Skepsis bleibt
16.05.2010 | 14:53 Uhr 2010-05-16T14:53:00+0200Ruhig Blut, liebe Politik. Die angeblich neuen Forderungen des Investors MAB kommen bei Lichte betrachtet weder überraschend noch bedeuten sie das Ende des Projekts Einkaufszentrum. Es ist ja noch gar nichts passiert. Rein gar nichts.
Darum ist Aufregung zwar fehl am Platze, eine gesunde Skepsis gegenüber dem deutsch-niederländischen Unternehmen aber wichtig. MAB pokert, was in dieser Liga nichts Ungewöhnliches ist. Vertrauensfördernde Maßnahmen, auch das ist Teil der Wahrheit, sehen anders aus.
MAB hat Politik und Verwaltung mit schönen Bildern eines neuen Stadtquartiers für sich gewonnen. Sieht nach professionellem Umgang mit dem Computer aus, konkrete Pläne gibt’s nach wie vor nicht. Ansonsten: keine Kontaktaufnahme mit den anderen Besitzern der Grundstücke und Immobilien. Kein Brief, nicht mal ein Anruf. Wer eine konstruktive Verhandlungsatmosphäre schaffen will, darf sich intensiver bemühen. Zumal wenn, etwa wie im Falle der Grafschafter Passage, bislang kein gesteigertes Interesse daran bestand, überhaupt zu verkaufen.
In den Verhandlungen mit der Stadt, die für das Unternehmen offenbar Priorität haben, kann hingegen niemand von MAB erwarten, dass es mehr Geld in die Hand nimmt, als es muss. Natürlich, sagt der Investor, könne man mehr als die vertraglich festgelegten Parkplätze bauen. Aber bezahlen müssen andere. Und der Kaufpreis für das städtische Eckgebäude am Kö kann nicht die erträumte Maximalsumme erbringen, wenn es noch entmietet werden muss. Der Zahnarzt etwa, den der Bürgermeister selbst noch vor Kurzem mit einem opulenten Zehnjahresvertrag ausgestattet hat, ist auch Geschäftsmann.
Wer bis heute geglaubt hat, das Unternehmen MAB sei der Ritter auf dem Schimmel, darf die Augen jetzt wieder aufmachen.
Die Stadt wird sich bewegen müssen, was laut neuester Rechtsprechung auch in diesem Stadium offenbar möglich ist. Den erträumten Überschuss aus dem Verkauf des Kö-Gebäudes kann sie abhaken, es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten. Die eine ist, MAB kauft, die Stadt muss sich plus/minus Null begnügen und darf sich über ein neues City-Quartier freuen. Oder MAB kauft nicht, die Stadt macht weder ein Geschäft noch hat sie die Entwicklung.
Politik und Verwaltung müssen jetzt wachsam bleiben, maßvoll die eigenen Interessen gegen die des Investors abwägen. Emotionslos.
22:47
Offensichtlich hat sich die MAB bei ihren Problemen auf das schwächste Glied in der ihrer Problemkette konzentriert, auf die Stadt mit ihren Grundstücken. Die Stadt ist pleite und nicht handlungsfähig. Unterwirft sie sich dem Diktat der MAB, dann ist der schöne Traum aus, daß etwas umsonst zu bekommen wäre. Sie hat kein Geld, um dafür selbst einzugestehen. Außerdem verliert sie Steuereinnahmen. Viele Bewohner und Geschäftsleute müssen entmietet werden. Da geht es nicht nur um die Zahnarztkette. Unterwirft sie sich nicht, dann spart sie sich viel Geld und Moers geht trotzdem nicht unter. Das oft herbei geholte neue EU-Gerichtsurteil, welches die Position der MAB angeblich gestärkt haben soll, ist eine Nebelkerze und soll den Eindruck in der Öffentlichkeit erwecken, dass den Forderungen der MAB alternativlos nachgekommen werden muss. Die neue Regelungen betreffen Moers nicht. Es zeigt sich nur, wie unnötig es war europaweit auszuschreiben. Und die naiven Bildchen der MAB, mit denen sich der Rat den Wettbewerbssieger auserkoren hat, waren dem Moerser Entscheidungsniveau angepasst.