Volkskrankheit Kopfschmerz

Dr. Elmar Busch misst bei Brigitte Schmitter die Gehirnströme.
Dr. Elmar Busch misst bei Brigitte Schmitter die Gehirnströme.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dr. Elmar Busch behandelt Patienten mit diesem Leiden im St. Josef-Hospital

Moers..  Brigitte Schmitter überfiel der Schmerz explosionsartig an der rechten Seite des Kopfes. „Es war am Wochenende, und ich wusste nicht, was ich tun sollte.“ Am Montag schickte der Hausarzt die verzweifelte Patientin ins Krankenhaus St. Josef. In der drittgrößten Neurologischen Klinik zwischen Bonn und Kleve werden jährlich 4000 Kranke stationär behandelt. Chefarzt und Privatdozent Dr. Elmar W. Busch gibt Einblicke in das Thema Kopfschmerz.

Es ist eine Volkskrankheit. Etwa jeder Zehnte leidet darunter. „Wir unterscheiden zwischen Kopfschmerz, der durch eine Krankheit wie einen Tumor bedingt ist, und Kopfschmerz, der durch eine gestörte Schmerzverarbeitung im Gehirn entsteht.“ Das ist vor allem die Migräne, aber auch der weit verbreitete Spannungskopfschmerz.

Oft ist es familiäre Veranlagung

„Oft gibt es eine familiäre Veranlagung“, so Busch. Es gebe es schwere und leichtere Formen. „Ich weiß von einer Patientin, die so starke Migräne hatte, dass sie nicht mehr arbeiten gehen konnte.“

Wichtig sei dabei eine Therapie mit Migräne-Medikamenten aber auch mit Medikamenten, die gegen Depressionen eingesetzt würden und auf das Schmerzzentrum im Gehirn wirkten. Die Ursachen für Kopfschmerzen können bei Frauen Hormone sein, aber auch Käse, Kaffee und Rotwein seien typische Auslöser für Migräneanfälle, erklärt der Experte.

250 Kopfschmerz-Arten können die Fachleute auflisten. Acht Prozent der Bevölkerung leiden an Spannungskopfschmerz. Er wird oft durch Stress oder Depressionen ausgelöst. „Dabei fühlt sich der Schmerz an, als lege sich ein Eisenring um den Schädel“, sagt der Chefarzt. Da sei es wichtig, die Patienten gut aufzuklären. „Wenn sie wissen, dass sie keine schlimme organische Störung haben, können sie den Schmerz besser einordnen und sich auf ihn einstellen.“ Veränderung der Lebensumstände, Erfahrungsaustausch und Selbsthilfegruppen seien wirksam, auch psychologische Beratung helfe.

Die Kranken brauchen Vertrauen

„Die Kranken brauchen zudem das Vertrauen, dass die Schmerzen von allein wieder verschwinden können.“ Oft seien die Patienten durch den Schmerz depressiv und verfielen in Passivität. „Sport, Entspannungstraining und viele soziale Kontakte sind da wichtig.“ All dies sei das wirksamste Vorgehen gegen Spannungskopfschmerz.

Die zur Verfügung stehenden Medikamente seien hochwirksam, sollten aber nur bis zu einer bestimmten Dosis eingesetzt werden, erklärt Busch. „Sonst kann ein Teufelskreis entstehen. Es kann sein, dass bei einem Zuviel die Schmerzen sogar verstärkt werden.“ Relativ neu ist die Migräne-Behandlung mit Botox: Der Arzt spritzt das Mittel zur Muskulaturentspannung unter die Kopfhaut. Hierzu gibt es im St. Josef eine Sprechstunde für Migräne-Kranke. Wenn das alles nichts hilft: „Nur als allerletztes Mittel kann der Chirurg eine Elektrode ins Gehirn pflanzen, die die Schmerzverarbeitung beeinflusst.“