Volle Notfallambulanzen in Moers und Kamp-Lintfort

Chefarzt Dr. Christoph Chylarecki von der Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem Patienten in der Notfallambulanz am Krankenhaus Bethanien Moers
Chefarzt Dr. Christoph Chylarecki von der Orthopädie und Unfallchirurgie mit einem Patienten in der Notfallambulanz am Krankenhaus Bethanien Moers
Foto: vbvbv
Was wir bereits wissen
Immer mehr Menschen kommen in die Notfallambulanzen der Kliniken. Die sind nicht dafür ausgelegt. Experten sprechen von verändertem Patientenverhalten

Am Niederrhein..  Von Patienten förmlich überrollt werden die Notfallambulanzen der Krankenhäuser im Land. Was ein Problem bedeutet. Kämpfen die Häuser doch fast alle ums Überleben. Und Ambulanzen arbeiten „hoch defizitär“, wie Dr. Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Bethanien in Moers schildert. Er spricht von einer exorbitanten Steigerung der Patientenzahl in der Notaufnahme Bethanien. Die Zahlen hätten sich in den letzten fünf Jahren sicherlich verdoppelt. „Es gibt kaum ein Haus, das diesen Bereich nicht erweitern muss.“

60 Prozent aller Patienten auf den Stationen kommen als Notfälle in die Kliniken. „Die Frequenz ist überall enorm hoch, die Menschen nehmen die Ambulanzen heute gern in Anspruch.“ Allein in Bethanien sei es eine gute fünfstellige Zahl Patienten, die jährlich in die Notaufnahme gingen. „Wir bekommen pro Patient 16 Euro, müssen aber oft ein großes Programm fahren, schon um uns abzusichern.“ Dieses Dilemma sehe auch der Gesundheitsminister inzwischen. „Wir sind auf diese Zahlen nicht ausgerichtet“, mahnt Voshaar Abhilfe aus der Politik an.

In der Klinik St. Bernhard Kamp-Lintfort zählt man allein im Vergleich von 2013 zu 2014 einen Anstieg der Fälle in der Notfallambulanz von 20 Prozent. Dort kommen auch „einbestellte“ Patienten mit Terminen an. „Wir entzerren das jetzt, ab April gibt es zwei getrennte Bereiche“, sagt Pressesprecher Jörg Verfürth.

Verkürzung der Wartezeiten

Man erhoffe sich davon eine Entlastung im Notfallbereich und eine Verkürzung der Wartezeiten für die Patienten. Ein Grund für den Ansturm liege, so Verfürth, wohl auch im geänderten Patientenverhalten. So versuche mancher als Notfall die langen Wartezeiten beim Facharzt zu umgehen. „Das ist ein Problem, das wohl alle Kliniken haben.“ Auch kämen Patienten außerhalb der Praxiszeiten der niedergelassenen Ärzte eben gern ins Krankenhaus. „Dafür gibt es aber eigentlich einen eigenen Notdienst.“ So würden beispielsweise in der Kardiologie an einigen Tagen über 100 Patienten behandelt. Dies bei 70 verfügbaren Betten. Da müsse ein gutes Belegungsmanagement agieren.

Von einer jährlichen Steigerung der Notfall-Patientenzahl von drei bis zu sechs Prozent redet Dr. Rainer Körte, Chef der Notfallambulanz im Krankenhaus St. Josef Moers. Was zum Teil daran liege, dass mancher eher mit leichteren Erkrankungen die Ambulanz aufsuche. Viele ausländische Menschen hätten aber auch keinen Hausarzt und gingen in die Klinik.

Außerdem: „Wer zu uns kommt, ist auf der sicheren Seite. Wir verfügen ja über eine umfassende Diagnostik, nehmen Blut ab, röntgen und anderes.“ Gerade an den Wochenenden gebe es daher lange Wartezeiten in der Aufnahme. „Wir schätzen zunächst ein, welche Symptome der Patient hat und wie schwer krank er ist. Es geht halt nach Dringlichkeit.“

Verständnis

Rainer Körte weiter: „Manchmal werden wir auch von Wartenden beschimpft, gerade an Wochenenden, wenn weniger Personal im Einsatz ist.“ Die meisten Wartenden hätten aber Verständnis für die Situation. Thomas Voshaar: „Wir scheuen uns auch nicht, im Ernstfall die Polizei zu rufen; was aber nur sehr selten nötig ist.“