Und Samstag kommt die Krönung

Am Samstag den 01.03.2014 fand der Nelkensamstagszug in Moers statt. Foto: Erwin Pottgiesser / WAZ FotoPool
Am Samstag den 01.03.2014 fand der Nelkensamstagszug in Moers statt. Foto: Erwin Pottgiesser / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nur noch wenige Tage bis zum Nelkensamstagzug. 1000 Teilnehmer werden von Homberg nach Moers marschieren und fahren. Da gelten etliche Regeln

Moers..  Die Narren zählen schon die Tage und Stunden. Noch zwei Tage bis Weiberfastnacht, dann noch mal zwei Tage bis zur Krönung einer jeden Moerser Session: Samstag ist Nelkensamstagszug. Unter dem Motto „Moerser Karneval – dat is die Krönung“ werden 1000 kostümierte Narren von Homberg bis zum Rathaus an der Unterwallstraße ziehen. Die Menschen am Straßenrand freuen sich nicht zuletzt auf die Kamelle, wobei sie eines wissen sollten: Wer Kamelle wirft, wirft sie nicht „einfach so“, sondern muss strenge Regeln beachten. Nä, wie jeck, möchte man da seufzen.

„Beim Werfen des Wurfmaterials ist äußerste Disziplin zu wahren“, fordert ein Merkblatt, das der veranstaltende Kulturausschuss Grafschafter Karneval (KGK) jedem Zugteilnehmer an die Hand gibt. Je schwerer die Kamelle, desto vorsichtiger müsse „die Abgabe an das närrische Publikum erfolgen“. Das „Zuwerfen im ‘Frisbeestil’ ist nicht gestattet“, heißt es weiter. Metallische Gegenstände wie Kugelschreiber sind verboten, Schokoriegel und -tafeln nur im Miniformat erlaubt. Freilich haben die Regeln ihren Sinn: Niemand will schließlich das fröhliche Publikum gefährden. Und dem Selbstschutz dienen die Anweisungen ebenfalls, denn immer wieder werden Gegenstände gezielt zurückgeworfen – oft mit schmerzhaftem Ergebnis.

Übrigens kann man das Engagement der Zugteilnehmer für ein bissken Spass anne Freud kaum hoch genug schätzen. Die Kamelle zahlt jeder weitgehend aus der eigenen Tasche. Die KG Lusticana St. Marien beispielsweise hat für 1700 Euro Wurfmaterial beschafft, das 16 „Lusticaner“ vom Wagen unters Volk bringen werden. Etwa ein Drittel übernimmt die Vereinskasse, berichtet Präsidentin Petra Weier, „den Rest zahlt jeder selbst, auch die 30 Euro für Blumen pro Nase“. Auf einem Senatorenwagen werden schon 200 Euro pro Jeck fällig. Richtig teuer geht’s bei Prinz Karneval zu: Kamelle für mindestens 2000 Euro, schätzt Prinzenführer Peter Bier, werden Markus I. und Sabine I. verteilen. Allerdings hilft der eine oder andere Sponsor dabei dem närrischen Herrscherpaar.

Start ist um 13.11 Uhr, ihr Ziel am Moerser Rathaus dürfte die närrische Karawane drei bis vier Stunden später erreichen. Fast sechs Kilometer misst die Zugstrecke, die über die Homberger-, Klever- und Wilhelm-Schroeder-Straße zur Unterwallstraße führt. 30 Wagen werden unterwegs sein, acht Musikzüge und 250 Ordner. Bei den Wagen und Zugmaschinen sind je zwei von ihnen pro Achse aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben. Apropos Vorschriften: Laut Verkehrsblatt des NRW-Verkehrsministeriums benötigen Motivwagen ein TÜV-Gutachten, das ihre „Sicherheit zur Teilnahme an Brauchtumsveranstaltungen bescheinigt“, am Nelkensamstag im Original der Zugleitung vorzulegen ...

Neben dem offiziellen Motto gilt für die Zugteilnehmer also durchaus noch ein weiteres Motto: Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare, Formulare.

Zum zweiten Mal nimmt das Moerser Schlosstheater am Nelkensamstagzug teil. Mit Blick auf die Diskussionen des vergangenen Jahres werden sich die Künstler als „Kulturmafia“ präsentieren und das tun, wie es in der Ankündigung ironisch heißt, „was Kulturinstitutionen am besten können: Geld verschwenden! Glamourös, gefährlich sein!“

Weshalb wir kombinieren: Statt Kamelle gibt’s (Spiel-)Geld.