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„Supertalent“

Trotz allem gut bei Stimme

02.11.2011 | 15:47 Uhr

Moers.„Mein Leben hat sich komplett verändert, seit ich beim ,Supertalent’ aufgetreten bin“, erklärt Stefan Gertler. Der 39-jährige Moerser ist durch die Teilnahme an der RTL-Castingshow über Nacht berühmt geworden.

Mehr als sieben Millionen Menschen sahen seinen Auftritt, der umso beeindruckender war, weil Gertler krank ist.

Stefan Gertler leidet am Tourette-Syndrom, eine seltene und ungeklärte Erkrankung, die sich durch das Auftreten von sogenannten „Tics“ bemerkbar macht. Das sind unwillkürliche, meist plötzliche und sehr heftige Bewegungen, oder verbale, ungewollte Äußerungen. Bei Gertler äußert sich die Krankheit durch unkontrollierte Bewegungen.

RTL-Jurorin Sylvie van der Vaart wollte ihn nicht in die nächste Runde lassen. Doch Motsi Mabuse und Dieter Bohlen waren begeistert von seinem Gesang gaben ihm ein „Ja“. Auf die Frage, was Gertler über Sylvie van der Vaarts Urteil denkt, antwortet er: „Die Leute haben das ein bisschen anders gesehen als sie. Ich hatte nie Gesangsunterricht. Das kann ich mir von 380 Euro im Monat auch gar nicht erlauben. Deshalb war es für mich Bestätigung genug, dass Dieter Bohlen, der Poptitan, meinen Auftritt gut fand.“

Er musste eine neues
Lied einstudieren

Wer bei „Das Supertalent“ vorsingen will, kann mehrere Vorschläge darüber abgeben, welches Lied er singen möchte. Gertler wollte ursprünglich „You raise me up“ von Westlife vortragen, alternativ hatte er Titel von Michael Bublé und Robbie Williams vorgeschlagen. Doch „Home“ von Michael Bublé, welches er letztendlich gesungen hat, war nicht auf seiner Liste, es wurde ihm von RTL genannt. So musste er ein komplett neues Lied einstudieren, wobei das Publikum nicht gemerkt hat, dass er es kurzfristig eingeübt hatte, da er so gut bei Stimme war. „Es ist gar nicht leicht, wenn man kein Englisch sprechen kann, sich sofort in den Text hineinzuversetzen. Man muss ihn erst übersetzen, damit man das Lied verstehen und fühlen kann. Erst dann kann man es überzeugend singen.“

Stefan Gertler erhofft sich durch seinen Auftritt, vielleicht doch endlich einen Job zu bekommen, als Sieger aus der Show hervorzugehen, ist für Gertler jedoch nebensächlich: „Das, was ich erreichen wollte, habe ich erreicht. Mir ist eigentlich egal, ob ich gewinne.“ Durch seine facebook-Fanseite hat er Kontakt zu zwei Jungen aus Cuxhaven, die unter der selben Krankheit leiden, aufgenommen. Mit den Jungen hat er sich sofort getroffen. „Ich finde es schön, dass ich den Jungs mehr Selbstbewusstsein geben konnte“, freut sich Stefan Gertler. Denn anderen Tourette-Kranken zu zeigen, dass man sich nicht zu Hause einschließen und in Selbstmitleid versinken muss, das ist sein Ziel.

Wiebke Bruch Sarah Heckhoff

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