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Wer Wind sät, wird Strom ernten

28.07.2011 | 18:18 Uhr
Wer Wind sät, wird Strom ernten
Landwirt Gerd Luyven an der Baustelle zur Windkraftanlage. Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Kamp-Lintfort.Landwirt Gerd Luyven besitzt einen Hof mit 70 Milchkühen. Jetzt wird auf einem Acker eine Windkraftanlage gebaut.

Gerd Luyven ist Landwirt. 70 Milchkühe stehen auf seinem Hof, das Futter für die Tiere baut er größtenteils auf seinem eigenem Grund und Boden an. Auf den Dächern des Hofes liefert eine Solaranlage mehr Strom, als der landwirtschaftliche Betrieb samt der Wohnungen braucht. Doch bald wird auf seinem Hof noch wesentlich mehr Strom erzeugt: Auf seinem Land entsteht eine Windkraftanlage, die 800 000 Kilowatt Strom erzeugt.

Schon vor Jahren hatte sich der 45-jährige Landwirt überlegt, ob er sich nicht am Bau zweier Windkraftanlagen beteiligen sollte, die in seiner Nähe gebaut wurden. Nun setzte er den Plan in die Tat um: Auf einer von der Stadt ausgewiesenen Windkraftfläche baut er eine 100 Meter hohe Anlage. „Der Platz für eine 150 Meter hohe Anlage war nicht da. Die höheren sind wegen des Eyller Berges und der Rheurdter Höhen klar im Vorteil.“ Allerdings kosten die größeren Anlagen auch das Doppelte.

Gerd Luyven lebt seit Jahren mit der Windkraft, denn sein Hof liegt genau zwischen den bestehenden Anlagen: „Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt, vom Schatten kriegt man nichts mit.“ Und was die Wirkung auf die Landschaft angeht, sagt er lächelnd: „Früher stand auf dem Eyller Berg ja auch eine Windmühle.“

Lokale Stromerzeugung
bringt Gewerbesteuer

Er ist ein Verfechter dieser Art lokaler Stromerzeugung: „Es ist sinnvoll, dass Investoren in kleinere Standorte und nicht in Off-Shore-Anlagen investieren. Die Gewerbesteuereinnahmen sind nicht zu verachten.“ Wenn man regenerative Energien und den Ausstieg aus der Atomkraft wolle, gehörten Windkraftanlagen einfach dazu.

Der 45-Jährige überließ die Planung einer Fachfirma, die den Investor im Gepäck hatte: den Inhaber einer Schweißtechnikfirma, der in Windkraft in NRW investieren will. Diesem verpachtet Gerd Luyven nun die Fläche für die Anlage sowie weitere 5000 Quadratmeter, die als Ausgleichsfläche für den Bauwerk ausgewiesen werden müssen.

Für diesen halben Hektar hat der Landwirt ebenfalls schon Pläne: „Ich werde dort eine Streuobstwiese anlegen.“ Überhaupt legt der Landwirt großen Wert auf eine intakte Natur. Zwischen den Äckern ließ er bewusst dichte Hecken stehen, hat Platz für kleine Wäldchen gelassen. In der Nähe der Windkraftanlage will er weitere Bäume pflanzen.

Gerd Luyven bringt auf seinem Hof Landwirtschaft, Naturschutz und Strom aus regenerativen Energien unter ei­nen Hut. „Im Kreis Wesel liegen wir bei der Milcherzeugung aus eigenem Futteranbau an erster Stelle“ – und er ist stolz auf diese Leistung.

Kinder lernen
Landwirtschaft kennen

Und wenn er wir sagt, dann meint er damit auch seinen Vater Gerhard, der die Landwirtschaft noch nicht ganz an den Nagel gehängt hat. Der Hof ist in der dritten Generation im Familienbesitz; 1938 kam Großvater Luyven aus Kempen nach Kamp-Lintfort.

Oft sind auf dem Hof Kinder der Ernst-Reuter-Schule und Kindergärten zu Gast und lernen, was Landwirtschaft am Niederrhein ausmacht. Jetzt gehört die Windkraft dazu.

Harry Seelhoff

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