Was zwischen Buchdeckel passt
07.01.2011 | 15:12 Uhr 2011-01-07T15:12:00+0100
Neukirchen-Vluyn.„Mein Heimatdorf Retzin hatte 1945 452 Einwohner.“ Das ist der erste Satz eines Buches, dessen Autor sich nie selbst als Schriftsteller bezeichnen würde. Und doch - wer anfängt darin zu blättern, dem öffnet sich ein spannendes Stück Zeitgeschichte.
Viele Jahre lang hat der Neukirchen-Vluyner Siegfried Leppin seine Erinnerungen zu Papier gebracht. „Spuren eines Lebens“ heißt seine reich bebilderte Biografie, die jetzt bei Books on Demand gedruckt worden ist.
Am Anfang war
der Gutschein
Er habe schon immer Interesse am Schreiben gehabt, sagt der pensionierte Polizeibeamte, der lange bei der Schutzpolizei in Moers gearbeitet hat. Für die Enkel wollte er seine Erinnerungen auf Papier festhalten - am Ende war der Akt des Schreibens auch wichtig für ihn selbst. Seine Ehefrau Hannelore war es, die Tatsachen schaffte – mit einem Gutschein für den Selbstverlag „Books on Demand“.
Geboren und aufgewachsen in einem Dorf in Pommern, fiel ihm vor allem die Aufarbeitung der schrecklichen Erlebnisse nach Krieg und Vertreibung schwer. Das Schreiben half ihm, die Geschehnisse zu verarbeiten, sagt Leppin: „Ich habe ein anderes Verhältnis zu der Sache gefunden.“
In seinem Buch schildert er die zunächst glückliche Kindheit auf dem Lande, die Schrecken des Krieges und die Trauer um den Verlust der Heimat. Zunächst in Niedersachsen, später am Niederrhein fand der heute 78-Jährige eine neue Heimat. „Von der Pike auf“, so Leppin, lernte er den Beruf des Polizisten. Die Schilderung seines Berufsalltags mit Erinnerungen an die 50er und 60er Jahre beleuchten die Wirtschaftswunderjahre aus einer ganz persönlichen Warte. Für den Pensionär kein Problem: „Ich habe nichts zu verheimlichen.“
Immer wieder erzählt Leppin von seinen Reisen - auch die sind Spuren seines Lebens. Und so endet seine Biografie mit einem Spruch: „Die Welt ist voller Geschichten, man muss sie nur finden.“
In den nächsten Monaten möchte Siegfried Leppin aus seinem Buch öffentlich lesen, kapitelweise, je nach Publikum. So manch alter Kollege wird sich wiederfinden, manch ein Freund ebenso.
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