SPD-Politiker als Einzelkämpfer gegen Diätenerhöhung für Abgeordnete
07.02.2012 | 12:07 Uhr 2012-02-07T12:07:00+0100
Am Niederrhein. Der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Meesters ist gegen die geplante Diätenerhöhung um 500 Euro für NRW-Parlamentarier, schätzt die politische Wirkung eines solchen Schritts als fatal ein - und steht damit ziemlich alleine da. Am Mittwoch, 8. Februar, wird im Landesparlament abgestimmt.
Nun ist es ja nicht so, als gebe es in Moers und Umgebung derzeit keine kontroversen Themen. Die Diätenerhöhung der Landesparlamentarier bleibt aber zweifellos ein Top-Aufreger. Obwohl er gar nicht kontrovers diskutiert wird. Zumindest die Arbeitgeber der Abgeordneten, die Wählerinnen und Wähler, sind sich ziemlich einig: Dieser selbst genehmigte Aufschlag um 500 Euro für die Altersvorsorge passt nicht in die Zeit. Dennoch werden SPD (mit dem Moerser Ibrahim Yetim und dem Kamp-Lintforter Wolfgang Roth), CDU (Margret Vosseler , Issum) und Grüne ihn am Mittwoch beschließen. Yetim: „Wir brauchen diese Anpassung.“
10.226 Euro brutto erhalten er und seine Kollegen derzeit, zuzüglich eines kostenfreien Büros und einer Mitarbeiter-Pauschale von 3800 Euro. Nach der geplanten Diätenerhöhung zahlen die Abgeordneten 1641 Euro monatlich in die Altersvorsorge, nach zehn Jahren ergibt sich ein monatlicher Rentenanspruch von 1251 Euro. Zum Vergleich: Ein Durchschnittsverdienter kommt im gleichen Zeitraum auf 275 Euro. Höchstbeitragszahler, die immerhin auch 1097 Euro berappen, erhalten 582 Euro.
Beschwerdemails landen in Spam-Ordnern
Das Wahlvolk tobt. Zudem landeten tausende Beschwerdemails in parlamentarischen Spam-Ordnern und mancher Abgeordnete, wie Wolfgang Roth, hatte nicht mal mehr Lust, entsprechende Presseanfragen zu beantworten. Andere, wie Yetim, verteidigten die Anpassung vehement und beklagen generell, qua Gesetz selbst über ihre Gehälter entscheiden zu müssen. Nun, sie tun es, und zwar morgen auf der 54. Plenarsitzung. Allerdings nicht geschlossen. Der Genosse Norbert Meesters, zuständig für Dinslaken, Voerde und Hünxe, hatte in der entscheidenden Fraktionssitzung gegen die Erhöhung gestimmt. Er war einer von sieben der 67 Sozialdemokraten, die eine politisch fatale Wirkung sehen.
Prügel gibt’s jedenfalls nicht nur von der Basis. Politische Gegner wie die Linken in Neukirchen-Vluyn und Moers holen die Keule heraus: „Seit Jahren wird dem Bürger die Rente gekürzt. Wenn Herr Yetim jetzt behauptet, er sei ja schließlich für 18 Millionen Bürger verantwortlich, grenzt das an Größenwahn."
17:03
Meine Güte, jetzt haben wir Euch die Preise durch den Euro erhöht, haben die Mehrwertsteuer erhöht, haben die Steuerabgaben bei steigenden Mineralölpreisen erhöht, haben die Mieten und Strompreise erhöht, haben die Abfallgebühren erhöht, haben die Strafen für Verkehrsvergehen erhöht, haben Euch die Parkgebühren erhöht, haben die Fahrpreise für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr erhöht, haben die Praxisgebühr eingeführt und die Rezeptgebühren für Heilmittel erhöht und haben die Studiengebühren eingeführt und die Kosten für Bildung erhöht! Mein Gott noch eins, jetzt sind wir armen Abgeordneten auch einmal dran unsere Pensionen zu erhöhen! Wir wollen durch nur Euer Bestes: denn unsere Rente ist sicher!
15:26
Inzwischen hat sich gezeigt: Es bleiben die Gierigen, Verlogenen, Abzockenden. Diäten, Kanalprüfungen, Rauchverbieter, Ladenschlussaufheber, Bevormunder und Reglementierer. Da ist kein Platz mehr für die dummen Wähler. Es wird sich rächen!
08:47
Auch wenn es am Ergebnis der Abstimmung natürlich nichts ändern wird, diese Haltung kann man nur loben. Hier wird weiterhin aktiv die Politik- und Parteienverdrossenheit gefüttert. Unsensibler kann man mit den Befindlichkeiten der Bürger kaum noch umgehen, die auf immer magerere Aussichten bei ihrer eigenen Altersversorgung blicken (müssen).
Die NRW-Piraten nahmen bereits vergangene Woche dazu Stellung:
http://www.openpr.de/news/603942/Geplante-Diaetenerhoehung-ist-eine-schallende-Ohrfeige-an-die-Buerger-NRWs.html