Städtepartner für Kamp-Lintfort

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Was wir bereits wissen
Bürgermeister Christoph Landscheidt spricht im Interview über Selbstläufer und einen geplanten Neustart in der Türkei.

Kamp-Lintfort..  Städtepartnerschaften sollen das Zusammenwachsen der Völker fördern, den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch über Landesgrenzen beflügeln und Freundschaften wachsen lassen – so die Idee. Die Stadt Moers pflegt Beziehungen zu sechs, Neukirchen-Vluyn zu drei und Kamp-Lintfort ebenfalls offiziell zu noch drei Städten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem Städtepartnerschaften zu englischen oder französischen Städten, die dazu beitragen sollten, die durch die Kriege geprägten Feindbilder durch Begegnung zu überwinden. Mit der Öffnung nach Osteuropa suchten viele Städte später auch dort erfolgreich nach Partnerschaften. Aber: eine Städtepartnerschaft zu schließen ist nicht allzu schwer, sie dauerhaft zu pflegen mitunter weitaus komplizierter. Im Interview mit der NRZ spricht Bürgermeister Christoph Landscheidt über Selbstläufer, einen geplanten Neustart und einen Olivenbaum namens „Olli“...

Herr Landscheidt, wann waren Sie zuletzt in einer von Kamp-Lintforts Partnerstädten und was haben Sie von dort mitgenommen?

Landscheidt: Von unserem letzten Besuch in Edremit in der Türkei im Jahr 2011 habe ich ein kleines Olivenbäumchen mitgebracht. Ein Geschenk des dortigen Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten. Die Region ist bekannt für ihr hervorragendes Olivenöl. Bei meinem Bäumchen – er heißt übrigens Olli – wird’s mit der Olivenernte noch ein wenig dauern. Er tut sich mit dem Klima etwas schwer. Er misst jetzt eine Elle und wächst pro Jahr nicht mehr als einen Zentimeter... wenn’s gut läuft!

Kritiker sagen, mit Ausnahme der Beziehung zum polnischen Zory existierten Kamp-Lintforts Städtepartnerschaften nur noch auf dem Papier, vor allem die jüngste zur türkischen Stadt Edremit ...

Das kann man so nicht sagen. Die Partnerschaft mit Zory ist derzeit sicherlich die lebendigste, bei den Kontakten auf offizieller wie auch auf schulischer und sportlicher Ebene. Zuletzt war eine offizielle Delegation aus Zory zur Eröffnung der Hochschule im Sommer 2014 bei uns, kurz vorher eine Schülergruppe im Gymnasium.

Die Partnerschaft mit Edremit hat für nur für eine gewisse Zeit gewissermaßen „auf Eis“ gelegen, da es auf türkischer Seite Probleme gab, die erst kürzlich durch die Wahl eines neuen Bürgermeisters und eines neuen Rates behoben wurden. Aktuell ist ein offizieller Besuch in Edremit für April diesen Jahres vorgesehen.

Mit Cambrai gibt es einen regelmäßigen Austausch der Realschule und meines Wissens auch noch mit der Unesco-Schule jeweils mit Schulen dort. Bei den Sportvereinen sind es vor allem die Tischtennisvereine beider Städte. Der Kamp-Lintforter TT-Verein (PSV) war im April 2014 zum 30-jährigen Jubiläum des TT-Vereins dort in Cambrai. Dieses Jahr wird ein Gegenbesuch erwartet, außerdem plant der TT-Verein eine offene Stadtmeisterschaft, zu der er neben Cambrai auch Sportler aus anderen Partnerstädten einladen will.

Die offizielle Partnerschaft mit Chester-le-Street ist von der englischen Seite aus vor einigen Jahren für beendet erklärt worden, als die Stadt nach Durham eingemeindet wurde und deshalb als eigenständige Kommune nicht mehr existiert. Trotzdem bestehen auf der Ebene der Schulen (Unesco-Schule) und auf privater Ebene weiterhin regelmäßige Kontakte.

Halten Sie Städtepartnerschaften überhaupt noch für zeitgemäß?

Dass Städtepartnerschaften weiter zeitgemäß sind, zeigen allein schon die gerade aufgezählten Aktivitäten. Aber natürlich unterliegen auch Städtepartnerschaften einem Wandel. Vor 30 Jahren war für die in der Partnerschaft engagierten Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Motivation, auf diese Art einmal nach England oder Frankreich zu kommen. Dazu gibt es heute vielfältige andere Möglichkeiten.

Aber auch in unserer globalisierten und vernetzten Welt ist es für viele junge Leute dann doch nicht selbstverständlich, sich abseits von Bade- oder Partyurlaub ein Bild von anderen Ländern und Völkern zu machen, mit den dortigen Jugendlichen und ihrem andersartigen kulturellen, sprachlichen und/oder religiösem Hintergrund. Aktuelle Vorkommnisse zeigen nur zu deutlich, wie wichtig so etwas ist.

Wie viel Geld steht im städtischen Haushalt für die Pflege der Partnerschaften bereit?

Wenn Sie in den aktuellen Haushalt schauen, finden Sie pro Jahr die Summe von 8000 Euro. Das reicht natürlich in Jahren, in denen größere städtische Aktivitäten anstehen, nicht aus. Dann müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden.

Um Städtepartnerschaften lebendig zu halten, braucht es auf beiden Seiten interessierte Bürger, die sich kümmern. Oder, wie beim Beispiel Zory, Schulen, die an einem Austausch interessiert sind samt Lehrern, die sich engagieren. Sind da gleich vier (Chester-le-Street noch eingerechnet) Adressen für eine Stadt wie Kamp-Lintfort nicht ein bisschen viel?

Wie gesagt: Entscheidend ist, wie sie mit Leben gefüllt werden. Das klappt mit Zory auf allen Ebenen hervorragend. Mit Edremit starten wir im April wieder durch. Und dass die Kontakte zu den alten beziehungsweise früheren Partnerstädten kleine, aber feine „Selbstläufer“ geworden sind, ist doch auch nicht schlecht, oder?