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Public Viewing

Wenn sich wildfremde Menschen umarmen

10.06.2012 | 17:59 Uhr
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
Das Public Viewing in der Arena am Solimare wurde zum Treffpunkt tausender Fans.

Moers. Es war die 72. Minute, als die Arena zum ersten Mal richtig bebte. Als sich wildfremde Menschen in den Armen lagen und vom Jubelschrei direkt in Deutschland-Gesänge überleiteten. Minutenlang.

Gomez hatte das Ding endlich versenkt und einmal mehr freigelegt, was das Phänomen Fußball ausmacht: Es verbindet – auch tausende Fans aus allen Himmelsrichtungen, die am Samstagabend in der Enni-Arena am Solimare zusammenfanden.

Da war er wieder, dieser Zauber von 2010, als die Arena während der WM-Wochen zu einem der beliebtesten Treffpunkte am Niederrhein wurde. Dieser tollen Atmosphäre mit Rundtheke im Arena-Herzen, deftiger Kost, richtig schönem Fußball-Wetter und schwarz-rot-goldenen Emotionen konnte selbst die bescheidene Tontechnik nichts anhaben. Feldversuche eben. Ähnlich wie das Spiel von Jogis Buben soll sich auch der Sound steigern. Schon gegen Holland auf Europameister-Form. Veranstalter Dirk Aberfeld: „Es geht zwar, es soll aber super sein. So wie es Fans von uns kennen und erwarten dürfen. Deshalb rüsten wir noch mal komplett um.“ Dazu wird es Rahmenunterhaltung durch die Profi-Moderatoren von Radio KW geben.

Die Fans feierten. Und wenn Mann sich so richtig wohl fühlt, dann passiert auch schon mal Folgendes: Während sich Hunderte junger Frauen und Männer in Landesfarben vor dem Anpfiff an der Torschuss-Speedmaschine vergnügten, bat ein junger Mann die Technik um das Mikro. Er habe Mist gebaut und wolle seine Freundin mit diesem Bekenntnis vor tausenden Fremden zurückgewinnen. „Ich wünsche mir nichts mehr, als dass wir wieder zusammengekommen. Ich liebe Dich.“ Kitschig? Eine Frage der Perspektive. Die Menge jedenfalls übte schon mal den Torjubel und die so Angeflehte küsste ihren Schlawiner.

Und dann gab’s die Hymne, man war ja nicht zum Spaß da. Wer nicht stand, stand auf und beteiligte sich an dem Volkschor. Anpfiff. Das Schöne am Public Viewing ist ja, dass man nichts verpasst. Was gerade passiert, verrät der Geräusch-Pegel. Aus dem Rudel-Duden: Abgebrochene „Jaaas“ sind vergeigte Großchancen wie durch Gomez oder Poldi, gequältes Stöhnen markiert den Papst in der Tasche wie beim Unterkante-Latte-Glück Ende der ersten Halbzeit. Plötzliche Stille sind dann Gegentore, aber davon gab’s Samstag ja keine.

Abends gab es Autokorsos mit laut Polizei 200 Autos in Moers und 150 in Kamp-Lintfort

Trotz aller abgebrochenen „Jaaas“ und gequältem Stöhnen: Es blieb nebenbei auch ein wenig Zeit fürs Fachsimpeln – zum Beispiel mit unseren Gästen im VIP-Bereich. Die hatten es sich schon früh auf der Holztribüne gemütlich gemacht. Bei optimalem Blick und freundlicher Rundumversorgung. Mit dabei Kurt Weber aus Kamp-Lintfort, NRZ-Leser seit 1960. Immer zufrieden sei er gewesen und jetzt habe er sogar mal was gewonnen. Obwohl: „Fußball ist eigentlich gar nicht so mein Ding. Aber bei so einer Lebensgefährtin hast du keine Wahl.“

„Das wollte doch niemand sehen...“

Daneben grinste Ilona Walthes, MSV-Fan und total fußballverrückt. Wer so lange ins Stadion geht, hat eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel über „Michael Tarnat. Unser Duisburger Jung kam mit den Bayern und nahm unseren Bomber Salou aus dem Spiel. Ausgerechnet der. Und Bayern hat das Ding dann gewonnen“. Ein Lexikon, diese Frau, ein lustiges: „Da hatte doch der junge Beckenbauer mal die Buxe runtergezogen. Das wollte doch niemand sehen…“

An den Tischen daneben würden sie Beckenbauer wohl eher dem Schwarz-Weiß-Fernsehen zuordnen. Hier heißen die Stars Schweini, Reus oder Götze. Unsere EM-Models, Mädchen und Jungen vom Niederrhein, waren zu Gast. Ihre lebensgroßen Bilder hängen im Enni-Kundenzentrum und ergänzen die Bälle- und Trikotsammlung des Moersers Dino Maas. Und bei jungen Damen kann es auch schon mal um mehr als Fußball gehen. Ob die Portugiesen oder die Deutschen nun die hübscheren Fußballer haben, darauf wollten sie sich nicht festlegen. Immerhin gab Lisa-Marie zu, dass sie „den Lahm ganz nett“ findet. Und Katharina den Manuel Neuer. Was im Zweifel nichts hilft, wenn „ihre Jungs“ das Tor nicht treffen.

Eben bis zur 72. Minute. Da können Fans sogar im Kreis tanzen. Und singen: „So sehen Sieger aus“. Ein schönes Lied, singt es noch ein Mal – am Mittwochabend.

Michael Passon



Kommentare
12.06.2012
07:07
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
von MOliebhaber | #5

Ausrichter Aberfeld hat angekündigt, die Getränkepreise anzupassen, die Technik zu verbessern, einen DJ dazuzuholen. Ein runderneuertes Paket. Zu sehen auf Facebook. Dann mal nix wie hin und zufrieden sein

11.06.2012
19:13
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
von PatricL | #4

@MOliebhaber

Das PV kein Geld kostet, hat auch niemand gesagt. Dennoch muss man die hohen Getränkepreise anprangern dürfen. Ich versteh auch, dass in den Getränkepreisen eine Mischkalkulation vorliegt, da die anderen Spiele eben nicht so gut besucht sein werden wie die Deutschlandspiele. Dennoch sollte man vielleicht mal überlegen, ob man die nicht alkholischen Getränke billiger macht oder einfach diese in größeren Bechern ausgibt. Auch sollte man vielleicht bedenken, dass bei billigeren Bierpreisen man dann eben ein oder zwei Bierchen mehr trinkt und so auch unterm Strich wieder seinen Gewinn macht.

Ich stell mir auch bei den ganzen Sponsoren auf dem Flyer die Frage, was da groß bei diesem PV finanziert werden muss.

11.06.2012
12:07
Frechheit
von MrSunshine35NRW | #3

Also ich war am Samstag Abend zu ersten und definitiv zu letzten Mal im Solimare zum Public Viewing!!!Die Veranstalter sollten sich in Grund und Boden schämen für diese Veranstaltung!Warum? 1. Das Bild: Ich stand in der Mitte der Veranstaltung und konnte kaum erkennen welcher Spieler wer ist und von der Uhr oder Einblendungen mal ganz zu schweigen. Lächerliche Qualität!! Wurde nur noch übertroffen von 2. dem Ton: Man konnte kaum etwas hören und es gab immer eigenartige Wechsel in der Lautstärke. Ganz schlecht vorbreitet und ausgeführt das Ganze!3. Eintritt: ist zwar frei, schön und gut, aber da verlangen die Veranstalter 3 € für ein 0,25 l schlecht gezapftes und teilweise in schmutzigen Bechern serviertes Getränk. 4. Die Tolietten: dazu hier lieber nichts, wäre zu ekelhatft, aber war schon auf vielen solcher Veranstaltungen, doch so dreckige, unbenutzbare Toiletten habe ich noch nie gesehen. Einzige Belustigung war, dafür 50 cent zahlen zu sollen! Fazit: Geht da bloß nicht hin!!!

11.06.2012
09:05
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
von MOliebhaber | #2

Der scheint nicht nur werbung zu machen, der macht. Zu Recht. Ich hab das völlig anders erlebt. Der Sound war wirklich nicht gut, und wie ich höre auch grund dafür, dass das Rahmenprogramm nicht durchgezogen werden konnte. Ich vertrau da mal auf die Verranstalter, dass die es können, wissen wir ja. Es gibt kein verbrieftes Recht auf PV, das kostet auch eine Menge. Habe manchmal das Gefühl, das einige gern auch noch zuhause abgeholt werden wollen. Traurig

10.06.2012
19:16
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
von PatricL | #1

Toller Artikel ... der scheint Werbung für die Enni Arena im Solimare zu machen. Fakt ist aber, dass der Sound schon an der Rundtheke nicht mehr wirklich ankam, die Leinwand ein wenig klein ist und die Preise für Getränke eine Frechheit sind.

Stimmung kam während des ganzen Spiels eigentlich nur beim Tor der Deutschen auf. Anders als bei der WM war dieses mal auch kein DJ zu Gast.

Da fragt man sich, wieso man das eigentlich fertige Konzept von der WM 2010 nun bei der EM 2012 schlechter gemacht hat. Einzige Verbesserung sind die Biertische die nun in großer Anzahl vor der Leinwand stehen und auch gemütlich Fussball schauen lassen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass viele Besucher die Arena zur Halbzeit verlassen haben. Nach vielen Reaktionen bei Facebook auf der Seite der Stadt Moers nach zu lesen, weil die Getränkepreise überteuert sind.

Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter darauf auch reagieren, wie auf die schlechte Tontechnik ...

1 Antwort
Wenn sich wildfremde Menschen umarmen
von Babble | #1-1

Das mit dem Sound hat Herr Aberfeld schon auf der Facebook Seite der Enni Arena klargestellt, soll ab Mittwoch besser werden. Was ich wirklich hart finde sind die Preise. 3€ für ein Getränk ist wohl etwas übertrieben. Ich kann mir vorstellen das so ein Event ein Haufen Geld kostet, aber wenn ich die Preise sehe. Da möchte man nicht über die Menge das Geld reinholen.
Klar ist das bei "nicht" Deutschlandspielen der Andrang nicht so gross ist, aber warum müssen diese Fans dann bluten. Wir sind in der Halbzeitpause gegangen, weil es unerträglich war.
Das Bild war so lala, der Sound (war in den hinteren Reihen nicht vorhanden), wieso durfte man bei der WM keine Vuvuzelas mit rein nehmen und nun sind diese und andere nervenden Krachmacher erlaubt?
Wir und viele andere haben die Veranstaltung am Samstag in der Halbzeitpause verlassen und haben die 2te Halbzeit dann privat geguckt. Für das Spiel am Mittowoch werden wir uns eine Alternative in der Umgebung suchen.

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