Wo der Klügere nachkippt
15.02.2009 | 19:15 Uhr 2009-02-15T19:15:00+0100In der Rheurdter Turnhalle feierten die Jecken mit Traschtanten, Bänkelsängern und Büttenrdner auf Jobsuche.
Zu einer zünftigen Karnevalsfete braucht man nur wenige Dinge. Man nehme: Eine Turnhalle, einen fidelen Bürgermeister und einige harmonierende Vereine. Das reicht, um das Dorf Rheurdt kopfstehen zu lassen. An gleich zwei Abenden wird dort gefeiert, jeweils vor ausverkauftem Haus mit exakt 192 Sitzplätzen. Alle Akteure, die das Bühnenprogramm gestalten, sind von der freiwilligen Feuerwehr, dem Turnverein und dem Fußballklub. Die Moderation hatte Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen übernommen. Er ist sicher, dass sein Name der älteste der Welt ist, sei doch Eva im Paradies eine geborenen Kleinenkuhnen gewesen. Diese närrische Selbstüberschätzung gipfelte in der Aussage, es würden an diesem Abend 300 Personen die Bühne bevölkern. Sein Mitmoderator, Fußballboss Andreas Prokopp, wunderte sich, dass so viele Gäste erschienen waren, ist doch das Dorf zurzeit durch eine Großbaustelle fast nicht begehbar. Das komplette Straßennetz ist durch Kanalarbeiten lahm gelegt: „Aber ab Mai haben wir dann wohl die erste U-Bahn am linken Niederrhein".
„Männer seid lieb zu uns,
später pflegen wir euch”
Was tat sich auf der Bühne? Es gab keinen Elferrat, es gab keine Orden, lediglich ein kleines Schnäpschen war Lohn genug für die „Laiendarsteller". Den Auftakt machten die Regimentstöchter mit einem Gardetanz, Salto und Spagat am laufenden Band. Mitten drin Lisa Heinen, neun Jahre alt, aber perfekt wie die erwachsenen Mittänzerinnen. Die Bänkelsänger nahmen dann lokale Ereignisse musikalisch auf die Schippe. In ihren Reihen mal wieder Klaus Kleinenkuhnen. Die ortskundigen Gäste bogen sich vor Lachen.
Nicht weniger aktuell, was den Dorfklatsch betraf, waren die Tratschtanten Angelika Leurs und Hannelore Zumkley. An die Männer gerichtet: „Seid lieb zu uns Frauen, denkt dran, wir pflegen Euch später!"
Kölsche Tön auf die Melodie vom Gefangenenchor war eine tolle Idee, die sich die beiden Feuerwehrmänner haben einfallen lassen. Und dä doofe Män, Manfred Schwarzmann, erzählte in seiner Büttenrede vom Versuch, einen Job zu bekommen, der länger als einen Tag dauert. Er bekam sogar von Klaus Kleinenkuhnen einen zweiten Schnaps! „Der Klügere kippt nach".
Mit dem Männerballett der Feuerwehr endete diese rasante und kurzweilige Karnevals-Revue. Begeisternd folgte das Publikum. Grazile Herren als Primaballerinas donnerten einen hinreißenden Tanz auf die Bretter. Und als manches Dekoteil vom Kostüm rutschte, gab's Extra-Applaus.
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