Warum Bus-Fahren zur Gefahr für Senioren werden kann

Inge Kleinlützum mit Rollator an der Bushaltestelle Diesterwegstraße / Ecke Hartfeldstraße in Neukirchen-Vluyn.
Inge Kleinlützum mit Rollator an der Bushaltestelle Diesterwegstraße / Ecke Hartfeldstraße in Neukirchen-Vluyn.
Foto: Funke Foto-Services
Was wir bereits wissen
Nach einem Sturz in einem Niag-Bus fordern ältere Menschen mehr Rücksicht von Busfahrern. Die sind aber oft gar nicht schuld.

Neukirchen-Vluyn.. Viele Senioren sind treue Kunden der Niag. Die Neukirchen-Vluynerin Inge Kleinlützum (78) ist eine davon, auch ihre Freundinnen, die 84 und 88 Jahre alt sind. Sie sind Mitglieder im VdK und oft mit dem Bus unterwegs. „Man muss Angst haben, wenn man einen Rollator bei sich hat“, schildert Inge Kleinlützum. So nehme ihre Freundin inzwischen lieber einen Stock mit, um nicht noch mal mit dem Rollator zwischen die Bustüren zu geraten.

Am 9. Juni, so Inge Kleinlützum, habe es am Vluyner Bahnhof einen unschönen Vorfall gegeben. „Wir drei stiegen wieder mit Rollatoren beziehungseise Gehstock ein, da rief der Fahrer, schnell, schnell, schnell, er habe ja so viel Verspätung.“ Doch nach dem Anfahren habe er plötzlich bremsen müssen.

Weil der Unfallverursacher flüchtete, gab es kein Schmerzensgeld

„Meine Freundin mit dem Rollator schlug hin und lag hilflos im Gang.“ Der Fahrer, der für ein Busunternehmen im Auftrag der Niag fuhr, habe noch geholfen und sich auch entschuldigt. „Aber sonst ist nicht viel passiert.“ Nur, dass die Niag sich in einem Schreiben entschuldigte und der Freundin einen Gutschein für einen Kaffee bei Tchibo in Moers spendierte. Die drei Damen finden das recht schofel.

Duisburg. Denn die Freundinnen hatten schon vor einem Jahr einen Unfall im Bus. Gleich nach dem Einsteigen in Duisburg gab es ein hartes Bremsmanöver. „Ich saß schon und schlug mit dem Gesicht auf die Stange des Vordersitzes, die Freundin fiel lang hin und lag im Gang“, schildert Inge Kleinlützum.

Irgendein Autofahrer habe dem Bus wohl die Vorfahrt genommen, hieß es. „Die Freundin war blond und blau, konnte tagelang kaum laufen. Und ich hatte eine aufgeschlagene Lippe.“ Es folgte ein langwieriges Hin- und Her mit der Niag und deren Versicherung. „Am Ende hieß es, wir sollten uns an den Unfallverursacher wenden.“ Der aber sei geflohen; daher gebe es keinen Ersatz für körperlichen Schaden und all die Unannehmlichkeiten.

Busunternehmen schult Fahrer und bietet auch Rollator-Kurse an

Auch Vertreterinnen des VdK in Neukirchen-Vluyn hätten sich in der Sache schon an die Niag gewendet, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Grundsätzlich wünschen sich die Seniorinnen, dass Busfahrer mehr Rücksicht auf alte Menschen nehmen, wenn sie beispielsweise beim Aussteigen mit dem Rollator nicht so flink wie junge Leute sind. „Nicht alle sind unfreundlich, viele helfen auch, aber manche benehmen sich ziemlich rabiat.“ Auch das Einsteigen sei nicht immer einfach, weil nicht jeder Busfahrer nahe genug an die Bordsteinkante fahre.

Die Niag: „Wir schulen unsere Fahrer im Umgang mit Senioren und bieten im Gegenzug Senioren auch Rollator-Kurse an“, sagt Pressesprecherin Beate Kronen. Sie bedauert auch, dass die Entschuldigung und der Gutschein bei der Seniorin wohl nicht so angekommen seien, wie es gedacht war.

Falschparker und hektischer Verkehr erschweren Situation

„In der Regel haben die Fahrer ein Auge auf Senioren, sie sind ja auch eine große Kundengruppe der Niag.“ Doch sei zu bedenken, dass beispielsweise bei rücksichtslosen Falschparkern eine Haltestelle nicht richtig angefahren werden könne. Auch werde der Verkehr zunehmend hektischer.

Die Niag-Pressesprecherin will sich nun mit dem VdK in Neukirchen-Vluyn in Verbindung setzen und ein Gespräch führen. „Wir sind dankbar für jede Anregung. Dies betrifft ja nicht nur Menschen mit Rollatoren sondern auch Leute mit Kinderwagen.“