Von Sterkrade nach Berlin: Dem „Tödlein“ auf der Spur

Foto: Ulla Michels

Kamp-Lintfort..  „Die Suche nach dem goldenen Tod“: So lautet der neugierig machende Titel des historischen Romans von Peter Kersken, aus dem der Autor am Mittwoch im Rokokosaal von Kloster Kamp einige Passagen las. Die Lesung war Teil der vom kulturgeschichtlichen Museumsnetzwerk Niederrhein veranstalteten Literatur- und Lesungsreihe, die unter dem Titel „Horizonte himmelwärts“ noch das ganze Jahr läuft.

In Kerskens spannender Geschichte geht es um ein goldenes „Tödlein“, das Antonetta von Streithorst, Äbtissin des hochadligen Damenstifts zu Sterkrade, im Jahr 1766 abhanden gekommen ist. „Tödlein“ waren in kleinen Särgen liegende, meist aus Wachs modellierte Leichname und Skelette, die die Menschen ständig an ihre Sterblichkeit erinnern sollten („memento mori“).

Der Klostergehilfe Jacob Sander, ein 20-jähriger Bauernjunge, wird nun auf die Suche nach dem verlorenen Kleinod geschickt. Den größten Teil des Romans, in dem übrigens auch das Kloster Kamp eine Rolle spielt, nimmt Jacobs abenteuerliche Reise ein, die ihn von der bäuerlichen Enge Sterkrades bis ins aufgeklärte Berlin Friedrichs des Großen führt. Eine Reise, die für Jacob zu einem Weg voller Gefahren, überraschenden Begegnungen und verstörenden Einsichten führt: „Ich wollte vor allem die Lebensumstände und die Alltagswelt der Menschen im 18. Jahrhundert darstellen. Aber ebenso, was passiert, wenn althergebrachte Sitten, Glaubenssätze und Gebräuche auf eine vernunftbetonte Aufklärung treffen“, erklärte Kersken. Wobei sich seine begleitenden Erläuterungen historischer Zusammenhänge und Personen als besonders hilfreich erwiesen. Nach einer dreiwöchigen Irrfahrt kehrt Jacob schließlich wohlbehalten nach Sterkrade zurück. Ob mit oder ohne das vermisste „Tödlein“, das verriet der Autor leider nicht…

Anschließend gab es die Möglichkeit die Ausstellung „Heiliges verpacken“ zu besuchen, für die Museumsleiter Dr. Peter Hahnen eine Sonderführung arrangierte.