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Zuerst war’s nur Disco-Nebel, dann brannte es auf dem Bendschenweg

21.10.2012 | 19:00 Uhr
Zuerst war’s nur Disco-Nebel, dann brannte es auf dem Bendschenweg
Foto: DIANA ROOS

Neukirchen-Vluyn. Dichter Rauch, der die Sicht behindert und das Atmen erschwert, zieht durch das Treppenhaus des Vluyner Altenheims am Klotzfeld. Aus der Ferne hört man Feuerwehrsirenen näherkommen. Dann springen die Feuerwehrmänner aus ihren Fahrzeugen und beginnen, den Brandherd zu suchen.

Zum Glück war dieses Szenario am Samstagmittag lediglich Teil einer Einsatzübung, bei der rund 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und der Grafschafter Diakonie den Ernstfall probten. Der Rauch war Disco-Nebel und sowohl Feuerwehr als auch Heimleitung und Bewohner waren vorher über die Übung in Kenntnis gesetzt worden. Nach dem Brand in einem Duisburger Altenheim im Juli diesen Jahres, bei dem zwei Bewohner ums Leben kamen, hatte sich der Vluyner Einrichtungsleiter Axel Loobes Gedanken um die Sicherheit des Gebäudes gemacht, da vor allem die Altbauteile die Feuerwehr vor Probleme stellen könnten. „Wir wollten diese Krisensituation einfach mal durchspielen, weil bei einem Brand in einem Altenheim mit vielen dementen und gehbehinderten Bewohnern natürlich noch viel mehr Dinge zu bedenken sind“, erklärt Loobes. „Mit Feuermeldern sind wir aber sehr gut ausgerüstet, so dass ein Feuer hoffentlich nicht lange unentdeckt bleiben kann“, so Loobes. Das Altenheim am Klotzfeld, das seit den 1960ern besteht und heute vor allem auch vielen Demenzkranken als Wohnsitz dient, eignete sich mit seinen rund 100 Bewohnern und 80 Mitarbeitern gut für eine Brandschutzübung.

So wurde am Samstag also nach Plan eine Rauchentwicklung bei Schweißarbeiten an der Heizungsanlage im Keller simuliert, die das Ausrücken von zwölf Löschzügen aus Neukirchen, Vluyn, Niep und Rayen nötig machte. Dabei wurden probeweise auch Bewohner vom Pflegepersonal evakuiert oder in andere Teile des Gebäudes gebracht. „Wir haben jedoch darauf verzichtet, demente Bewohner aus ihrer Routine zu reißen, um diese nicht zu beunruhigen“, erläuterte Loobes.

Zeitlichen Ablauf optimieren

Jörg Uhlig, Pressesprecher der Feuerwehr, hält die Übung für eine sinnvolle Aktion: „Wir machen das auch in Kindergärten oder Schulen, damit den Menschen die Angst genommen wird und wir die Gebäude besser kennenlernen.“ Bei Übungen wie diesen gehe es immer auch darum, den zeitlichen Ablauf zu optimieren. Die Schaulustigen, die sich das Ganze vom Bürgersteig aus ansahen, sind froh über die Aktion. „Ich habe mir nach dem Brand in Duisburg auch schon Sorgen gemacht, wie gut man wohl bei einem Feuer darauf vorbereitet wäre“, sagte ein Passant.

Gerade mal 20 Minuten nach der Übung ereignete sich dieses: Bei der Feuerwehr ging ein Realalarm ein: Feuer mit Menschenleben in Gefahr, Bendschenweg. Die Löschzüge Neukirchen und Vluyn rückten aus und sahen an der Einsatzstelle bereits dichten schwarzen Rauch aus einer Haustür hervorquellen. Insgesamt drei Menschen wurden vermisst, die Löschgruppe Rayen wurde sofort nachalarmiert. Im Keller fand der Angriffstrupp einen leicht verletzten Mann, zwei weitere Personen konnten über die Drehleiter gerettet werden, das Feuer wurde schnell gelöscht. Nach bisherigen Erkenntnissen lösten Reparaturarbeiten das Feuer aus, die Polizei ermittelt.

Anika Hegmans



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