Zu viele Fragen

Ende Dezember starb bei einem Raubüberfall auf diesen Juwelier in Moers-Repelen einer der mutmaßlichen Täter.
Ende Dezember starb bei einem Raubüberfall auf diesen Juwelier in Moers-Repelen einer der mutmaßlichen Täter.
Foto: Markus Justen/Funke Foto Services

Die Staatsanwaltschaft hat offenbar ein gravierendes Problem: Wie vermeide ich es, aus dem Opfer einen Täter zu machen, wenn mein Obduktionsergebnis keinen eindeutigen Schluss über den Tathergang zulässt? Alternativ: Ist auch der Räuber ein Opfer? Anders lässt sich kaum erklären, warum die Behörde die Ergebnisse seit mehr als zwei Wochen unter Verschluss hält. Und diese Politik hilft weder bei der Fahndung nach den beiden Flüchtigen noch dem Juwelier.

Sie nährt nämlich die Spekulationen darüber, ob dieser auch vor dem Gesetz aus Notwehr gehandelt hat. Wer nicht den Cowboy in sich trägt oder durch Fremdenangst – und leider oftmals auch -feindlichkeit – limitiert argumentiert, hat viele Fragen. Etwa: Wie viele Schüsse hat der Juwelier abgefeuert, aus welcher Entfernung, von wie vielen wurde der Tote getroffen, von hinten oder von vorne, welches Projektil war tödlich, waren die Täter selbst bewaffnet?

Die Behörde schweigt dazu. Diese Öffentlichkeitsarbeit ist nicht besonders sensibel, sondern schlecht. Bröckchen hinzuwerfen wird dem öffentlichen Interesse nicht gerecht. Nicht dem Juwelier und, was mindestens so gravierend ist: der eigenen Verantwortung.

Es ist auf der anderen Seite nämlich erschreckend, wie schnell der Volksmund sich auf der Straße und in sozialen Netzwerken zum Richter und Henker aufschwingt. Da stellt sich gar nicht mehr die Frage nach der Eskalationsstufe der Notwehr, der Tod des rumänischen Räubers wird bejubelt. Und nach Belieben verquickt mit der Flüchtlingsdiskussion, Pegida lässt grüßen. Selbst Schuld sei, wer an das hart erarbeitete Geld eines guten Deutschen wolle. Da wird jedem halbwegs gescheiten Menschen speiübel.

Und dem armen Juwelier sicher auch, mit dem keiner dieser Möchte-gern-John-Waynes wirklich tauschen will.