Spurensuche mit einem Wutbürger

Foto: Herlmut Berns

Moers..  Die Szenerie auf der Studiobühne ist minimalistisch angelegt: Ein Mann im dunklen Anzug sitzt an einem Tisch, darauf eine Landkarte, ein Stapel Papier, ein Diktafon, zwei Stifte, bedruckte Folien und eine Bildersammlung – scheinbare Beweismaterialien in einem aufsehenerregenden Fall, in dem es um die Frage nach Recht und Gerechtigkeit geht: Mit der szenischen Lesung „Michael Kohlhaas“ nach der Novelle von Heinrich von Kleist feierte das Schlosstheater am Mittwochabend Premiere.

Musik schafft Atmosphäre

Ulrich Greb setzt den Stoff in einer Mischung aus Bilderbogen-Theater und modernem Hörspiel originell in Szene. Wie ein zunehmend von der Aufklärung des Falls besessener Profiler begibt sich Schauspieler Patrick Dollas in der Rolle eines Chronisten auf die Spur des Rosshändlers Michael Kohlhaas, der durch die willkürliche Schikane eines Adeligen erst zwei Pferde verliert und – nachdem er auf legalem Wege kein Recht bekommt – am Ende zu einem mörderischen Rachefeldzug aufbricht.

Mit einem dicken roten Stift markiert der designierte Ermittler während des Erzählens die Orte des Geschehens auf Landkarte, schiebt Zeugen- und Opferporträts hin und her, spricht ab und an wuchtige Sätze in sein Diktafon: „Dir soll Gerechtigkeit widerfahren ...“, um sie anschließend auf Tastendruck wieder abzuspulen.

Dabei schlüpft Dollas als Erzähler immer wieder in verschiedene Rollen – mal ist er der zunehmend nervös zuckende Kohlhaas, mal der sächselnde Burgvogt, mal die sanfte Lisbeth, der es nicht gelingt, den Rachefeldzug ihres Mannes zu stoppen.

Immer wieder sorgt die eigens für das Stück komponierte eingespielte Musik von Hayden Chisholm und Philip Zoubek dabei für Atmosphäre, mitunter sogar für leise Lacher – etwa wenn sich das Knarzen einer alten Holztür in gekonnte Saxofonklänge auflöst.

Und in dem Maße, in der die Kleist’sche Novelle zunehmend märchenhafte Züge annimmt, wird auch die Materialsammlung auf dem Tisch immer wirrer und verschwindet am Ende wieder in den Pappkartons, aus denen sie zu Beginn hervorgeholt wurde.

Das Premierenpublikum dankte den unverhofft in den Spielplan aufgenommenen kleinen, aber feinen Kleist-Abend mit Applaus. Kommende Woche geht es im Schlosstheater gleich weiter mit Kleist. Dann steht am Donnerstag mit „Amphitryon“ die letzte Premiere der Spielzeit an.