Verfahren nicht zu stoppen
18.01.2010 | 11:15 Uhr 2010-01-18T11:15:00+0100Moers. Je näher der Vergabetermin für das Shopping-Center rückt, desto hoffnungs-froher werden Politik und Verwaltung. Da stört Jochem Bellinger mit seiner Alternativplanung, den wichtigsten Grundstücksbesitzern im Koffer, nochmal inne zu halten, gewaltig.
Trotzdem bekommt MAB den Zuschlag, denn das Kind ist im Brunnen.
Das Shopping-Center, das laut Umfrage 54 Prozent der Moerser gar nicht haben wollen, bleibt zunächst ein Phantom. Die Ampel wird das Verfahren aus mehreren Gründen nicht stoppen. Nicht mal, wenn sie wollte. Wenn MAB alle Kriterien erfüllt hat, muss der Auftrag erteilt werden. Andernfalls drohen Entschädigungsforderungen.
Abgesehen davon will die Kooperation gar nicht, sie würde ihr Gesicht verlieren. Es geht nicht nur um die letzte Chance, nach zehn Jahren endlich einen potenten Investor zu verpflichten, sondern auch um den Ruf als verlässlicher Partner. Außerdem würde MAB mit der Verlegung des Busbahnhofs an den Neuen Wall zumindest ein Fünkchen des Citytraums erfüllen. Nebenbei: Die MAB-Pläne haben den Rat offenbar überzeugt.
Der ins Spiel gebrachte freiwillige Verzicht für den Fall, dass die CDU als zweitgrößte Ratsfraktion nein sagen sollte, ist maximal eine Hintertür für die Niederländer. Ein Notausgang, falls sie in Gesprächen mit den Grundstücks-eigentümern merken sollten, es funktioniert nicht. Natürlich möchte ein Investor breiten Konsens erzielen. Wenn's um Geld geht, ist das allerdings Luxus. Eines aber sollten Investor und Verwaltung beherzigen: Während ein Bellinger-Plan mit Stärken und Schwächen diskutiert werden kann, muss der Moerser schlucken, was ihm der Rat am 10. Februar auf den Teller legt. Das Mindeste, was der Steuerzahler erwarten kann, ist eine offizielle Präsentation vor der Auftragsvergabe.
Das Shopping-Center bleibt ein Phantom, wenn alle Beteiligten bei ihrem Wort bleiben. Käfer will nicht mit der Stadt, OMD muss nicht. Und wenn ein weiteres Jahr damit vergeudet sein sollte, dass ein engagierter Investor sich an den komplizierten Eigentümerverhältnissen die Zähne ausgebissen hat, ist der Weg nicht automatisch frei für einen Plan nach Bellinger-Vorbild. Niemand kann erwarten, dass die Politik später den Koch einstellt, der ihr zuvor in die Suppe gespuckt hat.
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