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Denkmalschutz

Wohnen zwischen zwei Schlössern

30.12.2010 | 17:58 Uhr
Wohnen zwischen zwei Schlössern

Rheurdt.Jahrelang lag der denkmalgeschützte maurische Pavillon an der Chaussee hinter Vluyn im Dornröschenschlaf. Die schön geschwungenen Fensterbögen mit Holzverschlägen, der Garten wild und halb gerodet.

Seit ein paar Monaten hat sich das geändert. In das Baudenkmal ist das Leben zurückgekehrt. Die neuen Bewohner wissen viel über die Geschichte rund um den Pavillon und die Familie von der Leyen zu berichten.

Andreas Engelen (31) und Christian Gutmann (39) sind vor kurzem eingezogen. „2008 wollten wir uns die Location des Weihnachtsmarktes Bloemersheim ansehen. Dabei sind wir auf den maurischen Pavillon gestoßen. Ganz neugierig sind wir hier ums Haus gelaufen“, schildert Engelen und sitzt in dem ungewöhnlichen, achteckigen Raum im Erdgeschoss, der nun als Wohnzimmer dient. Gleich darüber noch einmal der gleiche Raum, das Schlafzimmer. Zweiraum-Schloss nennen die beiden Bewohner ihr Reich denn auch.

Die Sicht ist jetzt
wieder frei

Seit Anfang 2009 planen sie die Sanierung zusammen mit den Besitzern von der Leyen. „Wir wollen das meiste wieder originalgetreu herstellen“, sagt Engelen. Seit die Sicht auf den Pavillon von der Straße aus wieder frei ist, macht mancher Ausflügler Halt und erkundigt sich, was es mit dem ungewöhnlichen Gebäude auf sich hat. Seit 1984 steht der Gartenpavillon unter Denkmalschutz, doch zeitweise war er nicht sichtbar.

Es soll um das Jahr 1852 gewesen sein, als Friedrich Johann von der Leyen, der auf der Leyenburg gegenüber lebte, den Gartenpavillon erbauen ließ. „Das war ein Mann von großem Geschmack“, erzählt Engelen. Schon 1789 zeigt ein Gartenplan einen Park von königlichen Ausmaßen. Zwischen Vluyn und Schaephuysen lag ein einziger großer Park. Über die Mittelachse führte eine anderthalb Kilometer lange Kastanienallee bis nach Schaephuysen.

Später wurde der Park teilweise in einen englischen Landschaftspark mit exotischen Bäumen umgestaltet. Der bekannte Gartenarchitekt Joseph Clemens Weyhe, der auch den Hofgarten Düsseldorf gestaltete, soll um 1865 die Pläne dafür gemacht haben.

„Die Leute in Vluyn mussten über die exotischen Bäume und Gewächse ziemlich gestaunt haben, wenn sie nach Schaephuysen gingen“, meint Engelen schmunzelnd.

Auf Initiative des Aldekerker Bürgermeisters wurde 1846 die gerade Kunststraße zwischen Vluyn und Kerken gebaut. Sie zerschnitt den prächtigen Park und trennte den Pavillon von der Leyenburg.

Orientalisches war
groß in Mode

Um 1870 wurde der Garten- oder Tee-Pavillon überarbeitet. „In dieser Zeit war alles Orientalische groß in Mode. Das Teehaus wurde maurisch. Alles war maurisch, wenn es schick sein sollte.“ Der Architekt ist nicht mehr bekannt. „Ich vermute aber Hochkarätiges. Friedrich Johann war Kunstsammler. Er hat sicher keinen Mann aus dem Dorf beauftragt.“

Der Pavillon müsse damals in der niederrheinischen Backsteingegend auf die Landbevölkerung wie ein UFO gewirkt haben... Tatsächlich steht denn auch in der Denkmalbeschreibung von 1984, es sei nirgends mehr im ganzen Rheinland Vergleichbares zu finden. Bis, vielleicht, auf das Elefantenhaus im Kölner Zoo.

Friedrich Johann von der Leyen war der einzige in der Familie, der in der Leyenburg nahe Vluyn wohnte. Das Krefelder Stadtschloss, heute Rathaus, war ein Domizil. Ein Bruder wohnte zu der Zeit, um 1850, in dem nahe gelegenen Schloss Bloemersheim. „In dem maurischen Pavillon muss es ziemlich mondän zugegangen sein. Illustre Gäste gaben sich sicher dort ein Stelldichein.“

Andreas Engelen und sein Lebensgefährte lieben es, zwischen zwei Schlössern zu wohnen, der restaurierten Leyenburg und dem Wasserschloss Bloemersheim. „Wir versuchen, das Alte zu erhalten und alles trotzdem zeitgemäß zu gestalten.“ Die Nachbarn auf der Leyenburg, Familie Atock, seien übrigens hoch erfreut, nicht mehr auf eine Ruine gucken zu müssen. Denn seit den 90-er Jahren war der Pavillon unbewohnt.

Die beiden achteckigen Wohnräume im Innern sind echte Hingucker; auch die geschwungene Treppe nach oben, die noch renoviert werden muss. Vor allem die schönen orientalischen Fensterbögen fallen ins Auge. Aus England brachte Engelen einen eisernen Kamin mit, der sich gut ins Bild einfügt. „Die Denkmalschützer wollen, dass wir das Gebäude von außen wie die Leyenburg anstreichen. Aber der Pavillon hat doch seinen ganz eigenen Charakter“, protestiert Andreas Engelen.

Inzwischen entstand auch etwas abseits ein kleines Hauswirtschaftsgebäude auf dem Gelände. Den Garten wollen sich die neuen Bewohner noch vornehmen. „Die Baumschul-Leute warten schon, dass sie anfangen können.“ Da schließt sich der Kreis: Mammutbäume, Tulpenbäume und andere Exoten sollen bald rund um den Teepavillon wieder wachsen und gedeihen.

Klara Helmes

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