Tragödien, Horten, Stühle rücken

Das Festival feierte Premiere in der neuen Halle.
Das Festival feierte Premiere in der neuen Halle.
Foto: WAZ FotoPool

Moers..  Das erste Halbjahr 2014 war geprägt von der Kommunalwahl im Juni. Die Story dazu:

Mit dem damaligen Stadtsportvorsitzenden Christoph Fleischhauer hatte die CDU Ende 2013 ein Ausrufezeichen in Richtung SPD und Norbert Ballhaus platziert. Die Moerser Spitzengenossen Ehrmann und Yetim hatten den Amtsinhaber überraschend früh als Kandidaten positioniert, was parteiintern beinahe zur Revolte geführt hätte, mindestens aber eine unappetitliche Schlammschlacht provozierte. Die SPD also ein paar Monate vor der Kommunalwahl 2014 mit sich selbst beschäftigt, die CDU erstaunlich ruhig. Die Strategie, den Kontrahenten internen Zersetzungskräften zu überlassen und auf einen eigenen sympathischen Kandidaten zu setzen, ging am Ende auf.

Fleischhauer punktete gegen einen zwar volksnahen, aber angeschlagenen und oft blassen Ballhaus vor allem im öffentlichen Schlagabtausch. Beim NRZ-Kandidaten-Frühstück, bei der großen NRZ-Podiumsdiskussion im Bollwerk, schließlich bei unserem Format „Speakers Corner“ am Kö. Ballhaus zwang, man muss es so sagen, Fleischhauer zwar noch in eine Stichwahl, ging dann aber mit fliegenden Fahnen unter. Seine SPD blieb mit einem mageren Sitz Vorsprung stärkste Ratskraft, tauschte die FDP gegen die Grafschafter aus und weiß spätestens im Dezember 2014, dass sie sich strukturell und inhaltlich neu erfinden muss, um in Zeiten der Mangelverwaltung die Glaubwürdigkeit zu wahren.

Neben der Politik ließ Investor Sharam Khalili im Frühjahr aufhorchen mit dem Plan, das hässliche alte Postgebäude in der City endlich umzubauen. Ein Fitness-Studio soll kommen. Wohnräume, sogar Geschäfte sind geplant. Die Arbeiten sind längst in vollem Gange. Spektakulär: Im November wurde auf dem Gebäude ein Antennenmast angesägt, die Uerdinger Straße über Stunden komplett gesperrt.

Das Jahr war auch unglaublich traurig: Im April gab es den ersten tragischen Todesfall von Teenagern, die ganz Moers zutiefst berührten. Der schwer herz- und lungenkranke Veit Zickerick aus Eick-West erlag den Komplikationen einer Operation, die eigentlich seine Lebensqualität verbessern sollte. Der 15-Jährige war bekannt geworden, weil die Stadt ihm im Sommer 2013 die Fahrkostenpauschale zur Schule gestrichen und damit eine riesige Debatte ausgelöst hatte. Im Dezember, noch ganz frisch, hatte die 15-jährige Merle bei einem Unfall zwischen Holderberg und Vennikel keine Chance.

Moers kulturpolitisch: Mit dem Festival im Juni wurde die neue Halle verabredungsgemäß fertig, Lobby und Politik frohlockten: Punktlandung. Dass es keine finanzielle werden würde, war zumindest dem eingeweihten Kreis damals schon klar, im September platzte die Bombe: Die Moerser müssen für den hoch subventionierten Veranstaltungsort 410 000 Euro mehr aus eigener Tasche zahlen als veranschlagt, das Festival machte 50 000 Euro Miese. Die öffentlich Debatte, gepaart mit der fast zeitgleichen Offenbahrung des 8,5-Millionen-Euro-Lochs im Moerser Haushalt und des Grundsteuer-B-Pfundes, führte gar zu Rücktrittsforderungen an die Kultur-Verantwortlichen. Bis heute gibt’s kein Betreiberkonzept für die Halle, ein Thema das auch 2015 zu Kontroversen führen wird.

Wie die Flüchtlingsproblematik, die Moers im Herbst mit voller Härte traf. Brandbriefe von Anwohnern jetziger und künftiger Unterkünfte, Annäherung durch Podiumsdiskussionen, Themenabende, einen Runden Tisch. Hier scheint Moers auf einem guten Weg. Und muss dranbleiben.

Nicht zuletzt: Horten. Im Dezember haben die Abrissarbeiten für die neue Grafen-Galerie begonnen. Ein Stück Moers stirbt, ein neues wird geboren.