Wasserturm als Moerser Herzstück

Moers-Vinn..  Das war ein beschwerliches Leben damals, als die Moerser noch jedes bisschen Wasser aus den Brunnen in den Straßen holen mussten. Pumpennachbarschaften sorgten dafür, dass die Brunnen auch immer funktionsfähig waren – bis man auf die Idee kam, eine zentrale Wasserversorgung zu bauen. So wurde nach einem längerem Vorlauf 1901 das Vinner Wasserwerk samt Turm errichtet. Bis heute ist er wohl das schönste und hervorstechendste Bauwerk in der Stadt. Kein Wunder, dass es unter Denkmalschutz steht.

1886 gab Architekt König aus Köln sein erstes Gebot ab, bei dem es um den Bau der Wasserleitungen für die Moerser ging. Dann entstanden der Wasserturm und das Wasserwerk an der Vinner Straße. „Es war mit seinen rund 40 Metern das höchste Gebäude von Moers“, berichtet Katja Nießen vom Versorger Enni, Nachfolger der damaligen Stadtwerke.

Der Wassermeister von Moers, Bernd Kamradt, erklärt: „Im Gegensatz zur landläufigen Meinung war der Turm nicht etwa mit Wasser gefüllt. Nur die Kuppel enthielt Trinkwasser“, schildert Kamradt. Rund 200 Kubikmeter fasste das Gefäß. „Die Höhe des Turms diente ausschließlich dazu, das Wasser nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße in die tiefer gelegenen Haushalte zu drücken.“ Bis in die 70er Jahre tat der Turm auf diese Weise seine Dienste. Das Wasserwerk wurde immer wieder erweitert und modernisiert. Dann aber wurde der Vinner Wasserturm durch moderne Erdbehälter ersetzt. Elektrische Pumpen sorgen seither für den nötigen Druck von 4 Bar zur Verteilung des kühlen Nass'.

Der imposante Turm steht immer noch

Wie sehr ihn die Moerser gleich zu Beginn ins Herz geschlossen hatten, zeigt, dass das Bauwerk zu Ostern 1902 besichtigt werden durfte. Zehn Pfennig kostete das Vergnügen, das sich bis zum Herbst knapp 300 Bürger leisteten. „Von da oben hat man einen herrlichen Blick über den Niederrhein“, schildert Katja Nießen.

Doch bei der Turmsanierung im Jahr 2012 entfernte man die unteren Teile der Holztreppe. „Sie war nicht mehr sicher,“ weiß Kamradt. Sanierungsbedürftig seien auch die Kuppel gewesen und der Umlauf-Kranz drum herum, auch das Mauerwerk zog Nässe und musste neu verfugt werden, um nur einiges zu nennen. „Enni als Eigentümer ist schließlich verpflichtet, den Turm als Wahrzeichen und Denkmal in Moers zu pflegen und zu erhalten“, merkt Kaja Nießen an.

Was nicht heißen soll, dass es heute langweilig am Vinner Turm geworden ist. Ganz im Gegenteil. Enni hat in den Grünanlagen um den Turm, eigentlich Wasserschutzzonen, schon vor längerer Zeit einen Lehrpfad angelegt, der alles Wissenswerte über die Moerser Trinkwassergewinnung erläutert. Viele Schulklassen, aber auch Erwachsenen-Gruppen waren schon dort und haben sich schlau gemacht.

Vor allem das Haus mit dem großen Wasserspeicher ist ein beliebtes Anschauungsobjekt. 200 Kubikmeter keimfreies Trinkwasser lagern dort. „Das ist wohl der sauberste Swimmingpool der Stadt“, scherzt Katja Nießen. „Nur leider acht Grad kalt.“ Doch nicht einmal die Besucher dürften diesen Raum betreten, um das Wasser nicht mit Keimen zu verunreinigen. Acht Millionen Kubikmeter Wasser stehen für die Versorgung der Haushalte zur Verfügung.

Unterirdisch zum Hülser Berg

Das Trinkwasser stamme aus den Wasserschutzgebieten in Moers-Vinn und im Neukirchen-Vluyner Ortsteil Niep-Süßelheide, wo es bis zu 30 Meter tief in der Erde gewonnen werde. Das saubere Grundwasser komme unterirdisch vom Hülser Berg und fließe bis zum Rhein. Von den Förderanlagen aus wird es zunächst zur Enthärtung zur Wittfeldstraße gepumpt. „Von da aus geht es zu den Wasserspeichern und dann zu den Haushalten.“

Im Schnitt verbrauchen die Moerser 22 000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag. Und 1000 Kilometer Wasserleitungen unterhält Enni zur Verteilung der unentbehrlichen Flüssigkeit.

Der Vinner Wasserturm ist eine Geschichtsstation der Stadt Moers. Er ist aber stets auch eines der Ziele der jährlichen Öko-Tour, zu der Enni im September einlädt.

Nicht nur Katja Nießen gefällt der alte Turm ganz besonders gut, sondern auch viele Andere sind beeindruckt, wenn er nachts so schön blau angestrahlt wird.