Wirtschaft
TNT-Beschäftigte laut Verdi auf Hartz IV angewiesen
21.01.2010 | 06:30 Uhr 2010-01-21T06:30:00+0100
Kamp-Lintfort. Die Gewerkschaft Verdi nennt den niederländischen Postdienst TNT den "Schlecker unter den Postzustellern", wirft ihm Lohn-Dumping vor. Zahlreiche TNT-Beschäftigte seien auf Hartz IV angewiesen. Trotzdem verschickt die Stadt Kamp-Lintfort zum Beispiel ihre Gebührenbescheide mit TNT.
Dass eine mehrheitlich sozialdemokratisch regierte Stadt ihre Gebührenbescheide und andere Schreiben über TNT zustellen lässt, wird manchen merkwürdig berühren. Der Postdienst aus den Niederlanden ist in der Vergangenheit immer wieder mit Lohndrückerei unangenehm aufgefallen.
Die Gewerkschaft Verdi hat dem Anbieter gleich eine ganze Kampagne gewidmet. Gewerkschaftssekretärin Herma Janßen spricht vom „Schlecker unter den Postzustellern”, dem sie auch vorwirft, die Bildung einer Arbeitnehmervertretung und damit Einflussnahme von Verdi verhindern zu wollen.
6,30 Euro Stundenlohn
„TNT ist nicht bereit, gerechten Lohn zu zahlen”, lautet der Hauptvorwurf. Rechtswidrig ignoriere das Unternehmen den seit Anfang 2009 vom Gesetzgeber festgelegten Mindest-Stundenlohn von 9,80 Euro für Postzusteller. Beschäftigte des Mitbewerbers der Deutschen Post erhielten stattdessen zwischen 7,50 und 7,60 Euro. Und wenn ein Subunternehmen mit eingeschaltet sei, könne es gar bis auf 6,30 Euro herunter gehen.
Herma Janßen weiß zu berichten, dass nicht wenige der Beschäftigten aufgrund der niedrigen Löhne zusätzlich auf Leistungen nach Hartz IV angewiesen seien. Doch die Forderung nach Mindestlohn wurde bislang von Gerichten als unerwünschte Beschneidung der Tarifhoheit des Arbeitgebers gewertet. Jetzt blickt Herma Janßen gespannt gen Bundesverwaltungsgericht, das sich noch in diesem Monat mit dieser Grundsatzfrage befassen will.
Stadt Kamp-Lintfort will "Wettbwewerb nutzen"
„Bei allen Einkäufen müssen wir den Wettbewerb nutzen”, bemerkt Hauptamtsleiter Guido Roosen zur Auftragsvergabe an TNT. „Das erwartet auch der Steuerzahler.” Die Firma habe dargelegt, dass sie sich an tarifliche Spielregeln halte. Das werde nämlich, so Roosen, grundsätzlich von den Dienstleistern erwartet. Anders als die Deutsche Post biete TNT gröbere Tarifstrukturen und das Frankieren von Briefen als zusätzliche Leistung an. Roosen: „Doch wenn der tariflich vereinbarte Lohn nicht gezahlt wird, werden wir über eine Veränderung der Vergabe nachdenken.”
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