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Kunst

Vorstoß in unbekannte Klangwelten

14.10.2009 | 06:00 Uhr

Moers. Der Veranstaltungsraum ist bis Samstag fertig. „Dann haben wir auch den Fußboden drin”, freut sich Boris Graue, Programmverantwortlicher beim Bollwerk, und verspricht gleich zum Start ein Highlight.

Das „Tiny Noise Camp”, 22 Stunden mit Workshops und Performances von Audio-Künstlern, kuratiert von der Kanadierin Kyd Campbell. Viele Klang-Objekte sind am kommenden Samstag, 17. Oktober, ab 14 Uhr in der schwarz gestrichenen Bollwerk-Halle zu sehen, Projektoren und Kameratechnik, die in der Lage ist, auf dem Lichtweg Töne hörbar zu machen, die auf Kunststoff geritzt wurden. Das Camp ist Schnittstelle von Kunst und Klang und damit typisch für den konzeptionellen Weg, den das Bollwerk gehen will - interaktive experimentelle Kunst, „bei der jeder mitmachen, mitbauen oder mitjamen kann”. Insbesondere junge Leute, die sonst am Computer virtuelle Sounds entwickeln, sind angesprochen, bei den sieben Workshops mitzumachen.

Sorgsam inszeniert

Auch wenn das künstlerische Feld von „Kunst, Krach und Technologie” überschaubar scheint, die Akteure kennen sich nur von Fall zu Fall persönlich. Eher schon durch Netz-Kontakt, sagt Kyd Campbell. Sie hat vor drei Jahren mit dem bulgarischen Musiker Toni Dimitrov „tiny noise” als „Do-It-Yourself-Plattform für experimentelle Künstler” entwickelt. Oft seien es spontane Zusammenkünfte in kleinen Cafe´s, sagt die Kanadierin, schier überwältigt von den räumlichen Möglichkeiten, die das Bollwerk bietet. In Moers will sie ein Mal mehr Künstler miteinander bekannt machen. Wie EOSIN (Diana Combo) aus Portugal, die eigene Sounds entwickelt durch neu zusammengeschnittene Vinylplatten. Sie ergänzt diese durch eigene Kompositionen und Eindrücke, die sie am jeweiligen Veranstaltungsort sammelt. Auch in Moers werde so etwas ganz Neues entstehen, sagt sie und fügt an, dass da Geräusche zu hören sein werden, die ungewohnt sind, aber keinesfalls nervig sein wollen. Strange Music ist halt eine Sache der Hörgewohnheiten. „Wenn wir das machen, denken wir nicht an unerwünschten Krach”, ergänzt Campbell. Die Vorstöße in unbekannte Klangwelten sind nicht dem Zufall überlassen, sondern sorgsam inszeniert.

Der Ton von brechendem Glas

Manchmal schrill und auch skurril, wie die Glas-Klang-Performance von Justice Yeldham (USA). Er zerbricht an seinem Kopf eine Glasscheibe, was gefährlicher aussieht als es tatsächlich ist. Sagt Kyd Campbell. Ob Glas nun splittert oder zwischen des Künstlers Zähnen knirscht - immer dabei ist ein winziges Kontaktmikrophon.

Töne ganz anderer Art zaubert der deutsche Musiker Robert Kondorosi auf seinen selbst entwickelten und gebauten Musikinstrumenten hervor.

Zu hören sind die neuen Klangwelten zunächst in Köln. Am kommenden Donnerstag, 15. Oktober, wird das tiny noise weekend um 20 Uhr im dortigen Kulturwerk mit einem großen Konzert eröffnet.

Das zwei Tage später startende Moerser Camp erhält übrigens handfeste Unterstützung aus Köln. Die dortige Kunsthochschule für Medien stellt technisches Equipment zur Verfügung. Finanziell gefördert wird das Projekt von der Kulturstiftung des Bundes, dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und durch die Konzeptförderung NRW.

Volker Strommenger

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