Von Neuseeland an die Kleine Allee in Moers

Hayden Chisholm, per Skype zugeschaltet.
Hayden Chisholm, per Skype zugeschaltet.
Foto: Ulla Michels
Was wir bereits wissen
Hayden Chisholm gibt sein erstes offiziellen Interview als Improviser in Residence per Skype. Der Saxofonist kennt die Grafenstadt seit 1997.

Moers..  Dass Hayden Chisholm bei seinem ersten offiziellen Interview als Improviser in Residence via Skype zugeschaltet ist, passt zu einem Weltenbummler in Sachen Musik. Und dass er auf seiner Suche nach den Schätzen der improvisierten Musik meistens fernab der großen Metropolen unterwegs ist, passt wiederum prächtig zu seinem neuen Aufenthaltsort auf Zeit: Mit dem neuseeländischen Saxofonisten und Komponisten zieht in diesem Jahr ein Künstler in das Haus auf der Kleinen Allee, den an Musik nur eines nicht interessiert – ihre Kategorisierung.

Er sei unbestritten ein außergewöhnlicher Musiker, „einer mit vielen Qualitäten“, sagt der künstlerische Leiter des Moers Festivals, Reiner Michalke, über den 8. Improviser in Residence: „Was ich an ihm schätze ist, dass er ständig auf der Suche ist. Ich kenne keinen, der so neugierig ist.“ Aufgewachsen in New Plymouth, Neuseeland, entdeckte Chisholm schon früh seine Leidenschaft für die Musik – und seine Lust, sie rund um den Globus immer wieder neu zu entdecken. „Das hat angefangen, als ich mit 15 Jahren auf einem Schüleraustausch in Chicago war, dann wollte ich weg aus Neuseeland“, erzählt Chisholm. Mit 17 Jahren reist er in die Schweiz, bewirbt sich an mehreren Musikhochschulen in Europa, landet schließlich in Köln und studiert später weiter in Japan und Südindien.

Das Moers-Festival, bei dem Chisholm erstmals 1997 und zuletzt im vergangenen Jahr mit Julia Hülsmann auf der Bühne stand, schätzt der Musiker: „Es ist einzigartig – in vielerlei Hinsicht.“ Er wird das Festival in diesem Jahr mit einer Premiere eröffnen: „Ich habe eine Idee im Kopf, etwas Größeres, etwas, woran ich schon länger arbeite“, so Chisholm, der in Moers auf der Suche nach den „etwas anderen Konzertorten“ ist: „Ich bin interessiert an Orten, die besonders klingen.“ Berührungsängste kennt der Mann, der auch in der Filmdoku „Sound of Heimat – Deutschland singt“ mitwirkte, nicht. Ob Jazzmusiker, Liedermacher oder Chor – alle musikalischen Begegnungen seien für ihn erst einmal interessant, sagt Chisholm. Immerhin habe Moers mit seinen knapp über 100 000 Einwohnern doppelt so viele wie seine Geburtsstadt in Neuseeland: „Ich mag die Dynamik in kleinen Städten.“

Von Moers aus wird er zunächst ein musikalisches Projekt mit Texten von James Joyce auf den Weg bringen. In Planung sind außerdem Konzerte mit befreundeten Musikern. Den Rest lässt Chisholm mit großer Neugier auf sich zukommen: „Ich freue mich darauf, auf nichts festgelegt zu sein.“

Seine Reise sei längst noch nicht beendet, sagt Musik-Sammler Chisholm über das, was sein Musikerleben bislang und wohl auch künftig ausmacht. Jetzt aber heißt es erst einmal: nächster Halt – Moers.