Shoppen, am liebsten in Moers

Bürgerbarometer in Neukirchen-Vluyn
Bürgerbarometer in Neukirchen-Vluyn
Was wir bereits wissen
Die Bürger lieben das Bummeln in der City. Und auch die Lebensmittelversorgung beurteilen viele als gut. Doch manche Händler klagen über Umsatzrückgänge.

Moers.. Auf den ersten Blick erscheint es widersprüchlich: 63 Prozent der Moerser gehen gern in „ihrer“ Stadt bummeln und einkaufen. Und 82 Prozent beurteilen die Versorgung mit Lebensmitteln in ihrer Umgebung sogar mit sehr gut bis gut. Dagegen klagt jedoch so mancher Einzelhändler über Umsatzrückgänge und mangelnde Kaufkraft.


Die gute Bewertung der Moerser Kunden hört Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Niederrhein, gern: „Das freut uns natürlich“, kommentiert er. Dies bestätige auch die eigenen Erhebungen. Zu den Klagen: „Man muss da nach Branchen unterscheiden.“ In der Textilbranche werde doppelt so viel umgesetzt wie Moers an Kaufkraft besitze – das bedeute, dass auch viele Kunden von außerhalb zum Shoppen nach Moers kommen.

Viel Konkurrenz

Dies sei um so positiver zu sehen, als 1996 bekanntlich das Centro Oberhausen eröffnet habe, „dann kamen das Citypalais und das Forum Duisburg dazu, und auch in Krefeld hat sich einiges getan.“ Obendrein ist da noch die Konkurrenz des Online-Handels mit 7 Prozent Umsatz in Moers.


Doch mancher Händler in B- und C-Lagen, beispielsweise am Ende der Neustraße, habe zu kämpfen. „Die Frequenz ist wohl auch nicht mehr wie vor 15 Jahren“, so Bommann weiter. Manche Schließungen wie im Altstadtdreieck, aber auch an Pfeffer- und Friedrichstraße seien nicht zu verschweigen. „Insofern haben die Händler recht, dass sich ihr Umfeld verändert hat.“ Magnete wie einst Möbel Knuffmann oder das früher „brummende“ Wallzentrum und andere seien nicht mehr da.


Immerhin: Die Kaufkraft der Moerser betrug 2014 572 Millionen Euro, der Handel verzeichnete 587 Millionen Umsatz. Aber: Vor 30 Jahren wanderten 40,6 Prozent des verfügbaren Einkommens der Menschen in den Konsum, heute sind es nur noch 28,4 Prozent. Was auch mit den immer rasantere Kostensteigerungen für die Bürger erklärbar sei. „Da spielen auch Steuer- und Gebührenerhöhungen eine Rolle.“


Daher sei man als Einzelhandelsverband im ständigen Dialog mit der Stadt. „Angesichts des rückläufigen Konsums muss man sich dann auch fragen, ob ein Zentrum am alten Hortenstandort mit 16?000 Quadratmetern Verkaufsfläche verträglich ist für das andere Ende der Moerser Einkaufsmeile.“


Werbering-Vorsitzender Thorsten Fischer bestätigt die Probleme von Händlern in ungünstigeren Lagen. Auch er bedauert den Rückzug wichtiger Läden wie Kaisers am Neumarkt. „Aber der Trend geht eindeutig wieder zum Innenstadtwohnen. Nur, die Lebensmittellläden liegen oft außerhalb.“ Wer in der City altersgerechten Wohnraum schaffe, müsse auch an die Einkaufsmöglichkeiten denken. „An der Homberger Straße fehlt beispielsweise ein guter Metzger.“ Der Wochenmarkt biete dagegen ein schönes Angebot.


Tatsächlich klagten die Altstadthändler über den Abfluss von Kaufkraft, weiß Fischer. Homberger und Neustraße seien derzeit eher stabile Lagen. Neu: Der Werbering will sich dem Trend zum Online-Kauf stellen und schaut hinüber nach Wuppertal, wo dies bereits erfolgreich von den Einzelhändlern praktiziert wird. „Alle schimpfen übers Internet, aber wir müssen damit arbeiten“, erklärt Thorsten Fischer.

40-Jährige und über 70-Jährige kaufen am liebsten vor Ort ein

Die Zahlen der Umfrage sprechen für Moers als Einkaufsstadt: Die Versorgung mit Lebensmitteln beurteilen 56 Prozent als sehr gut, 26 Prozent vergeben ein Gut, 8 Prozent urteilen mit befriedigend – macht zusammen 90 Prozent zufriedene Moerser, was die Nahversorgung angeht.


Nach Ortsteilen befragt, vergeben die Bürger in Moers-Ost (wie Scherpenberg) sogar zu 60 Prozent ein Sehr gut, dicht gefolgt von den Menschen im Zentrum. Was auch mit dem Nachbarort zu tun haben kann. Denn der Moerser Osten grenzt an Homberg, wo es bekanntlich große Läden wie Kaufland gibt. Am ehesten sagen noch die Befragten in Moers-Nord (wie in Eick), sie seien unzufrieden mit dem Lebensmittelangebot.

Nur jede zweite Frau zufrieden

Nach Geschlechtern unterschieden, sind allerdings 60 Prozent der Männer und nur 50 Prozent der Frauen sehr zufrieden mit der Versorgung. Dabei geben junge Menschen bessere Noten als ältere. Die Gruppe ab 50 Jahren beurteilt das Lebensmittelangebot in der Umgebung nur noch zu rund 50 Prozent als sehr gut.


Geht es um alle Waren außer Lebensmitteln, sagen 63 Prozent der Befragten, sie shoppten gern in Moers. Weit abgeschlagen die Zentren auf der anderen Rheinseite. Nur 10 Prozent Moerser kaufen im Centro und 8 Prozent in Duisburg ein. 7 Prozent der Befragten gehen ins Internet, nur 3 Prozent fahren nach Kamp-Lintfort.


Wobei die Bürger in Moers-Ost, die nahe an Duisburg wohnen, noch am ehesten zum Shoppen über den Rhein fahren. Die Befragung zeigt auch, dass die Gruppen der 40- bis 49-Jährigen und die der Menschen über 70 Jahre am häufigsten in Moers einkaufen.