Überzeugende Gesellenstücke

Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Bei der Lossprechungsfeier der Tischlerinnung Kreis wesel in Moers wurden auch de besten Gesellenstücke prämiert.

Moers..  „Gott schütze das deutsche Handwerk und die heute frei gesprochenen Gesellen.“ Mit diesen traditionellen Worten machte Lehrlingswart Dirk Krechter am Sonntag 39 Auszubildende, darunter auch drei weibliche, zu neuen Tischler-Gesellinnen und Gesellen. Zur Lossprechungsfeier der Tischler-Innung des Kreises Wesel im Handwerklichen Bildungszentrum in Moers konnte Obermeister Dietrich Bassfeld nicht nur ein volles Haus begrüßen, sondern auch zahlreiche, sowohl formell wie handwerklich gelungene, „Gesellenstücke“ vorstellen.

Diese reichten vom rustikalen Bauernbett über Sideboards und Hängeschränke bis zum aus einem rohen Lindenstamm gefertigten Schmuckkasten mit zahlreichen Schubladen und Geheimfach. Alle Stücke nahmen auch am Wettbewerb „Gute Form“ teil und wurden von einer Fachjury bewertet. Die befand vier Arbeiten für besonders preiswürdig: Ein Sideboard mit verschiedenen Lackfronten von Jana Morwinski sowie den erwähnten, in ein funktionierendes Möbel verwandelten Lindenstamm von Florian Frank Gollup (jeweils ein 3. Preis) und einen modernen Plattenspielerschrank von Maren Faßbender (2. Preis). Mit dem 1. Preis wurde der von Florian Platzek geschreinerte Schreibtisch ausgezeichnet. Der 25- jährige Jung-Geselle hatte in seinem Ausbildungsbetrieb Büttgen & Schorsch in Dinslaken aus Linoleum und Eiche ein echtes Kunstwerk auf die filigranen Füße gestellt: „Eigentlich wollte ich etwas bauen, das schnell geht, funktionell ist und eine pflegeleichte, nicht alltägliche Oberfläche hat“, erklärt Platzek. Doch für Planung, Modelle und Ausführung mit mehrfachen Nachbesserungen seien am Ende doch über 200 Arbeitsstunden zusammengekommen.

Das Ergebnis ist jedenfalls ein in Design und Verarbeitung meisterliches Möbel, das in keinem Museum für moderne Kunst fehl am Platze wäre: „Wir wollen in alter Tradition das Schöne leben und zeigen, dass wir mehr können als die Industrie“, betonte Jochen Reichenberg, Vorsitzender der Prüfungskommission.: „Moderne HiTech mit traditionellem Handwerk zu verbinden, das ist unsere Aufgabe und Chance“, bekräftigt Obermeister Bassfeld, der insgesamt 122 Tischlerbetriebe zu seinen Mitgliedern zählt.