Später Vorwurf gegen RoB-Initiative
20.02.2012 | 18:55 Uhr 2012-02-20T18:55:00+0100
Moers. Migrantin fühlt sich benutzt und bezieht sich auf ein Gespräch vor einem Monat. Aktivisten sehen gesteuerte Attacke.
Der Zeitpunkt überrascht, aber immerhin hat Melek Can-Boutchich dafür eine Erklärung. „Freunde haben mich erst vor einigen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass ich auf der Homepage der Initiative abgebildet bin.“ Hintergrund: Die Migrantin aus dem Rheinkamper Ring hatte beim Auftakt der Unterschriften-Aktion vor ziemlich genau einem Monat ein Gespräch mit Hannelore Kaufmann von Rathaus ohne Ballhaus (RoB) geführt und war dabei fotografiert worden. Das habe sie erstens nicht gewollt und zweitens auch gesagt. Sie vermutet in einem Schreiben an die NRZ Methode: „Man versucht, mit Bildern einer kopftuchtragenden Migrantin die Stimmen von ausländischen Mitbürgern einzufangen.“
RoB-Aktivistin Hannelore schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Sie hat auch noch gute Erinnerungen an das Gespräch beim Auftakt. Aber eine völlig andere.
Ballhaus-Gegner sprechen von „Unverschämtheit“
Melek Can-Boutchich schildert, Kaufmann habe erklären wollen, warum Ballhaus „aus dem Amt gejagt werden“ müsse. Dabei aber nicht überzeugt. Ballhaus trage die alleinige Schuld am Abriss des Sportzentrums und am finanziellen Desaster der Stadt. Und er habe eine Spende erhalten. Das alles habe „die ältere Dame“ behauptet und Can-Boutchich habe gekontert, dass einer allein nie die Verantwortung trage. Und dass sie „aus tiefer Überzeugung“ nicht unterschrieben habe, weil „ich mit dem Bürgermeister sehr zufrieden bin“. Die Migrantin habe die Sanierung der Moerser Schulen, Kindergärten und Spielplätze angeführt, den Musenhof, das Rathaus und vieles mehr. „Die ganze Sache ist politisch motiviert.“
Hannelore Kaufmann erinnert sich gut an Melek Can-Boutchich. „Es war eines der ersten Gespräche und interessant noch dazu.“ Die Frau habe angegeben, Ballhaus persönlich zu kennen. Sie sei interessiert, aber überhaupt nicht informiert gewesen. „Das ist ja okay, dafür sind wir ja draußen.“ Aber der Inhalt des Briefes, der überrascht die Lehrerin. Gelinde gesagt. „Sie hatte niemals darum gebeten, nicht fotografiert zu werden.“ Kaufmann sagt zudem, Formulierungen wie „aus dem Amt jagen“ passten gar nicht in ihren Jargon. „Auch über die Haushaltslage haben wir nicht gesprochen.“ Es gehe ja um die Verfehlungen rund um die Spende und die Gutachten. „Und die im Brief aufgelisteten Pro-Ballhaus-Argumente hatte die Frau auch nicht angeführt.“
Eines stimme auf jeden Fall: „Ich konnte sie am Ende nicht überzeugen. Aber sie hatte sich zunächst entfernt mit dem Hinweis, sie werde sich das noch überlegen. Ich weiß nicht, was sie jetzt zu dieser Darstellung veranlasst. Aber ich kann es mir denken.“ Kaufmann will damit andeuten, der Brief sei ein gesteuerter Angriff auf „Rathaus ohne Ballhaus“. Wie dem auch sei: „Es ist jedenfalls eine absolute Unverschämtheit, uns zu unterstellen, wir wollten so die ausländischen Mitbürger manipulieren.“
RoB-Sprecher Karsten Schubert nahm das Bild gestern sofort von der Homepage.
19:11
Zum Punkt Migrantin: Ich sehe nur eine Frau, die ihr Harr unter einem Kopftuch schützt. Mir geht als Deutscher "auch mit Migrationshintergrund" dieses Migrantengetue und -hervorgehebe mächtig gegen den Strich. Damit stellt man uns doch nur ins Abseits.
Zum Punkt ROB: Diese Dame sieht man in unterschiedlichen Gazetten mit verschiedenen Personen der Initiative und schon ist das Foto gemacht. Was soll das? Da wird auf dem Rücken der Medien Propaganda hervorgerufen.
10:40
@Essenberger:
Die Initiative macht ja einen ganz entspannten und engagierten Eindruck, wenn man sie in der Stadt sieht. Das Ganze steht ja auch auf demokratischen Füßen.
Sicherlich sehen die auch Kritik recht entspannt und hätten ein Foto rausgenommen, wenn die Dame sie nur darum gebeten hätte.
Aber sie Initiative wurde ja gar nicht angesprochen. Der -Brief- wurde gleich in vielfacher Ausfertigung zeitgleich an alle Printmedien lanciert. Das spricht nicht für eine (berechtigte) Kritik an der Veröffentlichung eines Personenfotos, sondern für ein geplantes Medienereignis der B.-Seilschaft...
09:47
Die große Aufregung der Ballhaus-Abwahl-Initiative darüber kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Gleich von "Umverschämtheit" zu sprechen und zu spekulieren "der Brief sei ein gesteuerter Angriff" finde ich etwas übertrieben.
Wenn die Initiative sich Ihrer Argumente so sicher ist, könnte sie doch völlig
entspannt darauf reagieren, wenn jemand anderer Ansicht ist.
Es hätte doch gereicht, den Brief zur Kenntnis zu nehmen und das Bild rauszunehmen.
09:34
Man könnte hier schon auf den Gedanken kommen, es handele sich eine durch B. lancierte Aktion.
Eigenartig, dass die Dame sich genau zu dem Zeitpunkt medienwirksam zur Schau stellt, zu dem mehr Unterschriften gesammelt werden, als B. vermutet haben dürfte.
Seltsam auch, dass die Dame sich nicht bei der Initiative beschwert, sondern sich zeitgleich bei allen Printmedien professionell in Szene setzt.
Ein Schelm, der einen Zufall oder eine präzise geplante Störaktion von B. dahinter vermutet...