Sina aus Kamp-Lintfort ist auf dem Weg der Besserung

Sina leidet an einer Blutkrankheit.
Sina leidet an einer Blutkrankheit.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Die elfjährige Schülerin hat heute Geburtstag. Ende Februar steht fest, ob die Bluttransfusion bei ihr erfolgreich war.

Kamp-Lintfort..  Heute werden irgendwo in einem gemütlichen Wohnzimmer in Kamp-Lintfort elf Kerzen angezündet. Ganz in der Nähe des St. Bernhard-Hospitals. Es ist Sinas Geburtstag. Und es wäre nichts Besonderes, wenn es nicht Sina wäre. Vor fast genau einem Jahr begann der Leidensweg des kleinen Energiebündels aus Kamp-Lintfort. Heute hat Sina nichts von ihrem aufgeweckten Wesen verloren. Ein wenig nachdenklicher ist sie geworden, schneller gereift, aber das ist vielleicht normal. Und die Energie, die muss bei ihr erst langsam zurückkehren.

Etappe ins Leben

Sinas schlimme und lebensbedrohliche Blutkrankheit MDS bewegt die Region. Denn auch ihr Geburtstag ist nur eine Etappe zurück ins Leben. Den viel wichtigeren Termin gibt es in wenigen Wochen. Der so genannte „Tag 180“ würde für die Kleine so etwas wie den nächsten Geburtstag bedeuten.

Am 25. Februar ist es soweit, dann könnte die Bluttransplantation für das Mädchen im medizinischen Sinne als gelungen gelten. Dann könnte es die nächsten Lockerungen für Sinas Alltag geben. Zurück ins Leben, in die Gesellschaft, in ihre Schule, unter Freunde. Davor jedoch steht eine Abschlussuntersuchung in Freiburg.

Und vorher wird auch die Anspannung nicht weichen. Zumindest nicht von den Eltern. „Es gibt immer wieder Schrecksekunden“, erklärt Mama Daniela. So wie vor zehn Tagen, als Sina plötzlich einen starken Hautausschlag bekam. Potenziell ein Zeichen für die Abstoßung der Spenderzellen. Es waren jedoch keine Sekunden. „Es dauerte Tage, bis wir das abgeklärt hatten, gottlob gab’s dann Entwarnung. Aber wir sind einfach ständig auf der Hut, das kostet natürlich Kraft.“

Fast alles erlebt

Zumal Grundmanns in ihrer Zeit in der Freiburger Spezialklinik fast alle Varianten hautnah erlebt haben. „Eine Familie musste am Tag 180 erfahren, dass eine zweite Transplantation notwendig ist. Das ist grausam.“ Ihren Geburtstag wird Sina heute, wie das Weihnachtsfest, auch nur mit ihren Eltern feiern können.

Fast, denn eine Freundin darf kommen. Wer das sein wird, entscheidet sich kurzfristig, schon ein Schnupfen durchkreuzt den Plan. Besuch bekommt das Mädchen von ihren Lehrern vom Georg-Forster-Gmynasium. Heimunterricht. „Das ist wirklich großartig“, sagt Daniela Grundmann, die Sina auch wieder für den Klavierunterricht angemeldet hat. Außerdem kommt die Physiotherapie.

Und Sina? Gerade hat sie ihr letztes Abstoßungsmedikament genommen. Geschafft. „Wenn Tag 180 vorbei ist, esse ich erstmal alles, was ich so lange nicht durfte.“ Und, ganz wichtig: „Dann gehe ich schwimmen. Mit Rutsche.“ Die Elfjährige sei die meisten Tage gut drauf, sagt ihre Mutter. Aber die harte Therapie hat ihr beigebracht, mehr nachzudenken als viele andere Kinder in ihrem Alter. „Kann ich noch mal richtig Kind sein?“, hat sie ihre Mama kürzlich gefragt. Klar, hat Daniela dann geantwortet. Spätestens, wenn das mit der Rutsche klappt, beginnt Sinas Kindheit neu.