Yetim geißelt Verteilungstricks einiger Genossen

Moers..  SCI-Chef Karl-Heinz Theußen spricht von einem - noch - zarten Pflänzchen, immerhin scheint zwischen den Akteuren im Grundsatz allerdings bereits Konsens zu bestehen. So soll es darum gehen, jungen Flüchtlinge eine handwerkliche Arbeitsbeschäftigung vor Ort zu ermöglichen, etwa an der Barbarastraße, und sie nach Möglichkeit für Praktika in Betriebe der Kreishandwerkerschaft Wesel zu vermitteln.

Deren Meister Günter Bode sei im Boot, genauso wie der gebürtige Neukirchen-Vluyner und Ex-Chef der Arbeitsagentur Essen, Udo Glantschnig. Angestoßen worden ist die Angelegenheit laut Theußen vom Rotary Club Moers. „Sie sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht ein sinnvolles Angebot für junge Flüchtlinge stemmen können.“ Erfahrung habe man in den 90-er Jahren mit libanesischen Einwanderern gesammelt. „Ob und wann wir starten, steht noch nicht fest.“

Auf das Konzept kommt es an

Die Arbeit am Bunten Tisch läuft längst auf Hochtouren. Amar Azzoug freut sich über das Vertrauen der städtischen Fachleute und wird jetzt ein Konzept abstimmen. Schon dabei wird es darauf ankommen, die vielen Angebote zu bündeln. Etwa Sprachunterricht von pensionierten Lehrern oder handwerkliche Tätigkeiten. „Wir müssen darüber hinaus Menschen als Lotsen qualifizieren, um in Moers mehr kompetente Ansprechpartner für Flüchtlinge zu haben.“ Dazu soll es Info-Veranstaltungen für die Betroffenen geben. „Die wissen doch gar nicht, was sie hier dürfen, was möglich ist.“ Und klar, auch die Begegnung mit der Moerser Gesellschaft gehöre dazu.

Die jüngsten Störfeuer haben Azzoug nicht belastet. Schon eher die SPD, aus der sie kamen. Der mächtige Integrationspolitiker Ibrahim Yetim reagierte in einem internen Brief an seine Genossen mit scharfer Kritik auf die in der NRZ veröffentlichten Verteilungskämpfe: „In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, die SPD mache sich mehr Gedanken um die Verteilung von Geldern, statt um die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Ich will daran erinnern: Auf unsere Initiative hat das Bündnis für Moers den Antrag für die Einrichtung eines Runden Tisches eingebracht. Dass die Umsetzung durch den freundlichen CDU-Bürgermeister mehr als mangelhaft war, ist noch zu diskutieren.“

Seine Partei nimmt der Landtagsabgeordnete in die Pflicht: „In der Betreuung der Flüchtlinge müssen wir die Weichen so stellen, dass den Menschen geholfen wird. Eigene wie auch immer geleitete Interessen haben in dieser Frage keinerlei Bedeutung und werde ich auch nicht akzeptieren.“

Kooperation mit den Verbänden

Im Übrigen sei Yetim sehr sicher und sehe es als Selbstverständlichkeit, dass die Wohlfahrtsverbände das auch so sehen und „mit wem auch immer“ zusammenarbeiten würden. „Wer auch immer“ ist seit gestern der Bunte Tisch.