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Comedy

Spaßbad mit Spielwiese

17.07.2011 | 17:17 Uhr
Spaßbad mit Spielwiese
. Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool

Moers.Comedy Arts Festival-Fans trotzten am Samstag dem Dauerregen und wurden dafür reichlich belohnt.

Dieses Publikum lässt keinen Künstler im Regen stehen. Wer am Samstagabend nach fünf Stunden Dauerregen in Frischhaltefolie verpackt den letzten Mann auf der Bühne – den diesjährigen Preisträger des NRZ-Förderpreises Martin O. – tatsächlich noch zu einer Zugabe auffordert, ist selbst höchst preisverdächtig. Oder comedyartsverrückt ...

Das mit gutem Grund. Schon am späten Freitagabend, nachdem die menschlichen Schlagzeuge von „Yllana“ die ganze Arena zu ihrem Orchester gemacht hatte, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Standing Ovations für eine mitreißende Show, bei der sich ganz neue Spielarten von Musik und Comedy entdecken ließen. Die energiegeladenen Spanier trommelten auf Klappstühlen, auf ihre eigenen Körper - und natürlich auch auf einen ausgewählten Herren aus dem Publikum. In einen Schutzpanzer gepackt ertrug dieser selbst die musikalischen Tiefschläge mit gelassenem Humor.

Hauch von Zirkusluft

Die drei Veteranen von „Los Excentricos“ ließen es zuvor etwas ruhiger gehen. Schräge Musikclownerie, leise Melancholie und ein Hauch von Zirkusluft wehte über den Platz, als sich das Trio mit Pfanne und Staubsauger in klassischer Manier selbst das Konzert vergeigte.

Und hätte Bademeister Schaluppke am Freitagabend geahnt, dass sich die Arena am Samstag dank des Dauerregens tatsächlich in ein Spaßbad verwandeln würde, er hätte seine helle Freude gehabt – wie auch das Moerser Publikum mit ihm. Gut, dass Moderator Sebastian Pufpaff am Samstag ein ähnlich waches Auge bewies.

Witze über Amokläufer und Fukushima? Sebastian Pufpaff gewährt keine kabarettistische Schonfrist für den verwunderlichen Umgang der Firma Tepco mit der Reaktorkatastrophe. Der Mann, der eben nicht „Lars Vegas“ heißt und den Polizisten aufgrund seines Namens bei jeder Führerscheinkontrolle pusten lassen, erwies sich als äußerst scharfzüngiges Lästermaul mit professionellen Entertainerqualitäten. Sein Tipp fürs Publikum: „Lassen Sie sich nicht verarschen ...“

Ob er so heiß tanzen kann wie der Zauberer Paul Nathan aus den USA war am Samstag nicht zu klären. Nach seiner gekonnten Tanznummer zu Lady Gagas „Pokerface“ qualmten dem Magier nicht nur die Socken, sie brannten sogar. Trickreich gewöhnte der „Sssauberer“ Birgit aus dem Publikum das Rauchen ab und zeigte Ricki, wie man Frauen wirklich verzaubern kann.

Temporeich, originell und unterhaltsam

Dass man einen Walzer auch jonglieren kann, bewies eindrucksvoll das „Klappstuhlorchester“ in seiner Uraufführung. Temporeich, originell und unterhaltsam verbandelten sie Musik und Jonglage zu einem großen Ganzen.

Roberto Capitoni brachte es sogar fertig, das Publikum im Regen tanzen zu lassen - sozusagen als Moerser „Village People“. Dafür hatte der Schweizer Martin O. mit seinem Kasten aus Gebirgstannenholz einen Schatz mitgebracht, den man bislang selten so variabel und fantasievoll genutzt sah. Mit seiner Loop-Station tunte der Schweizer Gesang und Geschichten zu großen Hörerlebnissen

Faxen machten die Künstler aber auch neben der Bühne vor einer Kamera. Die lustigen Clips, ebenso weitere Fotos sind unter www.derwesten.de zu sehen.

Gabi Gies

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