Simon Rummel gab Abschiedskonzert
01.02.2010 | 17:19 Uhr 2010-02-01T17:19:00+0100Moers. Als schräg würde wohl so mancher die Musik bezeichnen, die am Samstag in der Evangelischen Stadtkirche zu hören war. Denn sie war eben anders. Unerwartet. Nicht gewöhnlich. Simon Rummel, Improviser in Residence 2009, gab sein Abschluss-Konzert. 70 Interessierte waren gekommen.
„Großartig, dass wir so unkompliziert hier sein dürfen, mit einer Musik, die den Raum anders erfüllt als andere Musik”, scherzte Rummel dann auch bei der Begrüßung und erklärte dem Publikum: „Ich habe oft nachts hier in der Kirche geübt. Wenn man die Beleuchtung ausschaltet, und das Licht von draußen herein scheint, dann merkt man, dass das hier ein ganz besonderer Raum ist.”
Noch ein bisschen was dazu erfunden
Die Stücke, die er extra für das Abschlusskonzert komponiert habe, „hätten eine Gesamtlänge von fünf Minuten gehabt”, scherzte er, „da haben wir als Gruppe noch ein bisschen was dazu erfunden.” Begleitet wurde Rummel von seinem Ensembleprojekt „Fantasmofonika”: Sanne van Hek, Improviserin in Residence für das Jahr 2010, an der Trompete, Chanyuan Zhao, Michael Griener, Anna Kaluza, Joris Rühl und Johanna Klein an weiteren klassischen Instrumenten. Abgerundet wurde das Ganze durch den Einsatz von Ketonge am Elektronischen Klangarchiv und Echtzeiteffektprozessor, wo Geräusche und Sprache bruchlos in die Darbietung integriert wurden.
Mit seiner Musik wolle er die Hörer mit auf eine Reise nehmen, sagte Rummel. Wohin für ihn die Reise als nächstes geht, wisse er noch nicht. „Das Wo ist auch egal. Wichtig ist, was und mit wem”, findet Rummel. Er werde erst mal alles in Kartons packen und die irgendwo einlagern, sagt er. In den nächsten zwei bis drei Monaten möchte er seine Arbeit des vergangenen Jahres dokumentieren: „Ich habe hier ein Projekt nach dem anderen gemacht und will das jetzt in einem kleinen Heftchen sammeln und veröffentlichen. Es gibt sehr viel Material und es wurde viel gefilmt. Deshalb soll es auch eine DVD geben.”
Eine Frage des Charakters
Das Jahr als Improviser in Residence sieht Rummel grundsätzlich positiv. „Ich habe versucht, in allen Konzerten etwas ganz Spezielles zu machen. Das war so bunt, dass für jeden etwas dabei war”, ist er sicher.
Ob man seine Kunst möge, sei eine Frage des Charakters und der grundsätzlichen Haltung gegenüber der Musik. „Der ideale Zuhörer ist offen und kritisch. Viele übernehmen allzu bereitwillig das, was ihnen jeden Tag vorgedudelt wird. Sobald man jedoch selbst Musik macht, hört man schon wieder ganz anders hin”, findet Rummel.
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