Überzeugende Aufführung

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Neukirchen-Vluyn..  Eine ziemlich ehrgeizige Aufgabe hatte sich am Sonntag das Collegium Vocale der Selbstständigen evangelisch-lutherischen Kirche (SELK) gestellt. Der 1982 von Hans-Hermann Buyken gegründete und bis heute geleitete gemischte Chor sang in der Neukirchener Dorfkirche den zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, exakt 280 Jahre nach dessen Uraufführung durch den Thomanerchor im Jahre 1735 in Leipzig.

„Weihnachtsoratorium im Januar, wie das?“, mag sich mancher da fragen. Nun: Bachs barockes Meisterwerk besteht aus sechs Kantaten, die sich um die Weihnachtsgeschichte des Lucas-Evangeliums ranken. Die Kantaten vier bis sechs komponierte Bach für die Zeit von Neujahr bis Epiphanias, dem Tag der Heiligen Drei Könige am 6. Januar. Ein anspruchsvolles Werk, das hohe musikalische Anforderungen nicht nur an den Chor sondern auch an das begleitende Orchester und die Solosänger stellt. Eine Aufgabe die, um es gleich zu sagen, die fast 40 Sägerinnen und Sänger gemeinsam mit dem „Cölner Barock-Orchester“ und den Vokalsolisten Theresa Nelles (Sopran), Alexandra Thomas (Alt), Wolfgang Klose (Evangelist,Tenor) und Joachim Höchbauer (Bass) mit Bravour meisterten. Ein äußerst präsenter Chor, ein perfekt auf Barock getrimmtes Orchester sowie stil- und tonsichere Solisten ließen keine Wünsche offen: „Wir legen großen Wert auf Authentizität und Werktreue und darauf, dem Publikum auch die entsprechende Botschaft zu vermitteln“, erklärte Buyken. „Es war großartige Musik und ein einmaliges Erlebnis“, freute sich Zuhörerin Susanne Weber-Spickers, die selbst einen Chor in Neukirchen leitet. Auch, wenn die Texte zeitgebunden sind und heute zum Teil recht fremd anmuten, Bachs Musik ist zeitlos. So war der Sonntagnachmittag ein Genuss für alle, die Barockmusik lieben. Die Zuhörer in der zwar gut gefüllten, aber nicht voll besetzten Kirche bedankten sich denn auch mit reichlichem Beifall und stehenden Ovationen. Als nächstes großes Chorwerk stehe, so verriet Buyken, Mozarts „Requiem“ auf dem Programm. Doch leider erst im November.