Zauberei und Teufelsbuhlschaft im Moerser Schloss

„Spitziger Stuhl“, ein Folterinstrument aus dem 17. Jahrhundert.
„Spitziger Stuhl“, ein Folterinstrument aus dem 17. Jahrhundert.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Die Ausstellung „Aberglaube und Hexenwahn am Niederrhein“ wird am Sonntag, 22. Februar, eröffnet und kann noch bis September besucht werden.

Moers..  Räumen wir zunächst mal mit einem alten Irrglauben auf: Bei der so genannten „Wasserprobe“ hatten vermeintliche Hexen durchaus eine Chance nach offiziellem Recht. Dabei wurden die Angeschuldigten an Händen und Füßen gefesselt und ins Wasser gelassen. Wer oben blieb, war eine Hexe. „Aber wer unterging, musste nicht ertrinken. Das ist eine Mär. Die wurden wieder rausgezogen“, weiß Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums. Und sie hat sich anlässlich der aktuellen Ausstellung „Aberglaube und Hexenwahn am Niederrhein“, die Sonntag, 22. Februar, um 11.30 Uhr eröffnet wird, ausführlich mit dem Phänomen der „Schadenszauberei“ beschäftigt.

Wobei in der Grafschaft Moers Ende des 16. Jahrhunderts mit Graf Hermann von Neuenahr jemand regierte, der dem Hexenverfolgungswahn kritisch gegenüber stand. Und der eine Frau, obwohl sie gestanden hatte, eine Hexe zu sein, lediglich aus der Grafschaft verwiesen hatte – zu ihrem eigenen Schutz, denn Lynchjustiz war in diesen finsteren Zeiten durchaus an der Tagesordnung. Beeinflusst war der Graf dabei von Johann Weyer, einem entschiedenen Gegner der Hinrichtung von Hexen.

Zwei Räume des Museums widmen sich dem Thema. Manns- oder besser frauhohe „Schatten“ begegnen dem Ausstellungsbesucher. Hinter einem Kläppchen verbirgt sich jeweils die Geschichte einer Frau. Die Ausstellung wirkt bunt, aber Diana Finkele betont: „Das sind die Farben des Feuers.“

In einer Art Verschlag hat Finkele eine Sammlung des Grauens zusammengestellt: Folterinstrumente, mit denen den Frauen damals das Geständnis abgerungen wurde, Hexe zu sein. Und das war nötig, um sie hinzurichten. Ausgestellt sind Daumenschrauben, Beinschrauben, einen „Original Hexenfolterstuhl aus Dinkelsbühl“, für den es sogar noch eine Rechnung gibt, einen „spanischen Stuhl“, einen Brustreißer, Zangen, Fußfesseln und einen „Aufzug“. Dabei wurden den Frauen rücklings die Hände zusammengebunden und daran an einem Haken hochgezogen. Dass das keine Schulter aushalten kann, ist einleuchtend.

Der Ausstellungsbesucher kann auch an einer Gerichtsszene teilnehmen: Auf einer Holzbank Platz nehmen und dem Verlesen von Verhörprotokollen zuhören.

Ebenfalls zu sehen: Ein monströser Scheiterhaufen. Und zwar einer, der funktionieren könnte. Noch so ein Irrtum, der erforscht wurde: „Oft zu sehen sind ja einzelne Holzscheite auf Abbildungen von Verbrennungen. Aber das hätte viel zu sehr gerochen. So brennt es schneller und riecht nicht so“, weiß Diana Finkele zu berichten.

Neben dem Scheiterhaufen ist ein Schwert zu sehen und erinnert daran, dass das ein Gnadenakt war, wenn die vermeintliche Hexe vor dem Verbrennen umgebracht wurde. Eigentlich sollte der Scheiterhaufen „Zeit für Gebete“ bieten.

Die Ausstellung zeigt auch, dass nicht nur Frauen von dem Verfolgungswahn während des 15. bis ins 17. Jahrhundert hinein betroffen waren. Männer galten dann als Werwölfe, wie Peter Stump aus Bedburg, dem man vorwarf, seinen Sohn getötet und dessen Hirn gegessen zu haben.

Wie gut, dass es auch niedliche Geschichten in der Ausstellung gibt, wie die vom „Welfonders Düvelschen“ aus Neukirchen, dessen Vergehen darin bestand, „Offelen“ zu verlangen, Buchweizenpfannkuchen. Die gibt es auch zur Eröffnung am Sonntag.