Turmbau zu Moers

Die Gruppe Sur Messure in Aktion.
Die Gruppe Sur Messure in Aktion.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
„Sur Mesure“ erzählt mit atemberaubender Körperbeherrschung und Musik bei den „Penguin’s Days“ vom gemeinsamen Sprung zum Ziel.

Moers..  Der junge Bursche winkte anfangs mit Blick auf die in giftgrün-gemusterten Badehosen in der Festivalhalle auflaufenden Akteure ziemlich forsch ab: „Boah, ich bin doch nicht gekommen, um mir nackte Männer anzugucken.“ Aber auch ihn hatte die belgische Truppe „Sur Mesure“ mit ihrer temporeichen Mischung aus Musik, Akrobatik und Jonglage alsbald so in den Bann gezogen, dass von der großspurigen Attitüde rein gar nichts mehr blieb. Stattdessen ein staunend geöffneter Mund.

Premiere gelungen

Es war eine Premiere, im Rahmen des Kinder- und Jugendtheaterfestivals Penguin’s Days eine Geschichte mit Instrumenten und Turnübungen zu erzählen. Sie dürfte als gelungen bezeichnet werden. Vor allem die Schüler der Hilda-Heinemann-Schule waren so begeistert von der Show, die scheinbar alle Schwerkraft aufhebt, dass sie kaum aufhören konnten zu applaudieren.

Bei der zweiten Vorstellung waren Schüler der Justus-von-Liebig-Schule, der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, der Unesco-Schule, des Adolfinums sowie des Berufskollegs für Technik versammelt. Kein Problem, schließlich ist „Fillage“ ein Stück, das für Leute von „6 bis 106“ geeignet ist, wie es im Programmheft steht. Es kommt zwar erst langsam in Fahrt, aber spätestens bei den ersten atemberaubenden Hebefiguren oder Salti aus dem Stand waren auch die Schwatzhaftesten unter den Schülern fein stille. Das achtköpfige Ensemble präsentierte Körperbeherrschung auf höchstem Niveau.

Besondere Faszination übten die Trampolinsprünge der Truppe aus: Leichtfüßig hüpften sie eine senkrechte Wand hoch, sprangen umeinander herum und auch ein dreifacher Salto rückwärts war hier scheinbar eine leichte Übung.

Die Künstler beherrschen aber nicht nur ihre Körper, sondern auch noch einige Instrumente, unter denen das Susafon sicher das beeindruckendste ist. Mit fröhlich beschwingter Musik und Gesang begleiteten die Artisten ihre Show, in der es vor allem auch darum geht, ja, gehen muss, dass man sich aufeinander verlassen kann, vom anderen getragen wird und sich auch fallen lassen kann und immer aufgefangen wird. Nur in einem verlässlichen Team lassen sich dreistöckige Menschentürme bauen. Choreografierte Jonglage mit sieben Keulen – und, zugegeben, ein paar Fallenlassern – ergänzte das vielseitige Programm der jungen Belgier, das die Zuschauer – vom Sechstklässler bis zum volljährigen Berufsschüler mit begeistertem Applaus quittierten.