Vom Azubi zum Firmenchef

Vom Gesellen zum Firmenchef: Thorsten Gerecke
Vom Gesellen zum Firmenchef: Thorsten Gerecke
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Thorsten Gerecke entschied sich nach der Fachoberschulreife für eine handwerkliche Ausbildung. Heute beschäftigt er in seiner Firma Set Point Medien in Kamp-Lintfort 25 Angestellte.

Kreis Wesel..  Es war noch zu Schulzeiten, als er das Stadtpanorama austrug und – das Blatt in Händen – seinen Berufswunsch formulierte: „Ich werde Verleger.“ Nun, ganz so hat sich die Karriere des Thorsten Gerecke denn doch nicht entwickelt – jedoch bereut er es keine Sekunde, dass er sich nach der Fachoberschulreife für eine handwerkliche Ausbildung zum Druckformhersteller entschloss. Heute ist er Chef in der eigenen Firma, der Set Point Medien GmbH in Kamp-Lintfort, hat 25 Angestellte und sucht dringend Auszubildende für zwei handwerkliche Berufe: Drucker und Buchbinder.

Damit ist Thorsten Gerecke nicht allein: Dem Handwerk mangelt es allgemein an geeigneten Auszubildenden, aber auch an Meistern, die einen Betrieb übernehmen möchten. Gerecke – „ich bin ein bisschen handwerklich gestrickt“ – hat für seine Set Point Medien gerade eine Auszubildende als Buchbinder-Gesellin übernommen.

Aufstehen und eine Vision haben

Aber weiterer Nachwuchs ist nicht in Sicht, denn ihm flattern nur Bewerbungen für den Job des Mediendesigners ins Haus. „Wie bringt man junge Leute zu einem handwerklichen Beruf? Da darf der Anreiz nicht nur Geld sein.“ Der Firmenchef glaubt, dass man mehr als die Ausbildungsvergütung bieten muss – zum Beispiel die Begeisterung für den Beruf, welche er selbst vorlebt: „Man muss morgens aufstehen und eine Vision haben.“ Sein Anspruch ist es, dem Kunden das bestmögliche Produkt zu liefern; dieser Anspruch steht und fällt mit guten Mitarbeitern, mit einem guten Team.

Daher steht Thorsten Gerecke hinter den „Werkstattgesprächen“ der Kreishandwerkerschaft und der Volksbank, die heute in ihre erste Runde gehen. Unternehmen und Schulen wollen gemeinsam versuchen, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern.

Welche Möglichkeiten sich mit einer soliden handwerklichen Ausbildung bieten, dafür ist die Karriere des Thorsten Gerecke das beste Beispiel: Fachoberschulreife, abgeschlossene Ausbildung, stellvertretender Abteilungsleiter, Jobwechsel und Anstellung in der Geschäftsführung; Fortbildung im Bereich Betriebswirtschaft, Jobwechsel, Geschäftsführer und heute – mit 46 Jahren – Chef der eigenen Firma.

Alternative zum Studium

Als er seine Ausbildung zum Druckformhersteller bei der WAZ, heute Funke Mediengruppe, begann, hatte er sich bestimmt nicht träumen lassen, einmal einen Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro zu erwirtschaften.

Das war es, was Kreishandwerksmeister Günter Bode meinte als er sagte, das Handwerk habe goldenen Boden. Und Volksbank-Chef Guido Lohmann, der gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft die „Werkstattgespräche“ aus der Taufe hob, sagte: „BWL-Bachelor gibt’s wie Sand am Meer, aber gute Handwerker verdienen richtiges Geld.“

Thorsten Gerecke kann am heutigen Werkstattgespräch nicht teilnehmen: Er ist zur Verleihung des Grimme Online Award eingeladen. Auch ein Online Award kommt nicht ohne Hochglanz-Printprodukt aus – und das stammt von der Set Point Medien in Kamp-Lintfort.

Werkstattgespräch: Donnerstag, 18. Juni 2015, 17 Uhr, im Handwerklichen Bildungszentrum am Beruftskolleg für Technik, Repelener Straße 103, Moers.