02.2013 | 17:32 Uhr
Am Geldautomat hört die Barrierefreiheit auf
Friedhelm Hoffmann, Gutachter im Auftrag des AK Barrierefrei, Uwe Hoffmann, Sprecher des AK Barrierefrei, Behindertenbeauftragte Petra Lütticke, Siegfried Römer, Sprecher des AK, und Michael Schmidt von der Agentur Barrierefrei NRW.Foto: Birgit Engel

Kreis Olpe. Mit der Barrierefreiheit ist das so eine Sache. Vom Gesetz festgeschrieben, vom Bürger grundsätzlich verstanden und so auch gewollt, hapert es allenthalben an der Umsetzung und am richtigen Blickwinkel.

„Ein Rollstuhlfahrer ist ein Behinderter, aber nicht jeder Behinderter ist ein Rollstuhlfahrer“, so Friedhelm Hoffmann, Gutachter im Auftrag des Arbeitskreises „Barriere-frei“ der AG Selbsthilfe im Kreis Olpe. Das heißt: Rampen, breite Eingänge und automatische Türen reichen beileibe nicht aus, um dem Anspruch der Barrierefreiheit gerecht zu werden. Und auch wenn im Kreis Olpe in den letzten Jahren viel erreicht wurde, ist Mobilität und damit die selbstbestimmte Teilhabe für Menschen mit Handicap immer noch mit erheblichen Behinderungen verbunden. Offene Baustellen gibt es zu genüge.

Um darauf hinzuweisen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, hatte der AK „Barrierefrei“ in Zusammenarbeit mit der Behindertenbeauftragten des Kreises Olpe, Petra Lütticke, die örtlichen Unterstützerkreise der sieben Kommunen sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zum landesweit ausgerufenen Aktionstag „Mobilität“ eingeladen.

Kleine Schritte können helfen

„Häufig sind es auch simple Dinge, resultierend aus Gedankenlosigkeit, die die Mobilität erschweren. Kleine Schritte könnten schon helfen“, so Dipl.-Sozialwissenschaftler Michael Schmidt von der Agentur Barrierefrei NRW. Abseits von der Notwendigkeit länder- und kommunenübergreifende Konzepte zu erarbeiten, sei die unzureichende Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung das Problem, sichtbar bei oft defizitärer Umsetzung von Bauvorhaben oder in destruktiven Regelwerken der Betreiber relevanter Infrastrukturen wie dem ÖPNV. Die frühzeitige Involvierung von Betroffenen als „Experten in eigener Sache“, die kontinuierliche Heranführung der Verkehrsinfrastruktur an den heutigen Standard und die Schaffung von Austauschplattformen für Kommunen und Selbsthilfegruppen seien hier zentrale Aufgabenstellungen.

„Es gibt auch einige vorbildliche Lösungsansätze. Das Problem ist, dass kein Mensch etwas davon weiß“, räumte Schmidt ein und verwies auf mangelnde Transparenz und Kommunikation. Zudem müssten die Belange seh- und hörgeschädigter Menschen sowie von Menschen mit kognitiven Einschränkungen stärker in den Fokus gerückt werden.

Bahnhöfe bereiten Probleme

„In Altenhundem gibt es den einzigen wirklich barrierefreien Bahnhof. Alle anderen sind nur teilweise barrierefrei oder, wenn an sich barrierefrei, dann aber nicht erreichbar. Auf Nebenstrecken gibt es keine Verlässlichkeit in Sachen Niederflurbusse und längst nicht alle Behinderten-WCs verfügen über einen Notruf“, kritisierte Hoffmann.

Ein anderes und besonderes Ärgernis seien Bankautomaten. Nur einige wenige verfügten beispielsweise über ausreichend Bewegungsfläche für Rollstuhlfahrer und seien unterfahrbar. Noch gebe es keine einheitlichen Richtlinien, sei hier die Antwort der Banken.

Für Gutachter Friedhelm Hoffmann aber noch lange kein Grund, auf dem jetzigen Stand zu verweilen. Seine Bitte an alle: Augen auf und Probleme mitteilen.

„Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, um weiterzukommen“, so Hoffmann. Seine Frage an die Banken: „Warum ist es nur so schwer, ins Gespräch zu kommen?“

Birgit Engel

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2013-02-21 17:32
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