Teurer Hospital-Besuch in Kamp-Lintfort

Das St.-Bernhard-Krankenhaus Kamp-Lintfort.
Das St.-Bernhard-Krankenhaus Kamp-Lintfort.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Walter D. soll 20 Euro zahlen, weil die Parkzeit abgelaufen war. Er habe nur einen Euro Kleingeld gehabt. Wechseln oder mit EC-Karte zahln, könne man nicht.

Kamp-Lintfort..  An den meisten Krankenhäusern ist es schon lange gang und gäbe – wer sein Auto vor der Pforte abstellt, muss bezahlen. Auch das St. Bernhard-Krankenhaus hat im Sommer Nägel mit Köpfen gemacht, nachdem die Parksituation vor Ort immer schwieriger geworden war: Für 365 000 Euro baute das Krankenhaus 120 zusätzliche Parkplätze und installierte Parkscheinautomaten. Nicht unüblich, aber dennoch war Walter G. (Name der Redaktion bekannt) erst einmal überrascht, als er im Dezember einen Termin im Bernhard-Krankenhaus wahrnehmen wollte: „Darauf war ich nicht vorbereitet, ich hatte nur einen Euro Kleingeld in der Tasche.“

Und genau das bescherte ihm ein Knöllchen über 20 Euro, das den Rentner bis heute mächtig ärgert.

Der Termin für das Vorgespräch und die Voruntersuchungen für eine anstehende Schulteroperation war für 8 Uhr angesetzt. G. ist pünktlich – und guten Willens, seinen Parkplatz zu bezahlen. Allein – im Portemonnaie ist nur ein Euro Kleingeld, und der Parkscheinautomat akzeptiert weder Geldscheine, noch eine EC-Karte.

Auch sein Versuch, Geld am Kiosk zu wechseln, scheitert. An der Pforte, sagt G., sei die Kasse noch nicht geöffnet gewesen. Passendes Automatenfutter war also ebenfalls – Fehlanzeige. G. schmeißt seinen einen Euro ein und eilt zum Gesprächstermin.

Als der Sevelener um die Mittagszeit wieder zu seinem Auto zurückkehrt, findet er unterm Scheibenwischer ein Knöllchen über 20 Euro.

Nicht dem Grunde nach, sondern gegen die Höhe des Knöllchens will er eine einvernehmliche Lösung mit dem Ordnungsamt erzielen und legt Widerspruch ein. Er sei ja willig gewesen, einen angemessenen Betrag zu zahlen, sagt G., nur sei seiner Meinung nach hier der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht richtig beachtet und ein eventuell möglicher Ermessensspielraum nicht angewandt worden. Der Widerspruch wird abgelehnt.

„20 Euro – für was eigentlich? Man muss sich auch fragen, weshalb der Betreiber der Parkscheinautomaten keinen Papiergeldwechsler oder Verwendung der EC-Karte vorgesehen hat – ein Schelm, der dahinter eine Absicht vermutet“, so G.

„Wir handeln im Interesse der Vorgaben des Krankenhauses“, heißt es dazu seitens der Stadt. Wie andernorts auch verteile das Ordnungsamt dort „ganz normal“ Knöllchen. Jörg Verfürth, Pressesprecher des St. Bernhard-Krankenhauses, weiß um manche Schwierigkeit in diesem Zusammenhang: „Wir haben keine Schranke – das macht es etwas komplizierter.“ Wegen der Geländesituation sei der Einbau einer Schranke aber nicht machbar, dazu hätte ein solcher auch noch Parkplätze gekostet.

Mit 50 Cent pro Stunde und einem Tagessatz von 4,50 Euro bewege sich das St. Bernhard aber an der unteren Grenze. Und weiter: „Was manche Leute nicht bedenken, dass Termine in Krankenhäusern schon mal länger dauern können – weil vielleicht ein Notfall dazwischen kommt. Deshalb planen wir, Schilder aufzustellen, auf denen wir unsere Patienten bitten, die Parkzeiten lieber etwas großzügiger zu kalkulieren.“