Telefonterror: „Ich komm’ dann mal vorbei“
12.02.2012 | 17:31 Uhr 2012-02-12T17:31:00+0100
Moers. Ungebetene Werbeanrufer schrecken oft selbst vor Drohungen nicht zurück. Mitunter können die Anrufe in Erpressung ausarten. Am Mittwoch,15. Februar, beraten Experten am NRZ-Telefon zum Thema Abzocke.
Ungebetene Werbeanrufe sind zumindest lästig und meist ärgerlich. Sie können jedoch, wie das Beispiel einer Leserin zeigt, in Telefonterror und Erpressung ausarten.
Ihren Namen möchte die 80-jährige Dame nicht in der Zeitung lesen. Zu viel Schindluder wurde mit ihren Daten getrieben; seit einiger Zeit hat sie sogar eine Geheimnummer, um sich vor den Telefonabzockern zu schützen. Vom Juli bis zum November klingelte im letzten Jahr das Telefon bis zu fünf Mal am Tag. „Die haben wirklich alles angeboten“, so die 80-Jährige. Dass sie nichts kaufen wollte, interessierte die Abzocker nicht: „Einer sagte: Sie sind so zickig, ich komm’ dann mal vorbei.“ Die Seniorin konterte geistesgegenwärtig: „Kommen sie nur, dann wartet die Polizei auf sie.“
Fast unnötig zu erwähnen, dass sich niemand blicken ließ. Zu guter Letzt versuchten es die Abzocker mit Erpressung: „Eine Frau sagte mir: Wenn sie 87 Euro zahlen, garantiere ich ihnen, dass sie drei Jahre keine Anrufe mehr kriegen.“ Ihre Daten, so erklärte die Anruferin unserer Leserin, würden täglich weiterverkauft. „Ich war jahrelang Kundin bei Quelle“, überlegt die 80-Jährige, „was ist da mit meinen Daten passiert?“
Wolfgang Clanzett, 02841/140 750: Enkeltrick, Trickbetrüger an der Haustüre, Kaffeefahrten; Gisela Daniels, 02841/140 745: Telefonwerbung, Abzocke im Internet
Gisela Migdalek aus Kamp-Lintfort kann von Telefonterror ein Liedchen singen. Bis zu 20 Mal am Tag sei sie von Call-Centern belästigt worden, 30 verschiedene Telefonnummern habe sie sich notiert. Aber auch auf die Aufforderung „Was haben sie für einen Scheiß-Job – lassen Sie die Anruferei“ habe die Antwort nur gelautet: „Ich rufe morgen wieder an.“ Bei der Verbraucherzentrale holte sie sich Rat, aber: „Wunder dauern länger.“ Sie wünscht sich nur eins: „Möglicherweise gibt es bald Gesetze, die so etwas verhindern.“ Seit sie einen Anrufbeantworter angeschlossen hat, sind die Anrufe auf sieben am Tag zurück gegangen.
Schlimme Erfahrungen mit Telefonabzockern machte auch Anne-Marlies Schürmann. Dummerweise habe sie am Telefon Anschrift und Bankdaten preisgegeben und somit an fünf Spielgemeinschaften teilgenommen. „Ich wurde später aber schlau und habe fristgerecht mit Einschreiben und Rückschein gekündigt.“
Als von ihrem Konto weiter Geld abgebucht wurde, holte sie es über ihre Bank umgehend zurück. Übrigens habe sie nie eine Kündigungsbestätigung erhalten – dafür aber Post von fünf Inkassofirmen. Ihr Fazit: „Ich möchte alle Leute warnen, an diesen Lottospielgemeinschaften teilzunehmen.“
Infos:
Das „Angebot“, gegen Zahlung von 87 Euro die Werbeanrufe einzustellen, könnte – so die Polizei – den Straftatbestand der Nötigung oder Erpressung erfüllen. Die Betroffenen sollten Strafanzeige erstatten.
Gisela Daniels, Leiterin der Moerser Verbraucherzentrale, zum Thema Robinson-Liste: „Man sollte sich auf jeden Fall eintragen lassen, wenn man nicht mit Werbung belästigt werden will. Aber die Abzocker, mit denen wir es zu tun haben, sind da nicht Mitglied.“ Die Robinson-Liste schützt somit nur vor der Werbung seriöser Firmen, nicht aber vor üblen Machenschaften.
Gisela Daniels rät dringend, am Telefon keine Daten weiterzugeben: „Gerade bei Gewinnspielen werden Daten abgefischt.“ Die NRZ-Serie, zieht die Leiterin der Verbraucherzentrale an der Kirchstraße 42 eine Zwischenbilanz, sei bei den Verbrauchern auf große Resonanz gestoßen.
10:42
Ich melde mich schon lange nicht mehr mit Namen, wenn das Tel klingelt. So haben diese Fritzen erstmal keinen wirklichen Anhaltpunkt, wen sie da dran haben.
Mich hat son Idiot pünktlich alle zwei Wochen angerufen.
Bis ich mal eine Druckluftfanfare an den Hörer gehalten habe. Seither ist Ruhe. :-)