„Sparer werden systematisch enteignet“

Am Dienstag, 02.12.2014, in Kamp-Lintfort auf dem Parkplatz der Hochschule vor dem RAG-Gebäude (Schalthaus) an der Friedrich-Heinrich-Allee. Kamp-Lintfort leuchtet ist großformatige interaktive Kunst an einem historischen und ortsbildprägendem Gebäude des Bergwerk West der RAG in Kamp-Lintfort. Foto: Volker Herold / Funke Foto Services
Am Dienstag, 02.12.2014, in Kamp-Lintfort auf dem Parkplatz der Hochschule vor dem RAG-Gebäude (Schalthaus) an der Friedrich-Heinrich-Allee. Kamp-Lintfort leuchtet ist großformatige interaktive Kunst an einem historischen und ortsbildprägendem Gebäude des Bergwerk West der RAG in Kamp-Lintfort. Foto: Volker Herold / Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Die Vorstandsvorsitzenden der Sparkassen und der Volksbank kritisieren die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Bald weniger Geld für Stiftungen?

Am Niederrhein..  Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, mehr als eine Billion Euro neu gedrucktes Geld in die Wirtschaft zu pumpen, stößt bei den Regionalbanken am Niederrhein auf teilweise massive Kritik. Auf Dauer, so die Befürchtung, könnten die Mini-Zinsen auch dazu führen, dass die dem Gemeinwohl verpflichteten Kreditinstitute nicht mehr so viel Geld für karitative, sportliche und kulturelle Einrichtungen übrig haben wie bislang.

Beispiel Sparkasse Duisburg. Das Institut hat von 2004 bis 2014 rund 830 000 Euro aus seiner Stiftung in gemeinnützige Zweck in Kamp-Lintfort gesteckt. Fast die Hälfte davon hat der Sport bekommen, die Hochschule profitierte mehrfach, die Überweisung hat die spektakuläre Aktion „Kamp-Lintfort leuchtet“ ermöglicht. Doch wenn der Zinsüberschuss ständig sinkt, sieht der Vorstandschef der Duisburger Sparkasse Joachim Bonn „massive Probleme“, zumal auf der anderen Seite die Personal- und Sachkosten steigen. Man sei in den vergangenen Jahren immer dort eingesprungen, wo sich die Trägerstädte nicht mehr ausreichend engagieren konnten. „Wenn die Zinswende auf Jahre hinaus ausbleibt und sich unsere Ergebnisse verschlechtern, können wir auf Sicht nicht mehr garantieren, dass wir diese Rolle mit der Ausschüttung von Bürgerdividenden beibehalten können“, prophezeit Bonn. „Dann wäre die Politik der EZB ganz unmittelbar auf kommunaler Ebene angekommen.“

Die niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre wirken in Moers schon jetzt. So musste die Kulturstiftung der Sparkasse am Niederrhein ihren Zuschuss zum Comedy-Arts-Festival für 2015 empfindlich kürzen. Gleichwohl glaubt der Vorstandsvorsitzende Giovanni Malaponti, dass die „Talsohle bei den Ausschüttungen erreicht ist“. Malaponti sieht allerdings die Sparer als die Verlierer: „Die Zinsen bleiben niedrig und das macht es schwer, den Wert des Ersparten zu erhalten.“

Diese Einschätzung teilt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein, Guido Lohmann, der gewohnt deutliche Worte für die Politik von Notenbankchef Mario Draghi findet: „Die deutschen Sparer werden systematisch enteignet und ihre mühsam erarbeitete Altersvorsorge schwindet dramatisch dahin“, schimpft Lohmann. Auch klassische Regionalbanken wie die Volksbank, deren Kerngeschäft die Hereinnahme von Spareinlagen und die Bereitstellung von Krediten an Privatkunden und Firmen ist, würden durch die extremen Niedrigzinsen „extrem belastet“. Dieses solide Geschäftsmodell werde durch die EZB und Teile der Politik „rücksichtslos in Gefahr gebracht“, schimpft Lohmann. Draghi mache sich „endgültig zur Marionette der gierigen Kapitalmärkte, Hedge-Fonds und Investmentbanken“.

Gesellschaftspolitische Zeitbombe

Wie Lohmann sieht auch Joachim Bonn die Entscheidung in Bezug auf die Altersvorsorge kritisch. Der Konsumverzicht von Sparern werde nicht belohnt, gleichzeitig seien die Rentensysteme begrenzt leistungsfähig. All dies könne zu verstärkter Altersarmut führen, fürchtet der Duisburger Sparkassenboss: „Das ist eine gesellschaftspolitische Zeitbombe.“