Wut beim Bergwerk West über Kohlepläne
21.07.2010 | 16:02 Uhr 2010-07-21T16:02:00+0200
Kamp-Lintfort.Wut, Frust, Entsetzen – es ist ein ganzes Bündel von Gefühlen, das die Kumpel vom Bergwerk West nach dem Donnerschlag aus Brüssel überkommt. Die EU will die Zechen 2014 schließen, die Kumpel bangen um ihren Arbeitsplatz.
Die EU-Kommission will die Steinkohlezechen schon 2014 schließen, „jetzt geht das Bangen um unsere Arbeitsplätze wieder los“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Friedhelm Vogt und fügt hinzu: „Wir werden uns das alles nicht gefallen lassen.“
Vogt sieht die Lage dramatisch. Zwar wird die Kamp-Lintforter Schachtanlage ohnehin Ende 2012 geschlossen, aber: „Alle Personalplanungen sind darauf ausgerichtet, dass bis zum Jahr 2018 drei weitere Zechen Steinkohle fördern und Mitarbeiter vom Bergwerk West aufnehmen. Wenn diese Zechen aber vier Jahre früher schließen, wird alles über den Haufen geworfen. Dann ist dort für meine Kollegen kein Platz mehr und wir müssen alle Verlegungen stoppen.“
Aus schon vor 2012?
Friedhelm Vogt fürchtet, dass in diesem Fall für das Bergwerk West schon vor Ende 2012 das Aus kommen könnte. Und: Den Kumpeln droht dann, was im Bergbau bislang tabu ist – Entlassungen.
Der Betriebsrat sieht jetzt die Bundeskanzlerin gefordert: „Angela Merkel muss sich reinhängen und dafür sorgen, dass unsere Gesetze tatsächlich gelten“, sagt Friedhelm Vogt, der auch Mitglied im Hauptvorstand der Gewerkschaft IG BCE ist. Bedauerlich sei, dass auch der deutsche EU-Kommissar Oettinger die vorzeitige Bergwerksschließung befürwortet.
Dessen Parteifreund, der Neukirchen-Vluyner Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz, ist freilich sicher, dass längst noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: „Es handelt sich um einen Vorschlag, über den der Ministerrat – und übrigens nicht wir Parlamentarier – verhandeln und dann entscheiden muss.“ Denkbar sei, dass am Ende 2016 als Ausstiegsjahr stehen wird, so Florenz.
Florenz: Beschlossene Ausstiege nicht antasten
Er plädiert allerdings für eine Variante: „Wo bereits freiwillig Ausstiegsszenarien beschlossen sind, sollte man die Beteiligten nicht bestrafen und die Beschlüsse unangetastet lassen.“ Sollte sich diese Option durchsetzen, könnte die RAG bei ihrer bisherigen Personalplanung bis 2018 bleiben.
Karl-Heinz Florenz will freilich nicht auf diejenigen eindreschen, die die Subventionen bereits 2014 beenden wollen: „Der Vorschlag kommt aus der Umweltdirektion der EU. Deren Argument, dass man den hohen CO2-Ausstoß durch Kohleverbrennung nicht auch noch subventionieren kann, ist ja nicht so falsch.“
18:45
Ich bin selbst ein Kind des Ruhrgebiets.Aber ich sehe ein das der Bergbau nun einmal ein Auslaufmodell ist
und so schneller wir uns von ihn trennen, werden Gelder für andere Technologien frei.Bergleute sind noch nie ins Bodenlose gefallen im gegenteil sie geniessen Privilegien von denen andere Arbeitnehmer
träumen.Warum eigentlich?
Man muss meiner Meinung nach wie das RWI sagt auch an die Ewigkeitskosten denken.
Also raus aus den Bergbau unsere Umwelt wird es uns danken.
18:22
Bei allem Verständnis über die Enttäuschung:
Selbst wenn die Zechen in 4 oder 2 Jahren geschlossen werden, bedeutet das eine Arbeitsplatzgarantie für eben diese Zeit. Von einem solchen Privileg dürfen die meisten Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft schon seit vielen Jahren nur noch träumen...
Cheers
Maggie
12:01
Jetzt schimpft mal nicht auf die EU, obewohl ihr damit Recht habt. Die SPD braucht euch doch auch nicht mehr. Die kommen auch ohne eure Wählerstimmen aus.
11:39
Typisch, EU-Recht wird gerne genommen, wenn es in den eigenen Kram passt. Aber wehe, es stört die eigenen Kreise. Subventionen sind grundsätzlich schädlich und dürfen nur in engem zeitlichen Rahmen gewährt werden. Das gilt auch für die unsäglichen Agrarsubventionen. Der Unterschied zu den Subventionen für den deutschen Steinkohlebergbau liegt aber auch darin, dass die Agrarsubventionen keine Ewigkeitsschäden verursachen und die Bürger durch Bergschäden massiv schädigen. Anstatt auf Formalpositionen und vermeintlichen Besitzständen zu beharren, sollten die Bergbauverantwortlichen nach Jahrzehnten des Tricksen und Täuschens (auch der eigenen Belegschaft) mal etwas Kreativität in die Debatte einbringen. EUR 4 Mrd. frühzeitig in den Wandel zu investieren ist sicher besser, als mit dem Geld weitere Ewigkeitsschäden zu verursachen. Europa wird deshalb nicht untergehen.
05:41
Egal welche Partei was sagt oder Plant, Dursetzen oder sonst was will. Wenn bestehende Gesetze gebrochen werden, auch von der EU, oder nicht von unseren Regierenden durchgesetzt werden dann sehe ich den Sozialen Frieden, nein, sogar unsere Demokratischen Grundzüge in Gefahr. Wir das Volk der Bundesrepublik Deutschland sollten mit unseren Regierenden ganz klar aufzeigen - EU ja, trotzdem sind wir Deutschland und müssen in den Wirtschaftsplanungen Individualität zulassen. Der EU frust wird sich sonst so steigern das keiner mehr das will. Und das ist nicht gut für ein Friedliches und Vereintes Europa.
Also, Sprechenden Menschen konnte schon immer geholfen werden.