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„Wir wollen die wirklichen Raser“

10.02.2012 | 19:25 Uhr
„Wir wollen die wirklichen Raser“
Auf der Hülsdonker Straße in Moers wurden gestern nur wenige Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Gerast wurde nicht. Fotos: Ulla Michels

Moers.   NRZ & WAZ waren bei einer Radarkontrolle dabei. Kleinere Geschwindigkeitsüberschreitungen interessieren die Beamten nicht.

„Da kommt einer!“ Auf diese Worte hin, die aus dem Lautsprecher des Funkgerätes dringen, springen die Polizeihauptkommissare Klaus Thiel und Udo Rusch aus dem VW Bulli und sprinten zum Straßenrand. Udo Rusch reißt seinen Arm hoch, ein kleines laubfroschgrünes Auto bremst und hält an – eines der wenigen Fahrzeuge, die den Beamten an diesem Nachmittag in die Radarfalle an der Hülsdonker Straße gehen. Polizeioberkommissar Sven Meißner beobachtet alles aus dem Polizeiauto: „Ich seh’ schon, die Fahrerin nimmt’s mit Humor.“ Bußgeld: 15 Euro.

Geblitzt wurde gestern im ganzen Kreis. Ab 14 Uhr hatten die Beamten ihr Gerät aufgestellt, doch die Ausbeute der ersten eineinhalb Stunden war mager: Zwei Autos wurden angehalten, eines fuhr Tempo 60, eines war mit 61 Kilometern nicht viel schneller. Allerdings hatten sich die drei Kommissare nicht gerade versteckt – ihre zwei Polizei-Bullis standen weithin sichtbar an der Straße. Wer aus Richtung Innenstadt kam, war gewarnt und fuhr nicht schneller als erlaubt. Und manche fuhren sogar erheblich langsamer.

Gerlinde Maas ist Verkehrsüberwacherin der Stadt.

„Das sind gerade mal 35.“ Hauptkommissar Thiel hat, wie seine Kollegen auch, mit den Jahren ein Gefühl für Geschwindigkeiten entwickelt. Ihre Schätzungen liegen erfahrungsgemäß nur ein bis zwei km/h daneben. An welche Geschwindigkeitsüberschreitungen können sie sich erinnern, welche haben sie besonders geärgert? Hauptkommissar Rusch: „Vor einer Schule in Kamp-Lintfort. Das waren 78 in einer 30er-Zone. Ein Baustellenleiter, der sagte, dass er dringend zur Baustelle müsste.“ Sein Kollege Thiel ergänzt: „Vor dem Schulzentrum in Neukirchen-Vluyn, kurz vor Schulschluss. 57 statt 30 – eine Mutter, die sagte sie hätte sich beeilt, weil ihre Kinder Mittagessen wollten.“

Tempo 50 statt 30, und ein Kind könnte sterben

Eine Eile, die anderen Kinder hätte das Leben kosten können. „Bei Tempo 30 beträgt der Bremsweg 13 Meter. Bei Tempo 50 beginnt man wegen der Reaktionszeit erst nach 13 Metern zu bremsen“, rechnet Bernd Störmer, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei, vor. „2010 hatten wir im Kreis 14 Verkehrstote, 2011 waren es 23. Die Unfallursache war in den meisten der 23 Fälle die zu hohe Geschwindigkeit.“ Bernd Störmer und seine Kollegen wollen die wirklichen Raser erwischen; es wird nicht gleich jede kleinste Überschreitung geahndet.

Bernd Störmer hat den Überblick: „Heute wird im ganzen Kreis sehr diszipliniert gefahren. Das freut uns.“ Jedoch belegten alle Studien, dass sich das Verhalten der Autofahrer, die erwischt werden, nur für die nächsten sechs bis acht Wochen ändert. Weshalb er nichts dagegen hat, wenn Radarkontrollen vorab in der Presse veröffentlicht werden: Wer das liest oder hört, der fährt langsam.“

Zwischendurch kam Kollege Theo Gröning von der Verwaltung der Polizei an der Hülsdonker Straße vorbei, hinten im Kombi Kaffee, zehn Sorten heißen Tee und heiße Suppen. Er versorgte seine Kollegen im ganzen Kreis. Seine Dienstzeit gestern: von 12 Uhr bis weit nach Mitternacht.

Harry Seelhoff

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Kommentare
11.02.2012
00:09
„Wir wollen die wirklichen Raser“
von Gruenkohl7 | #1

Sehr positiv, dass nicht jeder abgezockt wird, der mal 58 statt 50 km/h fährt. Aber nach meiner Erfahrung ist das eigentlich auch nie der Fall. Viel wichtiger ist es dagegen, solche Leute zu bestrafen, die meinen, man könne auch ruhig mal 70, 80 oder noch schneller fahren. Wer sich halbwegs an die Verkehrsregeln hält, muss auch nix zahlen. So komme ich seit 15 Jahren als Autofahrer gut durch den Verkehr.

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