Von wegen alter Hut...

Was wir bereits wissen
Hildegart Scholten und Bürger from the Hell gewannen den ersten Oldcomer-Award

Moers..  Jetzt ist es amtlich: Die Kölner Kabarettistin Hildegart Scholten und der Musikkasper Bürger from the Hell aus München komplettieren das Programm des Comedy Arts Festivals am letzten Augustwochenende. Erstere überzeugte die mit Jochen Malmsheimer prominent besetzte Jury des ersten Old-Comer-Awards am Mittwochabend im Bollwerk, letzterer stand am Ende in der Gunst des Publikums ganz weit oben. Zuvor hatten sich beide mit vier weiteren Künstlern einen munteren Wettstreit um den vom Comedy Arts Festival erstmals ausgelobten „Alten Hut“ geliefert – und diesen am Ende gewonnen.

Kunst? Scheißegal!

Auf der Bühne gelang die Premiere des neuen Wettbewerbs für Humorkünstler aller Genres über 45 Jahren oder/und mit 25 Jahren Bühnenerfahrung durchweg gut, im Zuschauerraum leider nicht ganz – nur knapp hundert Besucher verfolgten das Spektakel zwischen artistischer Comedy, Kabarett und musikalischer Kasperei. Diejenigen, die den Weg ins Bollwerk gefunden hatten, waren aber bester Dinge – dafür sorgten allein schon „The 4Shops“ als musikalische Moderatoren-Combo im Einkaufswagen: „Datt is Moers – da kannze auch gleich aufm Suizidcontest spielen ...“

Mit der Bürde des Eisbrechers wurde Artistik-Comedian Jens Ohle zum Auftakt auch auf der Wackelleiter spielend fertig. Dabei half ihm nicht nur Zuschauerin Ann-Sophie, sondern auch Charlotte. Die vermeintlich wahllos aus dem Publikum herausgepickte Logopädin entpuppte sich am Ende überraschend als Assistentin des Zauberclowns und ließ sich darum auch widerspruchslos weg- und wieder herzaubern. Mit dem Berliner Puppenspieler Peter Waschinsky kam als nächster ein Großer seines Fachs auf die kleine Bühne und fesselte das Publikum mit einem perfekten Fingerballett und bissig-gereimten Texten.

Frau sucht Mann

In wadenlangem Rock mit Turnbeutel am Arm und Handy am Ohr lieferte Hildegart Scholten intime und aberwitzige Einblicke in ihr Arbeits- und (brach liegendes) Liebesleben: „Ich bin Künstlerin, aber die Kunst ist mir scheißegal. Ich suche auf diesem Wege eine Beziehung.“ Schauspielerisch überzeugend, mit herrlich surreal überbordenden Sprachbildern und großer Improvisationslust hinterließ die Kölnerin einen starken Eindruck an diesem Abend.

Frau sucht Mann – eine Bühnenstrategie, die zumindest eine Hälfte des Dinslakener Thekentratsch-Duos konkret weiter verfolgte – wenn auch auf gänzlich andere Art. Das wunderbar ungleiche Bühnenpaar diskutierte und besang Antiaggressionstraining, ballaststoffreiche Ernährung und natürlich die Liebe.

Nietenarmband, geblümtes Hemd in der zu hoch gezogenen Hose und das Gitarrenplektron im Brustbeutel: Musikexperte Bürger from the Hell alias Norbert Bürger überraschte als spießbürgerlicher Rockpsychopath mit einem überraschenden Ritt durch diverse musikalische Genres. Virtuoses E-Gitarrenspiel kombiniert mit Loops, Beatboxing und technischen Tricksereien: hier ist musikalisch ein Profi mit Lust zum Kaspern am Werk. Zum Schluss lieferte der Hamburger Comedian Don Clarke den unschlagbaren Tipp, wie man völlig schmerzfrei zu Ruhm und Ehre kommt: man kauft sich Pokale und lässt sie fantasievoll gravieren ...

Für die beiden Sieger gab es am späten Abend nicht nur wohlverdiente „Alte Hüte“ und die Fahrkarten fürs Comedy Arts Festival, sondern auch jeweils 1000 Euro, gestiftet von der Sparkasse am Niederrhein.