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Wir bezahlen garantiert nicht!

11.12.2008 | 19:34 Uhr

VERBRAUCHERSCHUTZ. Eine kleine Gruppe von Kamp-Lintfortern kämpft gegen Internet-Abzocker und ihre Handlanger.

KAMP-LINTFORT. Es war neulich beim Hausarzt. Eine Frau hörte Lutz Maloneks Gespräch über die Abzocker von "nachbarschaftspost.com" und sagte plötzlich: "Wir haben auch eine Mahnung erhalten. Mein Mann hat nach dem ersten Schreiben gezahlt." Genau das wird Lutz Malonek nicht tun. Er kämpft jetzt auch im Fernsehen gegen die Abzocker und ihre Geldeintreiber.

Es begann im April, als der Kamp-Lintforter einen Anruf erhielt: "Für sie liegt eine wichtige Nachricht ihres Nachbarn bereit." Im Internet könne man sie abrufen. Er gab den mitgelieferten Code ein, brach die Sache dann aber ab, weil er Betrug witterte. Eine Rechnung über 54 Euro flatterte ihm trotzdem ins Haus. Der Anbieter der Seite "nachbarschaftspost.com" sitzt auf den British Virgin Islands in der Karibik - die Geldeintreiber aber im deutschen Eschborn.

Mit schönen Grüßen aus der Karibik

Es ist die Deutsche Inkassostelle GmbH, deren Bemühungen, für eine Abzocker-Firma Geld einzutreiben, den Betrag auf 93,57 Euro hinaufgetrieben haben. Freundlich, wie das Inkassounternehmen ist, wurde Lutz Malonek auch gleich mitgeteilt, was er zahlen müsse, sollte der Geldeintreiber vor Gericht gehen: 203,98 Euro.

In Kamp-Lintfort lässt man sich indes nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Kfz-Meister Malonek: "Ich habe Rückgrat." In der kleinen Gruppe, die sich zusammengefunden hat, sei allerdings auch ein Sparkassenangestellter, der lieber zahlen wolle, als bei seinem Arbeitgeber in ein schiefes Licht zu geraten. Für Malonek steht allerdings fest, dass er sich nicht kleinkriegen lässt, sollten auch noch so viele Mahnungen bei ihm eintrudeln.

Der Kamp-Lintforter hat Nachforschungen angestellt und herausgefunden, dass auch "ferientester.com", "nachbarschaft24.net" und "nachbar-community.net" der Connection Enterprises Ltd., Suite 205, Main Street, Road Town, Tortola VG1110, British Virgin Islands oder auch einer Firma in Dubai gehören.

Im Internet lassen sich zahlreiche Warnhinweise zu diesen Abzockern, auch zur Deutschen Inkassostelle (DIS) in Eschborn finden - darunter ein Urteil des Amtsgerichts Frankfurts, das sich gegen die DIS richten soll.

Die Geldeintreiber wollen nur einschüchtern

Darin wird festgestellt, dass die Mahnungen jeder Grundlage entbehren und nur der Einschüchterung dienen. Lutz Malonek hat Strafanzeige erstattet, die nun bei den Staatsanwaltschaft Frankfurt liegt - dort wird zentral ermittelt.

Anhand der Aktenzeichen glaubt Lutz Malonek zu erkennen, dass die Masche schon bei über 20 000 Verbrauchern versucht wurde. Wenn nur jeder zehnte von ihnen, rechnet Malonek vor, sich einschüchtern lässt und 50 Euro zahlt, ist es für die Abzocker ein Millionengeschäft.

AUCH IM FERNSEHENDie Kamp-Lintforter wandten sich auch an das Fernsehen, um auf die Methoden der Abzocker aufmerksam zu machen. Kürzlich besuchte sie ein Team des WDR-Verbrauchermagazins Markt, das in einer der nächsten Sendungen über den Widerstand am Niederrhein berichten will.

HARRY SEELHOFF

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